Erhöhung der LKW-Maut führt zur nächsten Preissteigerungswelle

Die Gebühr für schwere Lkw steigt zum Jahreswechsel kräftig, und zwar um 83 Prozent. Das gefährdet kleinere Transportunternehmen. Auch im Handel herrscht Unruhe über die massive Erhöhung der LKW-Maut. Beide Sektoren wissen, wer die zusätzlichen Kosten letztendlich zu tragen hat, nämlich der Verbraucher (Welt: 04.10.23).


Explosive Erhöhung der Lkw-Maut: Droht das Aus für mittelgroße Transportunternehmen

Trotz bisheriger Preiserhöhungen in diesem Jahr erwartet uns am Ende eine weitere: die Lkw-Maut. Im Dezember klettern die Gebühren für schwere Lkw um 83 Prozent, und sechs Monate später gilt das dann auch für Kleinlaster.

Die massive Erhöhung der LKW-Maut trifft  Einzelhändler und Transportunternehmen gleichermaßen. Verbrauchern drohen bald höhere Preise
Die massive Erhöhung der LKW-Maut trifft Einzelhändler und Transportunternehmen gleichermaßen. Verbrauchern drohen bald höhere Preise
Bild: Dickelbers, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Transportunternehmen, vor allem mittelgroße, sind besorgt

Sie bezweifeln, ob sie die höheren Kosten komplett an ihre Kunden weitergeben können. Bei unbelaufenen Rückfahrten trägt nur der Spediteur die Mautkosten. Das könnte einige Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Hersteller, vor allem aus Lebensmittel- und Getränkesektoren, zeigen ebenfalls ihren Unmut. Letztlich müssen sie die erhöhten Gebühren an die Einzelhändler weitergeben. „Die bevorstehende Mauterhöhung müssen wir zu 100 Prozent an unsere Lebensmittelproduktionskunden weitergeben. Das erhöht die Inflation erheblich“, betont Jes-Christian Hansen von HaBeMA in Hamburg, ein Futtermittellieferant.


Anstieg der Lkw-Maut: Droht Bier und Wasser bald teurer zu werden

„Bei jeder Mauterhöhung fällt es uns schwer, die Kosten ganz weiterzugeben, besonders bei unbelaufenen Fahrten während schwacher Wirtschaftsperioden“, bemerkt Lars Soltau von Transportunternehmen Soltau. Ihr Branchenverband antwortet darauf mit einer Aktion namens „Mauteverest – so schaffen wir das nicht“. Laut Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fördert diese Erhöhung nur die Inflation, nicht den Warentransport. Der Staat plant, mit den zusätzlichen Maut-Einnahmen, geschätzt 7,6 Milliarden Euro pro Jahr, in Bahnausbau und Schienennetz zu investieren.

Eine Getränkekiste könnte teurer werden

„Mit der CO₂-Maut könnten die Kosten für eine Getränkekiste in Deutschland je nach Lieferant und Absatzort um bis zu 50 Cent steigen“, erklärt Markus Rütters von der Deutschen Getränke-Logistik. Er bezieht sich auf ein Joint Venture der Brauereien Veltins und Radeberger mit 360 Lkw. Angesichts geringer Gewinnspannen müssen sie wahrscheinlich die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben.

Das betrifft insbesondere den Getränkesektor mit vielen Transporten und großem Ladevolumen. Getränke haben im Vergleich zu ihrem Preis ein hohes Gewicht. Steigende Transportkosten könnten den Preis von Getränken wie Wasser oder Bier deshalb besonders stark beeinflussen.

