Zwei Autozulieferer an einem Tag vor dem Aus – über 1.000 Jobs bei Bohai und Schlote gefährdet

In Harzgerode, Wernigerode, Sömmerda und Brandenburg droht zwei insolventen Autozulieferern das operative Aus. Am 28. April wurde bekannt, dass beim Bohai Trimet Konzern und der Schlote-Gruppe wichtige Rettungsversuche scheitern könnten. Hauptauftraggeber ziehen Aufträge ab, während Übernahmegespräche bisher keine Lösung brachten. Dadurch geraten mehr als 1.000 direkte Arbeitsplätze in Gefahr. Zusätzlich hängen rund 650 weitere Jobs in der Region wirtschaftlich an Bohai (t-online: 28.04.26).


Hauptkunden ziehen wichtige Aufträge ab

Bei Bohai steht vor allem der Rückzug eines Hauptauftraggebers im Zentrum. Dieser will wesentliche Teile ab Herbst nicht mehr in Harzgerode und Sömmerda fertigen lassen. Ohne diese Aufträge fehlt den Standorten jedoch die wirtschaftliche Basis.

Die Insolvenz-Lawine nimmt weiter Fahrt auf: Bei Bohai Trimet und Schlote sind mehr als 1.000 Jobs und mehrere Werke akut gefährdet
Die Insolvenz-Lawine nimmt weiter Fahrt auf: Bei Bohai Trimet und Schlote sind mehr als 1.000 Jobs und mehrere Werke akut gefährdet

Zuvor hatten drei Interessenten über eine Übernahme von Bohai verhandelt. Eine Einigung gelang jedoch nicht. Dabei hatten das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Harzgerode und weitere Stellen Unterstützung zugesagt.

Rund 700 Bohai-Beschäftigte betroffen

Bei Bohai arbeiten knapp 700 Beschäftigte. Außerdem hängen laut Insolvenzverwaltung weitere 650 Arbeitsplätze in regionalen Unternehmen an dem Zulieferer. Die Folgen reichen deshalb deutlich über die Werkstore hinaus.

Auch bei Schlote verschärft sich die Lage. Kunden wollen beauftragte Autoteile künftig von anderen Lieferanten beziehen. Betroffen sind rund 330 Beschäftigte bei GAW Wernigerode, Schlote Harzgerode und Schlote Brandenburg.


Entscheidung der Gläubiger steht noch aus

Die Fortführung beider Unternehmen erhielt seit etwa einem Jahr Unterstützung durch Kunden und Auftraggeber. Dabei ging es um zweistellige Millionenbeträge. Dennoch reicht diese Hilfe offenbar nicht mehr aus.

Bei Bohai müssen vier Gläubigerausschüsse über das weitere Vorgehen entscheiden. Diese Entscheidung könnte bereits Ende der kommenden Woche fallen. Auch bei Schlote muss der Gläubigerausschuss noch zustimmen.

Werk in Brandenburg läuft bereits aus

Besonders konkret ist die Lage in Brandenburg an der Havel. Dort läuft die Produktion bereits aus. Das Werk soll voraussichtlich im Herbst schließen.

Der Fall zeigt zugleich die tiefe Krise vieler Autozulieferer. Wenn große Kunden Aufträge verlagern, bricht kleinen und mittleren Betrieben schnell die Grundlage weg. Für den Harz bedeutet der doppelte Insolvenzschlag deshalb ein massives Risiko für Industriearbeitsplätze.

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