Windpark-Lärm stärker als berechnet – neue Studie zeigt Schwächen bei Schallprognosen

Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass Windparks unter bestimmten Bedingungen deutlich mehr Lärm verursachen können als bisherige Berechnungsmodelle erwarten lassen. Forscher aus Frankreich und den Niederlanden untersuchten die Schallausbreitung bei 16 Windkraftanlagen. Dabei stellten sie fest, dass die Anordnung der Rotoren und nächtliche Wetterbedingungen den Windpark-Lärm erheblich beeinflussen. Im untersuchten Modell erhöhte sich der Schallpegel bei versetzt angeordneten Anlagen um bis zu drei Dezibel. Zudem traten periodische Geräuschschwankungen über mehrere Kilometer auf. Für Anwohner können solche Effekte zusätzliche Belastungen bedeuten. Besonders kritisch ist, dass vereinfachte Schallprognosen diese Wechselwirkungen nicht vollständig erfassen. Damit rückt die Aussagekraft bisheriger Genehmigungsberechnungen in den Mittelpunkt.

Windpark-Lärm kann deutlich höher ausfallen als prognostiziert. Neue Studie zeigt gravierende Schwächen bei der Berechnung der Lärmbelastung
Windpark-Lärm kann deutlich höher ausfallen als prognostiziert. Neue Studie zeigt gravierende Schwächen bei der Berechnung der Lärmbelastung
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Windpark-Lärm durch gegenseitige Beeinflussung der Rotoren verstärkt

Die Forscher untersuchten zwei unterschiedliche Anordnungen eines Windparks mit jeweils 16 Anlagen. Dafür simulierten sie vier Reihen mit jeweils vier Windrädern. Die Rotoren hatten einen Durchmesser von 120 Metern, während die Nabenhöhe bei 90 Metern lag. Entscheidend war jedoch nicht allein die Größe der Anlagen. Vielmehr beeinflussten die Luftströmungen hinter den Rotoren auch die Geräuschentwicklung benachbarter Windräder. Bei versetzter Anordnung erreichten die hinteren Anlagen andere Strömungsverhältnisse als bei einer gleichmäßigen Aufstellung. Dadurch veränderte sich die gesamte Schallabstrahlung des Windparks.

Die Unterschiede fielen erheblich aus. Im untersuchten Szenario lag der berechnete Schallpegel bei versetzter Anordnung um bis zu drei Dezibel höher. Das entspricht etwa einer Verdopplung der Schallintensität, allerdings nicht einer Verdopplung der empfundenen Lautstärke. Hinzu kamen regelmäßige Schwankungen der Geräuschentwicklung. Diese sogenannte Amplitudenmodulation erzeugt ein wiederkehrendes An- und Abschwellen des Schalls. In rund 2,5 Kilometern Entfernung erreichten die Schwankungen etwa zwei Dezibel. Bei der Vergleichsanordnung betrug der entsprechende Wert lediglich rund ein Dezibel.


Nächtliche Wetterbedingungen verändern die Schallausbreitung

Besonders relevant sind die Ergebnisse für die Nachtstunden. Bei stabiler atmosphärischer Schichtung vermischen sich die Luftmassen nur schwach. Gleichzeitig können Windgeschwindigkeit und Temperatur mit zunehmender Höhe deutlich variieren. Dadurch verändert sich auch die Ausbreitung des Schalls. Unter bestimmten Bedingungen werden Schallwellen verstärkt in Richtung Boden gelenkt. Geräusche können deshalb noch in größerer Entfernung wahrnehmbar bleiben. Die Forscher berücksichtigten solche Verhältnisse in ihren Simulationen. Allerdings untersuchten sie nur eine begrenzte Auswahl atmosphärischer Bedingungen.

Für die Belastung der Anwohner ist zudem nicht ausschließlich der durchschnittliche Geräuschpegel entscheidend. Wiederkehrende Lautstärkeschwankungen können deutlich störender wirken als ein gleichmäßiges Geräusch. Gerade während der Nacht können sie deshalb die Schlafqualität beeinträchtigen. Die Studie selbst untersuchte allerdings keine gesundheitlichen Folgen. Sie liefert vielmehr neue Erkenntnisse über die physikalischen Ursachen solcher Geräuschschwankungen. Daraus lässt sich keine generelle Gesundheitsgefährdung durch Windkraftanlagen ableiten. Dennoch verdeutlichen die Ergebnisse, weshalb Durchschnittswerte allein nicht sämtliche Belastungen beschreiben.


Schallprognosen für Windparks erfassen nicht alle Wechselwirkungen

In Deutschland müssen Betreiber bereits vor der Errichtung eines Windparks nachweisen, dass die gesetzlichen Lärmschutzanforderungen eingehalten werden. Grundlage bilden insbesondere die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm und anerkannte Berechnungsverfahren. Dabei fließen die Schallbeiträge mehrerer Anlagen sowie verschiedene Ausbreitungsbedingungen in die Prognosen ein. Die gegenseitige Beeinflussung der Rotorströmungen bildet jedoch nicht jedes vereinfachte Modell vollständig ab. Genau hier setzt die neue Untersuchung an. Sie zeigt, dass die räumliche Anordnung eines Windparks seine gesamte Geräuschentwicklung verändern kann. Ein allgemeiner Nachweis systematisch fehlerhafter Genehmigungen ergibt sich daraus allerdings nicht.

Damit erhält die Debatte über den weiteren Ausbau der Windenergie eine zusätzliche technische Dimension. Größere Windparks bestehen aus zahlreichen Anlagen, deren Strömungsfelder miteinander wechselwirken. Gleichzeitig erreichen moderne Windräder immer größere Rotorabmessungen. Deshalb gewinnt die zuverlässige Vorhersage der Schallausbreitung weiter an Bedeutung. Die Forscher empfehlen, aerodynamische Wechselwirkungen künftig stärker in akustische Berechnungen einzubeziehen. Allerdings müssen Messungen an bestehenden Windparks zunächst bestätigen, in welchem Umfang die simulierten Effekte auftreten. Für den Schutz der Anwohner bleibt entscheidend, ob Genehmigungsprognosen auch unter ungünstigen Betriebs- und Wetterbedingungen ausreichend zuverlässig sind.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: ScienceDirect (01.10-26) – TKP (12.10.26) – University of Twente (Stand: 17.10.26)

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