In Berlin wächst die Kritik an Kanzler Friedrich Merz nun auch im eigenen Lager. Peter Altmaier warnt aktuell, das deutsche Wirtschaftsmodell sei akut gefährdet, Jens Spahn sagt im Fernsehen, man verwalte „weitestgehend den Niedergang“, und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, wirft der Bundesregierung sogar „verweigerte Staatsführung“ vor. Zugleich stürzt die Union in den Umfragen ab, während die AfD im aktuellen ZDF-Politbarometer mit 26 Prozent vor CDU/CSU mit 25 Prozent liegt. Merz selbst wird dort nur von 30 Prozent positiv bewertet, während ihn im RTL/ntv-Trendbarometer sogar nur 20 Prozent gut finden und 78 Prozent unzufrieden sind. Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September sowie in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 wird die Lage für die CDU deshalb brandgefährlich.
Niedergang und verweigerte Staatsführung
Altmaier und Spahn senden dabei dasselbe Signal, jedoch aus unterschiedlichen Rollen. Altmaier war als Wirtschaftsminister unter Merkel jahrelang Teil des Systems und fiel nie als interner Rebell auf. Wenn ausgerechnet er jetzt Alarm schlägt, wirkt das wie eine späte Distanzierung von einem Kanzler, dessen Regierung den wirtschaftlichen Vertrauensverlust offenkundig nicht stoppt. Noch schärfer ist Spahns Satz vom „Niedergang“, weil er als Fraktionschef direkt aus dem Machtzentrum der Union kommt. Das ist keine Randbemerkung mehr, sondern eine indirekte Abrechnung mit der eigenen Regierungsführung.

Papier legt den Finger noch tiefer in die Wunde. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts warf der Bundesregierung am 11. April 2026 „verweigerte Staatsführung“ vor und kritisierte ihre zögerliche Haltung bei Sozialreformen sowie ein massives Umsetzungsdefizit. Damit kommt die Kritik nicht mehr nur aus Medien, Opposition oder unzufriedenen Wählern, sondern auch von einem früheren Spitzenjuristen, der den Staat aus seiner Verfassungsfunktion heraus beurteilt. Für Merz ist das politisch verheerend, weil sich das Bild verfestigt, dass seine Regierung nicht gestaltet, sondern nur noch verwaltet. Es wird deshalb spürbar einsam um den Kanzler.
CDU vor einem Herbst des Niedergangs
Die nackten Zahlen verschärfen die Situation zusätzlich. Das ZDF-Politbarometer sieht die AfD erstmals vor der Union und zugleich hat Schwarz-Rot dort keine parlamentarische Mehrheit mehr. Im RTL/ntv-Trendbarometer fiel Merz auf seinen bisher schlechtesten Wert von 20 Prozent Zustimmung. RTL schrieb ausdrücklich, dass er damit sogar unter dem dort gemessenen Tiefstwert von Olaf Scholz liegt. Wer so schwach in den Umfragen steht, verliert nicht nur Autorität nach außen, sondern auch Rückhalt in der eigenen Partei.
Bereitet die CDU deshalb bereits einen Austausch des eigenen Kanzlers vor, um zu retten, was noch zu retten ist? Dafür gibt es derzeit keinen offenen Beleg, keinen dokumentierten Machtkampf und keinen öffentlichen Sturzaufruf. Trotzdem sprechen die Signale eine klare Sprache. Wenn Altmaier den wirtschaftlichen Alarm ausruft, Spahn vom Niedergang spricht, Papier Staatsversagen anmahnt und zugleich drei politisch heikle Wahlen näher rücken, dann wächst in der Union offenkundig die Angst vor einem Fiasko. Für Merz ist das noch kein formeller Aufstand, jedoch längst eine gefährliche Vorstufe. Seine eigentliche Schwäche liegt nicht mehr nur bei der Opposition, sondern in einer CDU, die beginnt, sich innerlich von ihm zu lösen. (KOB)
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