Raffinerien entwickeln sich zum entscheidenden Engpass der europäischen Ölversorgung. Kriegsbedingte Ausfälle im Nahen Osten und beschädigte Anlagen in Russland reduzieren vor allem Diesel und Kerosin. Gleichzeitig hat Europa in den vergangenen Jahren eigene Verarbeitungskapazitäten verloren. Rohöl lässt sich deshalb teilweise umleiten, fertige Kraftstoffe jedoch deutlich schwerer ersetzen. Für Verkehr, Landwirtschaft, Luftfahrt und Industrie steigen dadurch Kosten und Versorgungsrisiken.

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Raffinerien fehlen gerade bei Diesel und Kerosin
Die Internationale Energieagentur beziffert den weltweiten Raffineriedurchsatz im August auf 81,4 Millionen Barrel täglich. Das waren jedoch 4,2 Millionen Barrel weniger als ein Jahr zuvor. Besonders stark fielen Verarbeitung und Exporte im Nahen Osten sowie in Russland aus.
Vor allem Diesel zeigt die Folgen dieser Entwicklung. Die IEA meldet für August nur noch rund 390.000 Barrel tägliche Diesel- und Gasölexporte aus den Golfstaaten. Das entsprach etwa einem Viertel des Vorkriegsniveaus. Außerdem lagen die kombinierten Nettoexporte aus Russland und den Golfstaaten 1,6 Millionen Barrel täglich unter dem Februarwert.
Europas eigene Raffinerien können die Lücke nicht schließen
Europa trifft die aktuelle Knappheit jedoch mit einer bereits verkleinerten Raffineriebasis. In den vergangenen Jahren verschwanden Kapazitäten oder Betreiber stellten Standorte auf andere Produkte um. So endete 2025 etwa die Rohölverarbeitung im schottischen Grangemouth und im Shell-Werk Wesseling.
Diese Entwicklung beruhte zunächst auf wirtschaftlichen Erwartungen einer sinkenden europäischen Kraftstoffnachfrage. Hinzu kamen hohe Betriebskosten und Konkurrenz moderner Großanlagen außerhalb Europas. Raffinerien lassen sich jedoch nicht kurzfristig neu errichten, wenn geopolitische Krisen plötzlich die Importströme verändern. Der Verlust eigener Kapazität verringert deshalb die Möglichkeit, Rohöl innerhalb Europas flexibel in benötigte Produkte umzuwandeln.
Raffinerien treiben Importpreise für Kraftstoffe nach oben
Die Auswirkungen zeigen sich inzwischen deutlich in Deutschland. Importierter Diesel und leichtes Heizöl kosteten im Juli 52,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei Flugturbinenkraftstoff lag der Anstieg sogar bei 62,6 Prozent. Rohöl verteuerte sich im gleichen Zeitraum dagegen um 22,3 Prozent. Die deutlich größere Preissteigerung bei Fertigprodukten zeigt, wo die Knappheit derzeit besonders ausgeprägt ist.
Europa muss deshalb verstärkt Kraftstoffe aus weiter entfernten Regionen beziehen. Die nigerianische Dangote-Raffinerie entwickelte sich bereits zu einem wichtigen Lieferanten für den europäischen Markt. Sie lieferte im zweiten Quartal rund 80.000 Barrel Kerosin täglich und deckte damit laut Reuters einen erheblichen Teil der ausgefallenen Mengen. Gleichzeitig steigert China seine Exporte von Diesel und Kerosin. Solche Lieferungen stabilisieren den Markt, erhöhen jedoch Europas Abhängigkeit von globalen Transportwegen und ausländischer Verarbeitungskapazität.
Die Lage bleibt deshalb angespannt. Russlands große Dieselraffinerien reduzieren nach wiederholten Drohnenangriffen ihre Produktion, während Schäden im Nahen Osten weiterhin Kapazitäten begrenzen. Raffinerien entscheiden damit zunehmend darüber, ob ausreichend Diesel, Kerosin und industrielle Mineralölprodukte verfügbar sind. Mehr verfügbares Rohöl allein beseitigt diesen Engpass nicht.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (18.09.26) – S&P Global (17.09.26) – Reuters (15.09.26) – IEA (11.09.26)
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