Eine Modellrechnung des Science Media Center Germany vom 29. April 2026 sieht Deutschlands Stromversorgung ab 2031 ohne zusätzliche Backup-Kraftwerke gefährdet. Die Analyse bewertet die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung, die rund zwölf Gigawatt neue Leistung vorsieht. Davon sollen zehn Gigawatt vor allem durch wasserstofffähige Gaskraftwerke entstehen. Der zentrale Risikofaktor liegt in Dunkelflauten, wenn Wind und Sonne zu wenig Strom liefern. Deshalb drohen ohne steuerbare Kraftwerke Versorgungslücken. Katherina Reiche erhält damit fachliche Rückendeckung, während ihr aus Umweltverbänden und Teilen der Energiewende-Lobby seit Monaten deutlicher Widerstand entgegenweht (t-online: 02.05.26).
Modellrechnung sieht Backup-Kraftwerke als Untergrenze
Deutschland baut Windkraft und Photovoltaik stark aus, jedoch ersetzen diese Anlagen keine gesicherte Leistung. Sie liefern abhängig vom Wetter. Deshalb braucht das Netz Kraftwerke, die einspringen, wenn erneuerbare Anlagen kaum Strom liefern.

Die Modellrechnung kommt deshalb zu einem klaren Befund. Die geplanten Kapazitäten wirken nicht überdimensioniert. Sie markieren eher die Untergrenze für ein stabiles Stromsystem nach dem Kohleausstieg.
Batteriespeicher lösen das Grundproblem nicht
Batteriespeicher können das Problem nicht lösen, denn sie können keinen Strom erzeugen, sondern nur speichern. Sie können zudem nur dann laden, wenn überschüssige Energie verfügbar ist. Genau dieser Überschuss fehlt jedoch in längeren Phasen mit wenig Wind und Sonne.
Ihre Wirkung beschränkt sich deshalb auf wenige Minuten bis maximal wenige Stunden. Sie sind deshalb nur zum stabilisieren kurzfristige Schwankungen im Netz geeignet. Für längere Dunkelflauten können sie jedoch keine gesicherte Kraftwerksleistung ersetzen.
Reiche bekommt Rückendeckung trotz Widerstand
Katherina Reiche drängt auf neue Gaskraftwerke, jedoch kritisieren Umweltverbände diesen Kurs immer wieder scharf. Sie warnen vor fossiler Infrastruktur und zusätzlichen Kosten. Zugleich zeigen die Berechnungen, dass Versorgungssicherheit ohne steuerbare Leistung nicht erreichbar ist.
Die Modellrechnung verschiebt damit den Kern der Debatte. Es geht nicht mehr allein um Klimaziele. Entscheidend ist die Versorgungssicherheit und damit die Frage, wer Strom liefert, wenn Wind, Sonne und Speicher nicht reichen. Auf diesen Frage müssen dann Reiches Gegner eine Antwort liefern, die einer entsprechenden Modellrechnung standhält.
Verbraucher und Industrie tragen das Risiko
Neue Kraftwerke entstehen nicht kurzfristig. Planung, Genehmigung und Bau dauern Jahre. Deshalb kann die Bundesregierung fehlende Leistung nicht erst beschaffen, wenn Engpässe bereits auftreten.
Besonders die Industrie braucht verlässlichen Strom zu kalkulierbaren Preisen. Zugleich treffen steigende Systemkosten auch private Haushalte. Ohne steuerbare Kraftwerke ist die Versorgungssicherheit nicht dauerhaft gewährleistet.
Lesen Sie auch:
- Energiewendekosten – Modellrechnung zeigt Windkraft und Speicher treiben Strompreise
- 100 Prozent erneuerbare Energie – Wunschdenken und Wirklichkeit
- Schieflage im Stromnetz: E.on-Chef stützt Reiches neue Regeln für Wind und Solar
- Wirtschaftsministerin Reiche will Förderung privater Solaranlagen streichen
