Proteste stoppen Milliardenprojekt – Maintal legt geplantes Rechenzentrum auf Eis

In Maintal im Main-Kinzig-Kreis liegt der Bau eines milliardenschweren Rechenzentrums seit Mai 2026 aufgrund massiver Proteste vorerst auf Eis. Der US-Betreiber EdgeConneX stoppte das Vorhaben nach Protesten aus der Bevölkerung und wachsendem politischen Widerstand. Auslöser war vor allem ein geplantes eigenes Gaskraftwerk mit rund 170 Megawatt Leistung, das die Anlage bis zu einem möglichen Netzanschluss im Jahr 2037 versorgen sollte. Kritiker warnten vor hohen CO₂-Emissionen, zusätzlicher Luftbelastung und Belastungen nahe Wohngebieten. Für die Stadt stehen damit Investitionen, mögliche Gewerbesteuer, Abwärmenutzung und offene Infrastrukturkosten infrage (hessenschau: 11.05.26).


Gaskraftwerk wird zum Auslöser der Proteste

Der Streit entzündete sich nicht allein am Rechenzentrum. Im Mittelpunkt stand die geplante Übergangslösung für die Stromversorgung. EdgeConneX wollte ein eigenes Gaskraftwerk errichten, weil der reguläre Stromanschluss erst Jahre später verfügbar gewesen wäre.

Maintal kippt ein Milliardenprojekt: Ein Rechenzentrum mit Gaskraftwerk scheitert am massiven Widerstand der Bürger
Maintal kippt ein Milliardenprojekt: Ein Rechenzentrum mit Gaskraftwerk scheitert am massiven Widerstand der Bürger

Gegner sahen darin eine erhebliche Belastung für Einwohner und Umwelt. Sie verwiesen auf mögliche Emissionen, zusätzlichen Flächenverbrauch und die Nähe zu Wohngebieten. Damit wurde aus einem Digitalprojekt eine Grundsatzdebatte über Energiehunger und kommunale Risiken.

Maintal zweifelt am Nutzen des Milliardenprojekts

Das Investitionsvolumen lag bei rund einer Milliarde Euro. EdgeConneX hatte dafür bereits Grundstücke gesichert. Dennoch blieb offen, wie stark die Kommune tatsächlich profitieren würde.

Kritiker bezweifelten vor allem den langfristigen Nutzen. Rechenzentren schaffen im laufenden Betrieb vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Auch mögliche Gewerbesteuereinnahmen ließen sich nicht eindeutig bewerten.


Abwärme und Folgekosten bleiben ungeklärt

Ein Teil der Abwärme sollte perspektivisch genutzt werden. Dafür wären jedoch neue Leitungen und technische Anlagen nötig gewesen. Unklar blieb, welche Kosten auf Stadtwerke oder Kommune zukommen könnten.

Diese offenen Punkte verstärkten die Skepsis in der Stadtpolitik. Vor allem die CDU stellte infrage, ob Nutzen und Belastungen in einem vertretbaren Verhältnis stehen.

Betreiber prüft Alternativen

Eine endgültige Absage gibt es bisher nicht. EdgeConneX prüft alternative Möglichkeiten für die Energieversorgung. Ob das Unternehmen mit einem neuen Konzept nach Maintal zurückkehrt, bleibt offen.

Klar ist jedoch: Ohne tragfähiges Energiekonzept dürfte das Rechenzentrum politisch kaum durchsetzbar sein.

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