Der britische Energiekonzern BP trennt sich von Beteiligungen an zwei großen Klima-Projekten im Nordosten Englands. Betroffen sind das CCS-Kraftwerk Net Zero Teesside sowie die Northern Endurance Partnership zur CO2-Speicherung unter der Nordsee. Der Schritt folgt auf wachsenden Druck von Investoren, die höhere Gewinne statt teurer Klimainvestitionen verlangen. Zugleich steigen die Kosten für CO2-Abscheidung und Transport deutlich schneller als geplant. Für Großbritannien bedeutet der Rückzug ein Problem, weil die Klima-Projekte als wichtiger Bestandteil der industriellen Dekarbonisierung galten und Milliarden an staatlicher Unterstützung eingeplant wurden (theguardien: 07.05.26).
Klima-Projekte verlieren wirtschaftliche Grundlage
Net Zero Teesside sollte das erste britische Gaskraftwerk mit umfassender CO2-Abscheidung werden. Die Anlage sollte entstehendes Kohlendioxid auffangen und dauerhaft speichern. Gleichzeitig plante die Northern Endurance Partnership ein Pipeline-Netz unter der Nordsee. Dort sollte das CO2 in unterirdischen Lagerstätten eingelagert werden.

Die britische Regierung präsentierte die Vorhaben jahrelang als Schlüsseltechnologie für energieintensive Industrien. Stahlwerke, Chemieanlagen und Gaskraftwerke sollten dadurch weiter betrieben werden können. Allerdings steigen die Investitionskosten massiv an. Zudem fehlen vielerorts belastbare Geschäftsmodelle für den dauerhaften Betrieb solcher Anlagen.
Investoren drängen Energiekonzern zurück zu Öl und Gas
Der Energiekonzern BP richtet seine Strategie inzwischen wieder stärker auf das klassische Öl- und Gasgeschäft aus. Der Konzern reagiert damit auf Forderungen großer Investoren nach höheren Renditen. Deshalb geraten langfristige Dekarbonisierungsprojekte zunehmend unter Druck. Besonders kostenintensive Klima-Projekte stehen dabei im Fokus.
Vor allem CCS-Anlagen verschlingen enorme Summen für Bau, Infrastruktur und Speicherung. Gleichzeitig entstehen kaum direkte Einnahmen. Ohne umfangreiche staatliche Hilfen lassen sich viele Projekte kaum wirtschaftlich betreiben. Genau dieses Problem belastet inzwischen mehrere europäische Energievorhaben.
Zweifel an CO2-Speicherung nehmen zu
Die britische Regierung hält zwar an ihrer CCS-Strategie fest, jedoch wachsen die Zweifel an der praktischen Umsetzung. Viele Projekte verzögern sich oder verteuern sich erheblich. Außerdem bleibt offen, wer langfristig für mögliche Risiken der CO2-Speicherung haftet.
Der Rückzug von BP trifft deshalb nicht nur einzelne Vorhaben. Er schwächt zugleich die Glaubwürdigkeit einer gesamten Industriepolitik. Jahrelang galt CO2-Abscheidung als Brückentechnologie zwischen fossiler Energie und Klimazielen. Jetzt zeigt sich jedoch, dass wirtschaftliche Interessen und politische Vorgaben zunehmend auseinanderlaufen.
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