Kerosinmangel an Flughäfen Frankfurt und Zürich – Schweiz muss Notreserven freigeben

An den Flughäfen Frankfurt und Zürich kommt es zu erheblichen Problemen bei der Kerosinversorgung. Ausgefallene Bahntransporte aus Deutschland veranlassten die Schweiz am 15. Oktober 2026, bis zu 30 Millionen Liter Flugtreibstoff aus ihren Pflichtlagern freizugeben. Gleichzeitig erschweren niedrige Rheinpegel und eingeschränkte Pipeline-Kapazitäten die Versorgung des Frankfurter Flughafens. Lufthansa lässt deshalb ihre Flugzeuge bereits vor dem Rückflug zusätzlich betanken. Der Kerosinmangel betrifft damit zwei bedeutende europäische Luftverkehrsdrehkreuze. Flugausfälle sind bislang nicht angekündigt, doch in der Schweiz reichen die regulären Lieferungen zur Absicherung der Versorgung nicht mehr aus.

Kerosinmangel am Flughafen Frankfurt: Niedrigwasser und Pipeline-Wartung erschweren die Versorgung. Lufthansa muss im Ausland mehr tanken
Kerosinmangel am Flughafen Frankfurt: Niedrigwasser und Pipeline-Wartung erschweren die Versorgung. Lufthansa muss im Ausland mehr tanken
Bild: Shutterstock

Kerosinmangel zwingt Lufthansa zu zusätzlichen Tankmaßnahmen

Am Frankfurter Flughafen treffen derzeit zwei Probleme zusammen. Wegen niedriger Wasserstände können Tankschiffe auf dem Rhein nur eingeschränkte Ladungsmengen transportieren. Gleichzeitig verringern Wartungsarbeiten an einer Kerosinpipeline die verfügbaren Lieferkapazitäten. Lufthansa hat deshalb ihre Piloten angewiesen, auf ausgewählten Verbindungen bereits vor dem Abflug nach Frankfurt zusätzlichen Treibstoff aufzunehmen.

Mit diesem sogenannten Tankering reduziert die Fluggesellschaft ihren Bedarf an Kerosin in Frankfurt. Die Maßnahme betrifft vor allem Kurz- und Mittelstrecken sowie ausgewählte Langstrecken. Allerdings erhöht der zusätzliche Treibstoff das Gewicht der Flugzeuge und damit deren Verbrauch. Lufthansa bezeichnet die Maßnahme als Vorsorge und erwartet derzeit keine Flugstreichungen.


Schweiz gibt 30 Millionen Liter Kerosin aus Pflichtlagern frei

In der Schweiz haben die Lieferprobleme bereits staatliche Maßnahmen ausgelöst. Am 15. Oktober genehmigte Roland Pfister, Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung, die Entnahme von bis zu 30 Millionen Litern Kerosin. Das entspricht 6,5 Prozent der vorhandenen schweizerischen Pflichtlagerbestände für Flugtreibstoff. Die Freigabe gilt bis einschließlich 1. November 2026. Damit soll eine drohende Unterversorgung am Flughafen Zürich verhindert werden.

Auslöser sind erhebliche Störungen im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr. Besonders auf den Zufahrtsstrecken aus Deutschland fallen Güterzüge aus oder erreichen ihr Ziel mit erheblichen Verspätungen. Gleichzeitig hat das Niedrigwasser am Rhein zusätzliche Gütertransporte auf die bereits stark ausgelastete Schiene verlagert. Ausgefallene Kerosinlieferungen lassen sich deshalb nicht rechtzeitig nachholen. Nach Einschätzung der Schweizer Behörden reichen die vorhandenen Bestände ohne zusätzliche Maßnahmen nicht aus, um die Lieferausfälle zu überbrücken.

Flughafen Zürich widerspricht der Einschätzung des Bundes

Während die Schweizer Bundesbehörden vor einer drohenden Unterversorgung warnen, beurteilt der Flughafen Zürich die Lage weniger kritisch. Nach einem Bericht von 20 Minuten sieht der Flughafen derzeit keine Probleme bei der Betankung seiner Flugzeuge. Der Bund hält dagegen zusätzliche Treibstoffmengen für notwendig und hat deshalb die Pflichtlager freigegeben. Damit stehen zwei unterschiedliche Bewertungen derselben Versorgungssituation nebeneinander.

Der Widerspruch erklärt sich möglicherweise durch unterschiedliche Betrachtungszeiträume. Der Flughafen beurteilt die aktuelle Betriebsfähigkeit, während die Bundesbehörden auch die erwarteten Lieferausfälle berücksichtigen. Entscheidend ist jedoch, dass die gewöhnlichen Lieferketten den Bedarf vorübergehend nicht zuverlässig absichern können. Die Schweiz muss deshalb auf strategische Reserven zurückgreifen, obwohl der Flugbetrieb bislang ohne treibstoffbedingte Ausfälle weiterläuft.

Niedrigwasser und Bahnprobleme treffen europäische Lieferketten

Die Versorgungsprobleme in Frankfurt und Zürich haben unterschiedliche unmittelbare Ursachen. Beide hängen jedoch mit der eingeschränkten Leistungsfähigkeit wichtiger europäischer Transportwege zusammen. In Frankfurt begrenzen die Pipeline-Wartung und der niedrige Rheinpegel die Anlieferung. Zürich leidet dagegen vor allem unter ausgefallenen Güterzügen aus Deutschland. Weil die Binnenschifffahrt weniger Fracht transportieren kann, steigt gleichzeitig die Nachfrage nach Bahnkapazitäten.

Auch die Schweizer Fluggesellschaft Swiss reagiert auf die Einschränkungen in Frankfurt. Auf den Verbindungen von Zürich und Genf zum deutschen Drehkreuz nehmen ihre Maschinen zusätzlichen Treibstoff für den Rückflug auf. Damit entlastet die Fluggesellschaft die Versorgung am Frankfurter Flughafen. Nach bisherigen Angaben entstehen dadurch keine Einschränkungen bei der Beförderung von Passagieren oder Fracht.


Strategische Treibstoffreserven müssen Lieferausfälle überbrücken

Die Entwicklung zeigt, wie abhängig große Flughäfen von störungsfreien Transportketten sind. Frankfurt verfügt zwar über umfangreiche Tanklager und alternative Lieferwege. Nach Angaben von Fraport sind die Speicher für einen Bedarf von rund zehn Tagen ausgelegt. Dennoch hat Lufthansa ihre Betankungsplanung bereits geändert. In Zürich geht der Handlungsbedarf weiter, weil der reguläre Nachschub aus Sicht des Bundes vorübergehend nicht ausreicht.

Besonders problematisch ist das gleichzeitige Auftreten mehrerer logistischer Engpässe. Wenn niedrige Flusspegel die Binnenschifffahrt einschränken, müsste die Bahn zusätzliche Transportmengen übernehmen. Doch gerade dort fehlen bereits Kapazitäten. Die Folgen reichen zudem über den Flugverkehr hinaus. Nach Angaben der Schweizer Behörden hat sich auch die Versorgungslage bei Benzin, Diesel und Heizöl gegenüber der Vorwoche verschlechtert. Deren Versorgung gilt allerdings weiterhin als gesichert. Der Kerosinmangel verdeutlicht damit, wie schnell Störungen einzelner Transportwege staatliche Eingriffe in die Treibstoffversorgung erforderlich machen können.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Aero (15.10.26) – Deutschlandfunk (15.10.26) – Frankfurter Rundschau (14.10.26) – Handelsblatt (14.10.26) – 20Minuten (15.10.26) – SRF (15.10.26)

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