Mauterhöhung den Umstieg auf E-Mobilität fördern

Der Verkehrsminister Volker Wissing sieht in der höheren Maut einen Anreiz für den Umstieg auf umweltfreundliche Lkw. Aber Manager Rütters findet das nicht überzeugend. „In der Getränkelogistik können wir aktuell nicht auf E-Mobilität setzen, denn passende Fahrzeuge gibt es kaum“, betont der Chef von DGL. Es mangelt an Lkw mit Batterieantrieb. Michael Huber von Veltins findet: „Die Zusatzmaut ist ein bedauerlicher Kosten- und Inflationstreiber.“


Erhöhung der LKW-Maut bedroht Existenz vieler Unternehmen

Der Handel protestiert laut. „Unsere Waren müssen auf der Straße transportiert werden“, betont Dirk Jandura vom BGA. Er sieht die Schiene wegen schlechter Infrastruktur nicht als Alternative. Laut BGA-Berechnungen könnten Unternehmen durch die Maut bis zu 40.000 Euro pro Lkw zusätzlich zahlen.

E-Lkw oder Wasserstoff-Lkw zahlen zwar weniger Maut, aber diese Fahrzeuge sind selten und oft nicht erhältlich. „Von 800.000 Lkw in Deutschland fahren nur rund 400 mit einem batterieelektrischen Antrieb“, stellt Dirk Engelhardt vom BGL fest.

In Deutschland werden 84 Prozent der Güter per Lkw transportiert. Es ist sichtbar, wie Lkw den Straßenverkehr beherrschen. Rastplätze brauchen Ausbau, doch die neue Maut bietet dafür keine Gelder. Für manche Transportfirmen könnte die höhere Maut existenzbedrohend sein. „Die Profite in unserem Sektor liegen oft unter einem Prozent“, erklärt Engelhardt. Manchmal deckt die Mauterhöhung den gesamten Gewinn eines Transportunternehmens.

Viele deutsche Speditionen sind mittelständische Betriebe. Von etwa 70.000 Transportfirmen sind über zwei Drittel kleine Unternehmen mit ein bis zehn Lkw. Engelhardt warnt: Der Frachtraum könnte knapp werden. Die Mauterhöhung könnte den Mittelstand im Transportgeschäft gefährden.

Mauterhöhungen treffen Einzelhändler: Drohen uns bald höhere Preise?

Höherer CO₂-Preis belastet zusätzlich Kunden von Spediteuren, sowohl Großhändler als auch mittlere Geschäfte, sind besorgt über geplante Mautänderungen. Ab nächstem Jahr müssen auch kleinere Nutzfahrzeuge ab 3,5 Tonnen Maut zahlen. Oft nutzt man diese für Lieferungen. Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) meint: „Das zeigt, dass die Bundesregierung vor allem nach Einnahmequellen sucht.“

Zusätzlich plant man, den CO₂-Preis für Diesel und Benzin 2024 zu erhöhen. Der HDE erinnert daran, dass die Regierung solche Mehrfachbelastungen eigentlich verhindern wollte und verlangt Ausnahmen für den Einzelhandel.

Die Getränkeindustrie, wie Gerolsteiner, betont ihren Umweltschutz-Willen. „Die Logistik und der Transport unserer Güter sind essenzielle Stellschrauben für unsere Ambitionen, die klimarelevanten Emissionen zu reduzieren“, betont Ulrich Rust von Gerolsteiner. Das Unternehmen setzt auf kombinierten Verkehr und Bio-LNG. Rust findet es schade, dass die Mautänderungen diese nicht bevorzugen.


Entsorgungsunternehmen verlangen eine andere Richtung

Die Entsorgungsindustrie bittet ebenfalls um eine politische Neuausrichtung. Ein Verbandsschreiben an den Verkehrsausschuss des Bundestages fordert, die Mauterhöhung bis 2027 auszusetzen.

Die Logistik ist in der Industrie wichtig. Eric Rehbock, Verbandschef, meint: „Wir reden hier von einer geplanten Mauterhöhung, die aufgrund der Erhöhung der CO₂-Komponente und weiterer Faktoren auf eine Verdoppelung hinausläuft.“

Patrick Lepperhoff, ein Experte bei Inverto, glaubt, dass Unternehmen diese Kosten an Kunden weitergeben könnten. Er empfiehlt Händlern und Produzenten, ihre Lieferketten zu überprüfen. Denn umweltfreundlicher Transport kann auch Mautkosten reduzieren.

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