In Brüssel und Washington verschärft sich ein Konflikt über die EU-Methanverordnung, weil darin neue Klimavorgaben ab Januar 2027 auch Öl- und Gaslieferanten außerhalb Europas erfassen sollen. Die USA drohen deshalb damit, ihre Öl- und Gaslieferungen in die EU einzustellen, falls Brüssel die Regeln für Produzenten fossiler Brennstoffe nicht lockert. Betroffen wären Energieversorger, Industrie und Haushalte, während Europa stark von US-Gas, US-LNG und US-Rohöl abhängt. Der Zeitpunkt erhöht die Brisanz, denn die neuen Importauflagen greifen mitten im Winter (reuters: 19.05.26).
Methanverordnung bringt Öl- und Gaslieferungen aus den USA ab 2027 ins Wanken
Die Methanverordnung soll Emissionen senken, die bei Förderung, Transport und Verarbeitung von Öl und Gas entstehen. Sie gilt bereits seit 2024, jedoch greifen die entscheidenden Importvorgaben erst ab Januar 2027. Dann sollen Drittstaaten vergleichbare Standards einhalten wie Produzenten innerhalb der EU.

Für Energieunternehmen entstehen deshalb zusätzliche Pflichten bei Messung, Meldung und Kontrolle. Außerdem untersagt die Verordnung routinemäßiges Entlüften und Abfackeln im Öl- und Gassektor. Wer die Vorgaben verletzt, muss mit Geldbußen rechnen.
Washington sieht die EU-Regeln als nicht praktikabel an
US-Botschafter Andrew Puzder kritisiert die Anforderungen scharf. Er bezeichnete die Vorgaben als „nicht praktikabel“. Deshalb stellt Washington einen Lieferstopp nach dem 1. Januar 2027 in Aussicht, falls die EU ihren Kurs nicht ändert.
Die Drohung trifft Europa jedoch in einer empfindlichen Lage. Die USA können Öl und Flüssigerdgas auch nach Asien verkaufen. Dort suchen China und Indien zusätzliche Mengen, während Störungen rund um die Straße von Hormus Lieferketten belasten.
Europas Abhängigkeit macht den Konflikt riskant
Die Vereinigten Staaten gehören zu den wichtigsten Energielieferanten der EU. Sie liefern 75,6 Milliarden Kubikmeter Gas und stehen damit hinter Norwegen auf Platz zwei. Beim LNG stammen rund 58 Prozent der EU-Importe aus den USA.
An der Methanverordnung hängt deshalb mehr als ein Streit über Berichtspflichten. Rund 15 Prozent der europäischen Ölimporte kommen ebenfalls aus den Vereinigten Staaten. Ein Lieferstopp könnte daher Preise erhöhen und Beschaffungspläne in Europa durcheinanderbringen.
Brüssel muss Klimaziele und Versorgungssicherheit abwägen
In Brüssel läuft deshalb offenbar eine Debatte über mögliche Lockerungen. Die EU will Methanemissionen senken, während sie zugleich zentrale Lieferbeziehungen sichern muss. Für Deutschland wären höhere Energiepreise und neue Importunsicherheit besonders kritisch.
Der Europaabgeordnete Auke Zijlstra warnt vor einer erheblichen Versorgungslücke. „Entweder wir kaufen Gas aus den USA, oder wir stehen ab Januar vor einer 25-prozentigen Versorgungslücke“, sagte er. Damit wird der Streit zu einem direkten Test für Europas Energiepolitik.
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