Gasreserven – kommen wir ohne russisches Gas über den nächsten Winter?

Die europäischen Gasreserven sind so leer wie noch nie. Im aktuellen Winter brauchen wir uns wohl keine Sorgen darum zu machen, auch dann nicht, wenn Russland seine Gaslieferungen einstellen sollte. Mit einer arktischen Kältewelle ist eigentlich nicht zu rechnen und die Sonne hat von Tag zu Tag mehr Kraft. Hält aber der Konflikt mit Russland womöglich noch jahrelang an, sollten wir uns Sorgen bezüglich der Gasversorgung machen.


Vorhandene Gasreserven reichen für diesen Winter gerade aus

Die verbleibende Heizperiode kann Europa mit den aktuellen Reserven noch überstehen. Dies ist nicht zuletzt den erhöhten Importen von Flüssiggas (LNG) und dem mild verlaufenen Winter zu verdanken. Aktuell verfügt die EU noch über Gasreserven mit einem Energieinhalt von ungefähr 340 Terawattstunden (TWh). In den Vorjahren waren die Speicher zum gleichen Zeitpunkt weit besser gefüllt. Trotzdem sollte die Menge bis in den Sommer hinein auch dann ausreichen, wenn Russland seine Gaslieferungen einstellen sollte.

Gasreserven - kommen wir ohne russisches Gas über den nächsten Winter? Import von Flüssiggas kann russische Gaslieferungen nicht ersetzen
Gasreserven – kommen wir ohne russisches Gas über den nächsten Winter? Import von Flüssiggas kann russische Gaslieferungen nicht ersetzen.

Ohne russische Gaslieferungen nicht genug Gas für nächsten Winter

Trotzdem sollten sich die Verantwortlichen jetzt Gedanken machen, wie wir uns auf den nächsten Winter vorbereiten können. Wenn die Gasimporte aus Russland aufgrund des Ukrainekonflikts auch nach dem Sommer aus bleiben, wird die Versorgung im nächsten Winter kritisch. In einer Analyse des Brüsseler Thinktanks Bruegel, heißt es dazu; „Durch einen halben Winter zu kommen ohne russische Importe, könnte schwierig sein. Die europäische Wirtschaft über Jahre in Gang zu halten ohne russisches Gas wäre eine gigantische Herausforderung.“

Im Jahr 2021 lieferte Russland insgesamt 1700 TWh Gas nach Europa und damit gut 40 Prozent des gesamten Bedarfs. Die europäischen Gaslieferanten, Norwegen und die Niederlande, können ihre Fördermengen praktisch nicht mehr erhöhen.


Versorgung mit Flüssiggas wird nicht ausreichen

Rein theoretisch könnten Europa die Importkapazitäten auch so weit erhöhten, dass dies den Ausfall der russischen Gaslieferungen ausgleicht. Allerdings müsste dieses Gas dann an Flüssiggasterminals in Spanien, Frankreich oder Belgien eingespeist und in ganz Europas verteilt werden. Das Problem dabei: So große Mengen kann das europäische Gasnetz gar nicht transportieren.

Das nächste Problem ist, dass es an den Märkten überhaupt nicht genügend Flüssiggas gibt. Der weltweite Handel mit Flüssiggas beläuft sich an den Rohstoffmärkten jährlich gerade auf 5000 TWh. Dabei produzieren fast alle Förderländer bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. Ein sehr großer Teil dieser Fördermenge ist bereits durch langfristige Lieferverträge an Abnehmer in Asien gebunden. Mehr als die EU zu Zeit an Flüssiggas abruft, ist am Markt deshalb auch gar nicht verfügbar. Darüber hinaus gehende Mengen wären nur durch einen Preiskrieg zu bekommen. Daraufhin würden die Preise aber unweigerlich explodieren.

Senkung des Gasverbrauchs einzige Alternative, wenn Russland nicht liefert

Ohne russisches Gas bleibt der EU nur die Alternative den Gasverbrauch drastisch zu senken. Doch wo soll man da anfangen? Etwa bei der Dämmung alter Gebäude, oder dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Das würde Jahre dauern, um nennenswerte Erfolge verbuchen zu können. Fast 50 Prozent aller deutschen Haushalte heizen mit Gas. Diese Heizungen gegen andere Systeme auszutauschen, würde schon am Handwerkermangel scheitern. Und auf welchen Energieträger sollte man umstellen? Auf Strom? Aber auch Strom wird ohne Gas knapp, wenn man die Gaskraftwerke nicht mehr betreiben kann.


Im Notfall wird der Staat Gas rationieren

Dem Staat bleibt bei einer Gasknappheit eigentlich nur die Lösung, Gas zu rationieren. Das wird er zunächst bei den Großverbrauchern machen, also den energieintensiven Industriebetrieben, wie Glashütten oder der chemischen Industrie. Bei weiter steigenden Gaspreisen werden sowieso einige dieser Betriebe die Produktion von selbst einstellen.

Verheerende Folgen für die Wirtschaft

Damit wäre eine Rezession im Europäischen Wirtschaftsraum bereits vorprogrammiert und die steigenden Gaspreise werden die Inflation dazu noch kräftig anheizen


Zuletzt aktualisiert am November 23, 2022 um 12:16 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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