Lufthansa streicht Europaflüge: Bis zu 15 Jets weniger ab 2027

Lufthansa will ihr europäisches Kurz- und Mittelstreckennetz erneut verkleinern und an den deutschen Drehkreuzen bis zu 15 Flugzeuge aus dem Programm nehmen. Auslöser sind anhaltende Verluste auf Europastrecken, obwohl einzelne Verbindungen weiterhin Geld verdienen. Der Konzern will diese Gewinne jedoch nicht mehr nutzen, um schwache Routen dauerhaft mitzufinanzieren. Betroffen sind deshalb Reisende, kleinere Europa-Ziele und vor allem der Standort Frankfurt, der im internen Vergleich teurer arbeitet als München.


Lufthansa sortiert das Europanetz neu

Konzernchef Carsten Spohr begründete den nächsten Einschnitt vor Mitarbeitern mit der Ertragslage im Europaverkehr. „Wir haben immer noch zu viele Strecken, die Verluste bringen“, sagte er. Deshalb soll die Kurz- und Mittelstreckenflotte im Jahr 2027 weiter schrumpfen.

Lufthansa kürzt Europaflüge: Frankfurt verliert Verbindungen, München gewinnt Gewicht, Reisende müssen mit weniger Auswahl rechnen
Lufthansa kürzt Europaflüge: Frankfurt verliert Verbindungen, München gewinnt Gewicht, Reisende müssen mit weniger Auswahl rechnen – Bild: Shutterstock

Der Schritt folgt auf Kürzungen im laufenden Sommerflugplan. Lufthansa hatte wegen Kerosinkosten, Streiks und der Stilllegung von CityLine bereits rund 20.000 Kurzstreckenflüge bis Oktober gestrichen. Außerdem fehlen seit dem CityLine-Aus 27 operative Regionalflugzeuge, die zuvor viele Zubringerverbindungen bedienten.

Frankfurt verliert, während München wächst

Besonders deutlich zeigt sich der Umbau an den beiden deutschen Drehkreuzen. Frankfurt bleibt zwar der größte Standort, jedoch liegt der Kostennachteil pro Passagier laut Konzernführung bei rund zehn Euro gegenüber München. Deshalb dürfte München bei neuen Kapazitäten stärker profitieren.

Auch die Langstreckenflotte verschiebt Gewicht nach Bayern. Die acht verbliebenen Airbus A380 bleiben in München stationiert. Außerdem erwartet Lufthansa neue Airbus A350-1000 und Boeing 777-9, doch die erste 777-9 soll erst im ersten Quartal 2027 eintreffen.

Tarifgespräche entscheiden über weitere Folgen

Im Hintergrund verhandelt der Konzern mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und mit UFO über Produktivität und Kosten. Lufthansa will die Kernmarke wirtschaftlicher machen, statt nur Verbindungen zu streichen. Die Pilotengewerkschaft kritisierte jedoch, das Management spiele „augenscheinlich auf Zeit“.

Für die Beschäftigten ist der Streit deshalb entscheidend. Sinkt die Kostenbasis nicht, könnten günstigere Konzerntöchter mehr Europaverkehr übernehmen. Spohr machte intern deutlich, dass er kein Modell akzeptieren will, bei dem andere Airlines im Konzern wachsen und die Kernmarke immer kleiner wird.


Weniger Auswahl für Passagiere

Für Reisende bedeutet der Umbau vor allem weniger Direktverbindungen auf schwachen Europastrecken. Einige Ziele dürften seltener erreichbar sein, andere könnten über München, Zürich, Wien, Brüssel oder Rom laufen. Außerdem können Umsteigezeiten steigen, wenn der Konzern Zubringer stärker bündelt.

Die Bundesregierung senkt zwar ab 1. Juli die Luftverkehrsteuer. Auf Kurzstrecken sinkt sie jedoch nur von 15,53 auf 13,03 Euro je Passagier. Deshalb löst die Entlastung das Grundproblem kaum, zumal Deutschland im europäischen Luftverkehr weiter zurückliegt. Nach Branchendaten erreicht das Sitzplatzangebot von Juni bis November 2026 nur 92 Prozent des Niveaus von 2019, während Europa ohne Deutschland deutlich darüber liegt.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Süddeutsche Zeitung (29.06.26)Aero (29.06.26)Welt (27.06.26)BR24 (21.04.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen