Siemens warnt: EU-KI-Regeln bremsen Europa als Entwicklungsstandort für künstliche Intelligenz

Auf der Hannover Messe hat Siemens-Chef Roland Busch vor den Folgen der EU-KI-Regeln für Europa als Entwicklungs- und Anwendungsstandort für künstliche Intelligenz gewarnt. Der Konzern plant Investitionen von rund einer Milliarde Euro in industrielle KI, jedoch soll ein großer Teil davon in die USA fließen, falls die Europäische Union ihre Regulierung nicht deutlich korrigiert. Aus Sicht von Siemens behandeln AI Act und Data Act industrielle Anwendungen zu ähnlich wie Verbraucheranwendungen und schaffen zusätzliche Lasten in einem Bereich, der bereits stark reguliert ist. Genau darin liegt der zentrale Risikofaktor für Europa: Kapital, Innovation, Entwicklung und praktische KI-Nutzung könnten zunehmend in andere Märkte abwandern. Die Folgen reichen deshalb weit über Siemens hinaus und betreffen die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Kontinents (bloomberg: 20.04.26).


EU-KI-Regeln gefährden Europas KI-Standort

Busch kritisiert die aktuelle Regulierung, weil sie nach seiner Einschätzung den Unterschied zwischen industrieller KI und verbrauchernahen Anwendungen verwischt. Maschinen- und Anlagendaten seien nicht mit personenbezogenen Daten gleichzusetzen, zugleich würden Unternehmen mit zusätzlichen Prüf-, Dokumentations- und Meldepflichten belastet. Wörtlich sagte er: „Es ist völliger Unsinn, industrielle und Maschinendaten genauso zu behandeln wie persönliche Daten.“ Damit richtet sich die Kritik nicht nur auf einzelne Vorschriften, sondern auf ein Regulierungsmodell, das Europa als Wirtschaftsraum an Attraktivität verlieren lässt.

EU-KI-Regeln bremsen Europa als Entwicklungs- und Anwendungsstandort für KI und treiben Investitionen in die USA und China
EU-KI-Regeln bremsen Europa als Entwicklungs- und Anwendungsstandort für KI und treiben Investitionen in die USA und China

Zugleich verweist die Industrie auf bestehende Regeln, die schon heute hohe Sicherheitsstandards vorschreiben. Hersteller technischer Anlagen müssen etwa die EU-Maschinenverordnung erfüllen und Risiken autonomer Systeme umfassend prüfen. Neue Vorgaben treffen also keinen unregulierten Raum, sondern einen Bereich mit dichten Auflagen. Gerade deshalb warnen viele Unternehmen, dass die EU-KI-Regeln Investitionen erschweren, Entwicklung verzögern und den Einsatz neuer Systeme in Europa ausbremsen.

Kleine Korrekturen aus Brüssel reichen aus Sicht der Industrie nicht

Die EU-Kommission hat bereits Vorschläge vorgelegt, um Unternehmen etwas zu entlasten. Dazu zählen längere Fristen für Regeln bei Hochrisiko-KI, einfachere Meldewege bei Cybervorfällen und Erleichterungen bei der Datennutzung für das Training von KI-Modellen. Siemens hält diese Ansätze jedoch für zu begrenzt. Busch machte klar, dass er Investoren schwer erklären könne, warum Kapital in ein Umfeld fließen soll, das Wachstum und Umsetzung hemmt.

Unterstützung bekam er zugleich von Bundeskanzler Friedrich Merz, der in Hannover ebenfalls für Änderungen warb. Merz sagte, man müsse die industrielle KI aus dem „übermäßig restriktiven Korsett“ des EU-Regelwerks befreien. Damit wächst der Druck auf Brüssel, die Regeln stärker an den realen Anforderungen der Industrie auszurichten. Im Kern geht es dabei nicht nur um Entlastung, sondern um die Frage, ob Europa bei einer Schlüsseltechnologie Standortvorteile sichern kann.


Europas Problem zeigt sich bei Entwicklung und Anwendung zugleich

Siemens treibt seine KI-Offensive zwar weiter voran und stellte mit dem Eigen Engineering Agent ein neues System für die industrielle Automatisierung vor. Die Software soll selbstständig Code erzeugen, Konfigurationen anlegen und Ergebnisse kontrollieren. Das zeigt, wie weit industrielle KI inzwischen reicht und wie groß der wirtschaftliche Nutzen sein kann. Siemens spricht zugleich von Produktivitätszuwächsen von bis zu 50 Prozent.

Gerade solche Anwendungen verdeutlichen jedoch, was für Europa auf dem Spiel steht. Wenn Unternehmen Forschung, Entwicklung und den praktischen Einsatz neuer Systeme stärker in den USA oder in China ansiedeln, verliert Europa nicht nur Investitionen. Der Kontinent verliert zugleich Tempo bei Innovation, Erfahrung im realen Einsatz und Einfluss auf künftige Industriestandards. Die Debatte über die EU-KI-Regeln betrifft deshalb nicht nur Siemens, sondern Europas gesamte Rolle im globalen KI-Wettbewerb.

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