EU verschiebt Methanverordnung – Versorgung mit Öl und Gas hat Vorrang

Die EU-Kommission will die Methanverordnung für Öl-, Gas- und Kohleimporte um ein Jahr verschieben. Die neuen Kontrollpflichten sollen deshalb erst Anfang 2028 statt 2027 greifen. Hintergrund sind die angespannte Energieversorgung, hohe Preise und Lieferausfälle infolge des Iran-Krieges. Zugleich warnen wichtige Lieferländer vor zusätzlichen Handelshemmnissen. Die EU will damit verhindern, dass neue Umweltauflagen weitere Lieferungen von Öl und Gas gefährden. Für europäische Energieversorger und Industrieunternehmen soll das die Beschaffung erleichtern.

EU lockert die Methanverordnung für Energieimporte. Ab 2028 sollen neue Kontrollpflichten greifen, um drohende Lieferengpässe zu vermeiden
EU lockert die Methanverordnung für Energieimporte. Ab 2028 sollen neue Kontrollpflichten greifen, um drohende Lieferengpässe zu vermeiden
Bild: Shutterstock

Methanverordnung könnte Energieimporte erheblich erschweren

Die bisherigen Vorschriften verlangen von ausländischen Öl- und Gaslieferanten umfangreiche Nachweise über ihre Methanemissionen. Unternehmen müssen dafür Emissionen überwachen, dokumentieren und nach EU-Standards überprüfen lassen. Viele internationale Produzenten erfüllen diese Anforderungen bislang jedoch nicht. Deshalb befürchten Importeure rechtliche Probleme und mögliche Sanktionen. Im schlimmsten Fall könnten Lieferanten ihre Ware bevorzugt an Länder mit weniger strengen Vorgaben verkaufen.

Besonders kritisch ist die Situation beim Flüssigerdgas. Die USA sind inzwischen der wichtigste LNG-Lieferant der Europäischen Union. Washington hatte bereits im Juni vor möglichen Lieferstörungen durch die neuen Vorschriften gewarnt. Auch der US-Energiekonzern ExxonMobil unterstützte diese Bedenken. Während Europa zusätzliche Gaslieferungen benötigt, könnten bürokratische Anforderungen den Zugang zu verfügbaren Mengen erschweren.


Frankreich und USA drängen auf Lockerung der Methanverordnung

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich bereits im September an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gewandt. Er warnte vor erheblichen rechtlichen Unsicherheiten für europäische Energieimporteure und forderte eine Verschiebung. Auch Italien und Tschechien verlangen mehr Zeit für die Umsetzung. Mehrere Regierungen halten jedoch selbst die geplante Verlängerung um zwölf Monate für unzureichend.

Die EU-Kommission sieht deshalb eine einjährige Verschiebung als notwendigen Kompromiss zwischen Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Nach dem neuen Zeitplan müssten Importeure bis zum 31. Mai 2029 nachweisen, dass ihre Lieferungen aus dem Jahr 2028 die vorgeschriebenen Standards erfüllen. Die Anpassung umfasst außerdem Berichtspflichten zur Methanintensität für Importeure und europäische Produzenten. Die bestehenden Klimaziele sollen dabei unverändert bleiben. Allerdings müssen das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten der Gesetzesänderung noch zustimmen.


Energieindustrie fordert drei Jahre Aufschub

Der Internationale Verband der Öl- und Gasproduzenten verlangt einen Aufschub von drei Jahren. Die Unternehmen benötigen nach eigenen Angaben zusätzliche Zeit, um ihre Lieferketten und Berichtssysteme anzupassen. Ohne weitere Verlängerungsmöglichkeiten könnte sich die heutige Situation nach zwölf Monaten wiederholen. Zudem befürchten Branchenvertreter, dass internationale Lieferanten wegen drohender Strafen auf Geschäfte mit europäischen Abnehmern verzichten. Damit könnte die EU ihre Versorgung unnötig einschränken.

Umweltorganisationen kritisieren dagegen die geplante Lockerung der Methanverordnung. Sie argumentieren, dass eine Verschiebung weder die Folgen des Iran-Krieges beseitige noch zusätzliche fossile Energieträger verfügbar mache. Methan trägt nach Kohlendioxid am stärksten zur menschengemachten Erderwärmung bei. Die seit 2024 geltende EU-Verordnung soll deshalb unter anderem Leckagen an Förderanlagen und Pipelines reduzieren. Die Kommission hatte bereits im Juli empfohlen, bestimmte Verstöße vorübergehend nicht zu sanktionieren. Mit der aktuellen Initiative verschiebt Brüssel nun weitere verbindliche Pflichten. Für Europas Energieversorgung bedeutet das vor allem mehr Spielraum bei der Beschaffung, jedoch keine Garantie für niedrigere Preise.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Europäische Kommission (14.10.26) – Reuters (14.10.26) – Bloomberg (14.10.26)

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