Die Bundesregierung plant beim Heizgesetz einen tiefen Kurswechsel. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat einen neuen Entwurf in die Ressortabstimmung gegeben. Er streicht zentrale Vorgaben des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes. Dazu zählt die Pflicht zu 65 Prozent erneuerbaren Energien bei neuen Heizungen. Auch das geplante Aus für Öl- und Gasheizungen ab 2045 soll entfallen. Eigentümer könnten deshalb weiter fossile Heizsysteme einbauen. Die Regierung erwartet Entlastungen in Milliardenhöhe. Kritiker warnen jedoch vor steigenden CO₂-Emissionen und gefährdeten Klimazielen (welt: 07.05.26).
Reiches neues Heizgesetz setzt auf Beimischung statt Verbote
Der Entwurf ersetzt harte Vorgaben durch eine stufenweise Beimischung klimafreundlicher Brennstoffe. Diese „Bio-Treppe“ beginnt 2029 mit zehn Prozent grünen Anteilen bei Gas oder Heizöl. Ab 2030 sollen es 15 Prozent sein. Für 2035 sind 30 Prozent vorgesehen. Ab 2040 wären noch maximal 40 Prozent fossile Energien zulässig.

Damit bleibt der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen weiterhin möglich. Außerdem verschwindet der bisherige Paragraf 72. Er regelte bislang das Ende fossiler Heizungen bis Ende 2044. Zugleich könnten auch ältere Konstanttemperaturkessel wieder erlaubt werden. Das Wirtschaftsministerium verweist auf hohe Komplexität und mangelnde Praxistauglichkeit der bisherigen Regeln.
Eigentümer sollen Milliarden sparen
Die Bundesregierung rechnet mit deutlichen Entlastungen. Bürger sollen jährlich rund fünf Milliarden Euro sparen. Für Unternehmen nennt der Entwurf weitere 2,3 Milliarden Euro. Vor allem Eigentümer profitieren, weil teure Pflichtumrüstungen entfallen. Das Heizgesetz würde damit viele Sanierungsentscheidungen wieder stärker den Haushalten überlassen.
Auch Mieter betrifft der neue Ansatz direkt. Vermieter und Mieter sollen Zusatzkosten für CO₂-Preise, Biogas und Netzentgelte künftig hälftig tragen. Diese Regel soll Belastungen begrenzen. Die SPD hatte darauf gedrängt. Der Mieterbund begrüßt den Schutzmechanismus. Eigentümerverbände kritisieren jedoch neue Kostenrisiken.
Klimaziele geraten stärker in Gefahr
Klimaforscher sehen erhebliche Risiken. Nach Berechnungen des Potsdam-Instituts könnten bis 2030 zusätzlich 16 Millionen Tonnen CO₂ entstehen. Bis 2045 wären sogar rund 230 Millionen Tonnen möglich. Deshalb könnte der Gebäudesektor seine Klimaziele noch deutlicher verfehlen.
Zugleich wächst die Unsicherheit in der Heizungsbranche. Hersteller von Wärmepumpen und Anbieter klimafreundlicher Technik fürchten sinkende Nachfrage. Die Gaswirtschaft begrüßt jedoch den technologieoffenen Kurs. Das Heizgesetz wird deshalb zu einem zentralen Konflikt der Energiepolitik. Entscheidend wird nun, wie Kabinett und Bundestag den Entwurf verändern.
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