Europäische Nuklearallianz will Kernenergie auf 150 GW ausbauen

Insgesamt 16 europäischen Länder, die sich in der „Nuklearallianz“ zusammengeschlossen haben, wollen einen Plan für eine europäische Nuklearindustrie ausarbeiten. Dabei verfolgen sie das Ziel bis 2050 einen Anteil von 150 Gigawatt Kernkraft am Strommix der EU zu erreichen soll.


Nuklearallianz: Treffen hochrangiger Vertreter zur Weiterentwicklung der europäischen Kernenergie

Frankreichs Energieministerin, Agnès Pannier-Runacher, hat am 16. Mai 15 Minister und hochrangige Vertreter europäischer Länder zu einem Treffen nach eingeladen. Diese Länder, darunter Belgien, Italien und das Vereinigte Königreich, sind alle Teil europäischen Nuklearallianz. Schweden nahm ebenfalls an dem Treffen teil, obwohl es bei früheren Sitzungen aufgrund seiner Rolle als EU-Ratspräsident neutral geblieben war.

Europäische Nuklearallianz setzt Ziel von 150 Gigawatt Kernenergie bis 2050. Nuklearallianz plant 30 bis 45 neue Reaktoren
Europäische Nuklearallianz setzt Ziel von 150 Gigawatt Kernenergie bis 2050. Nuklearallianz plant 30 bis 45 neue Reaktoren

Die gesamte Allianz setzt sich Belgien, Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Finnland, Ungarn, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Slowenien, der Slowakei, Estland, Schweden, Italien als Beobachter und dem Vereinigten Königreich zusammen. Deutschland hält nach wie vor am Atomausstieg fest und nimmt an den Treffen nicht teil.

Das Vereinigte Königreich entwickelt derzeit zwei EPR2-Kernreaktoren in Hinkley Point C, und zwei weitere befinden sich in der Anfangsphase.


Europäische Nuklearallianz setzt Ziel von 150 Gigawatt Kernenergie bis 2050

Die Vertreter unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung. In dieser haben sie das Ziel von 150 Gigawatt an installierter Kernenergie bis zum Jahr 2050 festgelegt (Ecologie: 16.05.23). Um dies zu erreichen, fordern die Akteure der Allianz die Europäische Kommission auf, diese Vorgehensweise „in der Energiestrategie der EU zu fördern“, heißt es in der unterzeichneten gemeinsamen Erklärung. Angesichts der 100 GW, die in der EU derzeit installiert sind, bedeutet das eine Erhöhung um 50 Prozent.

EU-Energiekommissarin Kadri Simson äußerte sich in Paris dahingehend, dass sie gekommen sei, um die Anliegen der teilnehmenden Länder anzuhören.

Vor einem weiteren Treffen, das voraussichtlich am 19. Juni in Luxemburg stattfindet, wollen die Länder, die an der Allianz beteiligt sind, einen detaillierten Fahrplan erstellen.

Die Europäische Kommission hat außerdem darum gebeten, ein gemeinsames Dokument zu erstellen, in dem die Art der Projekte hervorgehoben wird.

30 bis 45 neue Reaktoren und neue Arbeitsplätze

Derzeit sind in der EU 100 Gigawatt an Kernenergiekapazität installiert. Um bis 2050 150 Gigawatt zu erreichen, rechnet das französische Ministerium für Energiewende mit dem Weiterbetrieb bestehender Anlagen und „dem Bau von 30 bis 45 neuen großen Reaktoren sowie der Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR) in der EU.“

Die Ministerin betonte, diese Zahl ergebe sich „ungefähr aus der Überprüfung der verschiedenen Projekte, die in den Diskussionen, die wir alle über die Anhebung unserer Kohlenstoffziele führen, in Betracht gezogen werden“, in Kombination mit dem Ersatz alter Kernreaktoren. Mit 150 Gigawatt könnte die Kernenergie ihren derzeitigen Anteil von 25 Prozent an der Stromerzeugung in der EU bis 2050 beibehalten, fügte sie hinzu.


Europäische Nuklearallianz: Zusätzliche 50 Gigawatt schaffen Hunderttausende von Arbeitsplätzen

Zudem bedeuten zusätzliche 50 Gigawatt 450.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Europa. „Das ist enorm“, so Pannier-Runacher. Unter Berücksichtigung der Pensionierungen bedeutet dies mehr als 300.000 direkt und indirekt geschaffene Arbeitsplätze bis 2050. Darunter 200.000 qualifizierte Arbeitsplätze, so das französische Ministerium für Energiewende in einer Presseerklärung (Ecologie: 16.05.23).

Um dies zu erreichen, fordern die Mitglieder der Allianz die Europäische Kommission auf, die Entwicklung „gemeinsamer Initiativen“ zu unterstützen. Die Allianz wird sich für den Aufbau „gemeinsamer Austauschprogramme zwischen Technikern und Ingenieuren“ einsetzen, heißt es in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Europäische Nuklearallianz strebt Koordination bei der Entwicklung von SMR an

Ein weiterer Schwerpunkt der Allianz besteht darin, die Kräfte bei der Entwicklung von kleinen modularen Reaktoren (SMR) zu bündeln und auf europäischer Ebene stärker zu koordinieren. Die Mitgliedstaaten sind bereit, an Prozessen zur Standardisierung des Designs neuer Kernreaktoren zu arbeiten.

Um dies zu erreichen, fordern die Unterzeichnerstaaten der gemeinsamen Erklärung eine bessere Unterstützung und einen verbesserten Zugang zur Finanzierung seitens der EU. Sie beziehen sich dabei auf den von der Europäischen Kommission Mitte März vorgelegten Net-Zero Industry Act. In diesem Text wird ein Unterschied zwischen Kernkraft und anderen dekarbonisierten Technologien gemacht.

Die Mitglieder der Allianz müssen über diesen Punkt nachdenken, wie Pannier-Runacher betonte. Es besteht die Notwendigkeit, die Bedingungen und den Zugang zur Finanzierung zu verbessern, um die Entwicklung und Standardisierung von neuen Kernreaktoren voranzutreiben.

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