Deutschland, mehrere EU-Staaten und wichtige Lieferländer warnen vor Folgen der EU-Methanregel für Energieimporte ab 2027. Am 26. Juni forderte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in Luxemburg deshalb eine Verschiebung oder Aussetzung. Die EU-Verordnung betrifft Erdgas, Erdöl, Kohle und laut Berlin auch Mineralölprodukte wie Kerosin. Kritiker sehen Lieferverträge, Preise und Versorgungssicherheit gefährdet, weil viele Produzenten die neuen Nachweise nicht rechtzeitig liefern könnten.
Methanregel verschärft Vorgaben für Energieimporte
Die EU-Verordnung trat 2024 in Kraft und soll Emissionen aus Öl, Gas und Kohle senken. Methan wirkt deutlich stärker auf die Erderwärmung als Kohlendioxid, bleibt jedoch kürzer in der Atmosphäre. Die EU-Kommission sieht die Vorgaben deshalb als Teil ihres Klimaziels für 2030.

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Die Regeln treffen jedoch nicht nur Förderanlagen in Europa. Importeure müssen Herkunft, Transportwege und Maßnahmen gegen Methanverluste melden. Ab 2027 müssen sie außerdem nachweisen, dass Lieferanten vergleichbare Mess-, Berichts- und Prüfstandards einhalten. Ab 2028 folgt die Berichterstattung zur Methanintensität, während ab 2030 ein Grenzwert greifen soll.
Reiche warnt vor Folgen für Gas und Kerosin
Reiche stellte die Methanregel direkt in den Zusammenhang mit der deutschen Versorgung. Sie sagte: „Wir brauchen mindestens eine Verschiebung oder eine Aussetzung der Methanverordnung, dass sich die Bundesrepublik Deutschland sicher mit Gasimporten, aber auch mit Mineralölprodukten wie Kerosin versorgen kann. Wir werden mit der Kommission sehr ernsthaft darüber sprechen müssen, dass wir unsere Versorgungssicherheit auf gar keinen Fall aufs Spiel setzen können.“ Aus Sicht Berlins kann die Umsetzung Lieferungen erschweren, wenn Produzenten die Nachweise nicht fristgerecht liefern.
Zunächst hatten elf EU-Staaten eine Verschiebung um mindestens drei Jahre verlangt. Zu ihnen zählten Tschechien, die Slowakei, Polen, Italien und die Niederlande. Auch Deutschland stellte sich inzwischen hinter die Kritik, weil die Fristen aus Sicht der Bundesregierung zu eng sind. Die EU-Kommission signalisiert zwar Erleichterungen bei der Anwendung, jedoch will sie den Kern der Verordnung nicht neu verhandeln.
Lieferländer und Industrie warnen vor Engpässen
Auch wichtige Energieexporteure greifen die Methanregel an. Die USA, Katar, Nigeria und Algerien warnten die EU-Spitzen am 23. Juni vor Problemen bei Öl- und Gaslieferungen. Sie argumentieren außerdem, viele Exportländer könnten die geforderten Mess-, Berichts- und Prüfstandards nicht rechtzeitig erfüllen. Der Zeitpunkt ist besonders kritisch, weil Importeure bereits Energie für Lieferungen im kommenden Jahr beschaffen.
Der internationale Öl- und Gasverband IOGP hatte bereits im April Änderungen gefordert. Ihm gehören Unternehmen wie Chevron, BP, ExxonMobil und ConocoPhillips an. Der Verband sieht neben Gas- und Ölimporteuren auch Kohlebetreiber, Infrastrukturbetreiber und heimische Produzenten betroffen. Nach einer Branchenanalyse könnten ab 2027 große Teile der EU-Gasimporte und fast alle Rohölimporte Compliance-Probleme bekommen.
Streit über Versorgungssicherheit bleibt offen
Umweltverbände und einzelne Analysten widersprechen jedoch der Warnung vor einer Versorgungskrise. Sie verweisen auf steigende LNG-Angebote und auf mögliche Lieferanten mit besseren Messsystemen. Aus dieser Sicht stärkt die Verordnung Europas Position, weil sie Produzenten zu transparenteren Lieferketten zwingt.
Für Industrie und Energieversorger bleibt der Konflikt jedoch praktisch. Ohne anerkannte Prüfstellen, klare Methoden und belastbare Daten steigt das Rechtsrisiko bei neuen Verträgen. Deshalb geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern um die Frage, ob Regulierung schneller kommt als die technischen Nachweise. Genau an dieser Stelle kann aus einer Emissionsregel ein Problem für Preise, Raffinerien und Versorgung werden.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Financial Times (07.07.26) – International Association of Oil & Gas (30.06.26) – Reuters (26.06.26) – US Department of Energy (24.06.26)
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