Der Mainzer Biotech-Konzern BioNTech schließt mehrere Standorte in Deutschland und im Ausland. Betroffen sind die Werke in Marburg, Idar-Oberstein, Tübingen sowie eine Anlage in Singapur. Zudem stehen Einrichtungen des übernommenen Unternehmens CureVac vor dem Aus. Bis zu 1860 Arbeitsplätze könnten bis Ende 2027 wegfallen. Gleichzeitig beendet BioNTech die Produktion von Corona-Impfstoffen in Deutschland. Die Herstellung übernimmt künftig der US-Partner Pfizer. Hintergrund sind sinkende Nachfrage, Überkapazitäten und hohe Kosten im bisherigen Produktionsnetz (handelsblatt: 05.05.26).
Milliardenumsätze aus der Pandemie brechen weg
Während der Corona-Pandemie galt BioNTech als deutscher Vorzeigekonzern. Die Impfstoffproduktion brachte Milliardenumsätze und machte Mainz zu einem Zentrum der mRNA-Industrie. Außerdem entstanden neue Werke und zusätzliche Produktionskapazitäten in kurzer Zeit. Jetzt baut das Unternehmen genau diese Struktur wieder ab.

Im ersten Quartal 2026 brach das Impfstoffgeschäft jedoch massiv ein. Der Umsatz sank laut Unternehmensangaben auf nur noch 118 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Verlust auf mehr als 530 Millionen Euro. Deshalb will BioNTech seine Kosten deutlich reduzieren. Ab 2029 sollen jährlich rund 500 Millionen Euro eingespart werden.
Werke sollen verkauft oder geschlossen werden
Besonders hart trifft der Umbau den Standort Marburg. Dort hatte BioNTech während der Pandemie große Produktionskapazitäten aufgebaut. Außerdem galt das Werk lange als wichtiger Baustein der europäischen Impfstoffversorgung. Nun soll der Standort ebenso geschlossen oder verkauft werden wie Anlagen in Idar-Oberstein und Tübingen.
Auch die frühere CureVac-Zentrale in Tübingen steht vor dem Aus. BioNTech hatte den Konkurrenten erst Anfang 2026 übernommen. Dennoch folgt jetzt ein umfassender Stellenabbau. Währenddessen bleibt in Deutschland neben Mainz nur noch ein reduziertes Netz aus Bürostandorten in Berlin und München bestehen.
BioNTech setzt künftig auf Krebsmedizin
Das Unternehmen richtet seinen Fokus inzwischen auf Krebsbehandlungen mit mRNA-Technologie. Mehrere neue Therapien sollen bis 2030 zur Zulassung gebracht werden. Außerdem investiert BioNTech weiterhin hohe Summen in Forschung und Entwicklung. Das belastet jedoch die Bilanz zusätzlich.
Die Produktion klassischer Corona-Impfstoffe spielt dagegen nur noch eine Nebenrolle. „Im Laufe des Jahres werden wir die letzten Chargen hier in Deutschland herstellen“, erklärte das Unternehmen. Künftig übernimmt Pfizer die Fertigung vollständig. Damit endet ein Kapitel, das während der Pandemie als Symbol für Deutschlands neue Stärke in der Biotechnologie galt.
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