Die Bundesregierung stellt 2026 bis zu fünf Milliarden Euro bereit, damit energieintensive Industrien ihre CO2-Emissionen senken können. Das Wirtschaftsministerium kündigte das Förderprogramm in Berlin an. Betroffen ist die Schwerindustrie vor allem Stahl-, Chemie- und Zementwerke. Hintergrund sind hohe Energiekosten, schärfere Klimavorgaben und die Gefahr, dass Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern. Gleichzeitig lockert die Regierung zentrale Bedingungen des Programms. Firmen erhalten mehr Zeit für Emissionssenkungen, während neue Technologien wie CO2-Abscheidung erstmals gefördert werden (reuters: 05.05.26).
Gelockerte Klimavorgaben sollen Industrie entlasten
Die Förderung basiert auf Klimaschutzverträgen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Der Staat übernimmt dabei einen Teil der Mehrkosten klimafreundlicher Produktionsverfahren. Unternehmen sollen deshalb trotz hoher Investitionen wettbewerbsfähig bleiben. Zudem will die Regierung industrielle Standorte in Deutschland sichern.

Nach der ersten Förderrunde im Jahr 2024 passte das Wirtschaftsministerium mehrere Vorgaben an. Unternehmen müssen ihre Emissionen nun erst nach vier Jahren um 50 Prozent senken. Zuvor galt eine Frist von drei Jahren mit einer Reduktion um 60 Prozent. Außerdem sank das Ziel für die letzte Programmphase von 90 auf 85 Prozent.
Neue Förderung für CO2-Speicherung und Industrie-Wärme
Erstmals können auch Projekte zur CO2-Abscheidung und Speicherung staatliche Hilfen erhalten. Besonders die Zementindustrie und Teile der Chemiebranche sollen davon profitieren. Diese Bereiche gelten als schwer elektrifizierbar. Deshalb sucht die Regierung nach zusätzlichen Wegen zur Emissionssenkung.
Auch Projekte zur klimafreundlichen Industrie-Wärme sind künftig förderfähig. Die Regierung reagiert damit auf Forderungen aus der Wirtschaft. Viele Unternehmen hatten die bisherigen Klimavorgaben als wirtschaftlich kaum umsetzbar kritisiert. Zugleich versucht Berlin, den Industriestandort gegen Konkurrenz aus China und den USA abzusichern.
Mehr Planungssicherheit trotz neuer Auflagen
Das Wirtschaftsministerium begrenzt außerdem mögliche Rückzahlungen für Unternehmen. Diese Regel greift, falls sich Marktbedingungen verbessern oder klimafreundliche Produktion günstiger wird. Zudem präzisierte die Regierung Regeln für Verzögerungen und Projektabbrüche. Unternehmen erhalten dadurch mehr Planungssicherheit bei milliardenschweren Investitionen.
Bewerben können sich nur Firmen, die unter das europäische Emissionshandelssystem fallen. Dazu zählen große Industrieanlagen mit besonders hohem CO2-Ausstoß. Die Frist für Gebote endet am 7. September 2026. Damit verbindet Berlin die Klimavorgaben enger mit dem Schutz industrieller Produktion.
Industriepolitik rückt stärker in den Mittelpunkt
Die Bundesregierung verbindet Klimapolitik zunehmend mit Industriepolitik. Hohe Strompreise und schwache Konjunkturdaten belasten große Teile der deutschen Industrie. Gleichzeitig wächst in Europa der Druck, Produktionskapazitäten im eigenen Wirtschaftsraum zu halten. Deshalb setzt Berlin nun stärker auf staatliche Unterstützung statt auf zusätzliche Belastungen.
Auch auf EU-Ebene zeichnet sich ein Kurswechsel ab. Die Europäische Kommission prüft weitere Entlastungen für energieintensive Industrien beim CO2-Handel. Unternehmen könnten dadurch zusätzliche kostenlose Emissionszertifikate erhalten. Die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gewinnt damit weiter an Bedeutung.
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