Habeck plant neues Abschalt-Gesetz für Elektroautos und Wärmepumpen

Ab dem Jahr 2035 soll das Verbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren greifen. Netzbetreiber befürchten, dass mit der Zunahme der Elektroautos und dem Einbau von Wärmepumpen die Übertragungsnetze bald überlastet sein werden. Mit dem Gesetzentwurf zur Einführung von „flexiblem Laden“, arbeitet Wirtschaftsminister Robert Habeck nach dem Verbot von Öl- und Gasheizungen mit einem neuen Abschalt-Gesetz an der Drosselung des Strombezugs für Elektroautos und Wärmepumpen. Lobbyverbände kämpfen gegen die mögliche Abschaltung beziehungsweise Drosselung per Fernzugriff an.


Elektromobilität und Stromengpässe: Warum das Ziel der Bundesregierung in Gefahr ist

Bis spätestens 2035 soll es ein Verbot für Verbrennungsmotoren geben, und Deutschland strebt an, bis 2030 mindestens 15 Millionen Elektroautos auf den Straßen zu haben, obwohl derzeit nur etwa eine Million Stromer unterwegs sind. Allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, dass es in Zukunft Engpässe bei der Stromversorgung geben wird. Die Herausforderung besteht weniger in der Strommenge selbst, sondern vielmehr in der Fähigkeit der Verteilernetze, zu Spitzenzeiten gleichzeitig eine große Anzahl von Elektroautos und anderer Stromverbraucher wie Wärmepumpen zu versorgen.

Habeck plant mit neuem Abschalt-Gesetz unbegrenzte Ladepausen für Elektroautos bei Strommangel. Verbände laufen Sturm.
Habeck plant mit neuem Abschalt-Gesetz unbegrenzte Ladepausen für Elektroautos bei Strommangel. Verbände laufen Sturm.

Habeck plant mit neuem Abschalt-Gesetz unbegrenzte Ladepausen für Elektroautos bei Strommangel

Es ist bereits länger bekannt, dass das Klima- und Wirtschaftsministerium von Robert Habeck plant, Elektroauto-Ladesäulen und Wärmepumpen bei Strommangel zu drosseln (Blackout-News: 09.02.23). Zunächst war aber nur von seltenen Ausnahmesituationen die Rede, in denen Elektroauto-Fahrern per Fernsteuerung die Ladesäule abgeschaltet oder zumindest die Ladeleistung stark reduziert werden könnte. Laut Informationen der „Welt“ sieht der neue Gesetzentwurf jetzt jedoch eine unbegrenzte Möglichkeit für Zwangsladepausen vor (Welt: 01.03.23). Die Bundesregierung möchte den Netzbetreibern in Engpass-Situationen erlauben, die Stromversorgung von Wärmepumpen, privaten Elektroautos und Batteriespeichern zeitlich unbegrenzt zu drosseln. Dies betrifft nur private Ladepunkte, nicht jedoch öffentliche Schnelladesäulen.


Das bedeutet konkret, dass der Netzbetreiber mithilfe von intelligenten Stromzählern oder intelligenten Messsystemen (iMSys) jederzeit per Fernzugriff die Ladung von Elektroautos an privaten Ladestationen in der Garage oder auf dem eigenen Parkplatz drosseln oder im schlimmsten Fall zeitweise komplett abschalten kann. Dies ist derzeit jedoch nur in wenigen Haushalten möglich, da steuerbare Wallboxen noch nicht weit verbreitet sind (Blackout-News: 27.12.23).

