Ein Kommentar von Klaus Bastian
Deutschland erlebt 2026 eine Serie von Insolvenzen in der Solar- und Windkraftbranche. Seit September traf es unter anderem Enerparc in Hamburg, Energiekonzepte Deutschland in Leipzig und Teile von Next2Sun im Saarland. Auch der Windkraftentwickler SOWITEC aus Baden-Württemberg ist insolvent. Finanzierungslücken, Preisdruck und unsichere Projekterlöse gefährden Unternehmen und Arbeitsplätze. Gleichzeitig fördert der Staat den Ausbau erneuerbarer Energien weiterhin mit Milliardenbeträgen. Die Insolvenzen zeigen deshalb, wie wenig politisch garantierte Förderung über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit einer Branche aussagt.

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Staatliche Förderung ersetzt keine wirtschaftliche Grundlage
Die deutsche Energiewende basiert seit mehr als zwei Jahrzehnten auf staatlichen Fördermechanismen. Einspeisevergütungen und Marktprämien sichern Investoren Einnahmen, die der freie Strommarkt nicht immer hergibt. Ohne diese Absicherung wären zahlreiche Projekte wirtschaftlich kaum darstellbar. Trotzdem geraten inzwischen selbst große Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten.
Enerparc gehört mit mehr als 500 Solarparks zu den bedeutenden Projektentwicklern Europas. Dennoch musste das Unternehmen Anfang September Insolvenz anmelden. Im Oktober folgten mehrere Gesellschaften von Energiekonzepte Deutschland mit rund 400 Beschäftigten. Auch Next2Sun scheiterte daran, ausreichend verbindliches Kapital für zwei Tochtergesellschaften aufzubringen. Die Betriebe sollen teilweise weiterlaufen, doch ihre Zukunft hängt von erfolgreichen Sanierungen ab.
Insolvenzen treffen inzwischen auch die Windkraftbranche
Die Krise beschränkt sich nicht auf Photovoltaikunternehmen. Der Windkraftentwickler SOWITEC aus Sonnenbühl hat rund 60 Millionen Euro Schulden angehäuft. Nun sucht der Insolvenzverwalter Käufer für zahlreiche Windparkprojekte. Die geplante Projektleistung beträgt insgesamt rund 32 Gigawatt. Obwohl die Energiewende einen erheblichen Ausbau verlangt, konnte sich das Unternehmen wirtschaftlich nicht behaupten.
Besonders kritisch ist der Widerspruch zwischen politischer Planung und unternehmerischer Realität. Der Staat definiert Ausbauziele und schafft durch Förderregelungen Investitionsanreize. Dennoch reicht das nicht aus, um sämtliche Marktteilnehmer wirtschaftlich abzusichern. Hinzu kommen hohe Finanzierungskosten, lange Genehmigungsverfahren und internationaler Wettbewerb. Eine staatlich erzeugte Nachfrage garantiert eben weder Gewinne noch dauerhaft sichere Arbeitsplätze.
Solar- und Windkraftbranche kann sich selbst die Erlöse entziehen
Ein grundlegendes Problem entsteht durch die wetterabhängige Stromproduktion. Bei starkem Sonnenschein speisen zahlreiche Solaranlagen gleichzeitig Strom ein. Dadurch sinken die Börsenpreise gerade während der produktivsten Stunden. Bei Windkraftanlagen tritt derselbe Effekt während windreicher Wetterlagen auf. Zusätzliche Anlagen können somit ihre eigene Erlösbasis schwächen.
Fehlen Speicher oder flexible Verbraucher, verschärft sich dieser Effekt. Zeitweise fallen die Börsenstrompreise sogar unter null. Gleichzeitig erfordert die Versorgungssicherheit zusätzliche Investitionen in Stromnetze, Reservekraftwerke und Speicher. Diese Kosten gehören zur wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung, obwohl sie nicht vollständig in den Erzeugungskosten einzelner Anlagen erscheinen. Niedrige Produktionskosten allein beweisen deshalb noch keine günstige und zuverlässige Stromversorgung.
Deutschland finanziert den Ausbau – China profitiert von der Produktion
Während Deutschland Milliarden in den Ausbau investiert, stammen wesentliche Komponenten zunehmend aus China. Das betrifft Solarmodule, Batteriezellen und Wechselrichter. Auch bei weiteren Energietechnologien verschärfen chinesische Hersteller den internationalen Wettbewerb. Deutsche Produzenten verlieren dadurch Marktanteile, obwohl die heimische Nachfrage politisch gefördert wird.
Die Entwicklung hat längst konkrete industrielle Folgen. Die Solarglasproduktion in Tschernitz ist endgültig verloren gegangen. Produktionsanlagen des insolventen Solarherstellers Meyer Burger wurden ebenfalls verkauft. Damit verschwinden Fertigungskapazitäten und industrielle Wertschöpfung aus Deutschland. Der staatlich geförderte Ausbau schafft folglich nicht automatisch eine wettbewerbsfähige heimische Industrie.
Dauerhafte Subventionen sind kein Beweis für Wettbewerbsfähigkeit
Nicht jede Windkraft- oder Solaranlage benötigt staatliche Zuschüsse. Einzelne Projekte refinanzieren sich bereits über private Stromlieferverträge. Dennoch bleibt die EEG-Förderung für große Teile des deutschen Ausbaus von erheblicher Bedeutung. Gerade deshalb muss die Wirtschaftlichkeit ohne staatliche Einnahmegarantien stärker in den Mittelpunkt rücken.
Nach Jahrzehnten der Förderung sollte eine Industrie zunehmend aus eigener Kraft bestehen können. Die Insolvenzen beweisen zwar nicht, dass alle erneuerbaren Energien unrentabel sind. Sie zeigen jedoch die Grenzen eines Geschäftsmodells, das stark von politischen Rahmenbedingungen und abgesicherten Erlösen abhängt. Solange diese Abhängigkeit bestehen bleibt, tragen Steuerzahler und Stromkunden erhebliche Teile der finanziellen Lasten. Ein dauerhaft subventionsabhängiger Ausbau ist noch kein Beleg für eine wirtschaftlich erfolgreiche Energiewende.
Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Quellen: Energiekonzepte Deutschland (06.10.26) – Next2Sun (05.10.26) – Handelsblatt (02.10.26) – SWR (30.09.26) – InsoTicker (14.09.26)
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