Geplantes Abschalt-Gesetz bedroht Elektromobilität: Verbraucher- und Lobbyverbände laufen Sturm

In der Regel werden Elektroautos zu Hause in der Garage an speziellen Wallboxen mit einer Ladeleistung von 3,7; 7,4; 11 oder maximal 22 Kilowatt aufgeladen. Im Vergleich zu Haushaltsgeräten benötigen Elektroautos erheblich mehr Strom. Dabei ist nicht nur das Hausnetz, sondern auch das integrierte Ladegerät des Autos ein begrenzender Faktor. Oft kann die verfügbare Ladeleistung der Box gar nicht vollständig ausgeschöpft werden. Mit dem geplanten Abschalt-Gesetz des Klima- und Wirtschaftsministeriums könnten Elektroauto-Fahrer letztendlich nicht mehr sicher sein, dass sie ihr Fahrzeug jederzeit ausreichend laden und nutzen können.

Eine solche Perspektive von eingeschränkter Versorgung und Mobilität wäre für Verbraucher aufgrund des politisch beschlossenen Verbrenner-Ausstiegs ein PR-Desaster. Aus diesem Grund sind Lobby- und Verbraucherverbände gegen das geplante Gesetz und laufen Sturm dagegen. Präsidenten und Hauptgeschäftsführer von Bundesverbänden wie den Verbraucherzentralen (vzbv), der Automobilindustrie (VDA), der Wärmepumpenbranche (BWP) und der Neuen Energieanbieter (bne) haben daher einen offenen Brief an die Bundesnetzagentur geschrieben.

Die Verbände weisen darauf hin, dass die Reduzierung von Gasimporten nach dem Ukraine-Krieg zwar notwendig gewesen sei, aber der Ausbau von Wind- und Solarenergie die Energieerzeugung „immer volatiler“ mache. Die verschärften Klimaziele der Bundesregierung übten enormen Druck auf den Gebäude- und Verkehrssektor aus, durch die geplante Einführung von 15 Millionen Elektroautos, 6 Millionen Wärmepumpen sowie Klimaanlagen und Stromspeicher.


Autohersteller-Verband und Verbraucherzentralen warnen vor möglichen Einschränkungen beim Laden von Elektroautos zu Hause

Die Verbände warnen, dass Verbraucher „erhebliche Einschränkungen“ erleiden könnten. Sie fordern außerdem „Begrenzungen für Notfall-Abschaltungen“. Hildegard Müller, die Präsidentin des deutschen Autohersteller-Verbandes VDA, sagt: „Wir müssen mögliche Engpässe im Verteilnetz schon vorab in den Griff bekommen. Wenn das Laden zu Hause nur eingeschränkt möglich wäre, würden erhebliche Komforteinbußen drohen. Das ist eine potenzielle Gefahr für das Verbrauchervertrauen, die wir schnell ausräumen müssen.“ Die Vorstandsetagen von BMW, Mercedes und Volkswagen sind zunehmend frustriert über die Ampel-Politik, die den Radikal-Ausstieg aus allen Benzin-, Diesel- und Hybridfahrzeugen fordert, aber den technischen Aufwand der Elektro-Infrastruktur offenbar völlig unterschätzt hat.

Stromnetzbetreiber warnen vor E-Auto-Flut: „Nicht in der Lage, mit dem Aufkommen von E-Autos mitzuhalten“

Auch die Netzbetreiber scheinen nicht als Sündenbock dastehen zu wollen, falls es trotz aller Bemühungen zur Netzreparatur Schwierigkeiten beim Ausbau der Elektromobilität gibt. Laut der „FAZ“ haben 30 Stromnetzbetreiber und Stadtwerke, darunter Branchengrößen wie Eon und EWE, in einem weiteren Schreiben an das Wirtschaftsministerium erklärt, dass sie mit dem „Ambitionsniveau“ der Bundesregierung nicht mithalten könnten (FAZ: 26.02.23). Sie seien „nicht in der Lage, mit dem Aufkommen von E-Autos und dem damit wachsenden Ladebedarf in der Infrastruktur mitzuhalten“. Denn das geplante Gesetz sieht vor, dass die Netzbetreiber im Gegenzug für die Möglichkeit der Fernabschaltung neue Anschlüsse von Wallboxen oder Wärmepumpen nicht mehr verweigern können, wenn sie eine mögliche Überlastung der Leitungen befürchten.

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