E-Roller: Fast 90 Prozent der Einwohner von Paris stimmen für Verbot

Paris war eine der ersten Städte in Europa, in denen leihbare E-Roller aufkamen. Die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat alle Einwohnerinnen und Einwohner, die auf Wahllisten eingetragen sind, zu einer Abstimmung über die besonders bei jungen Menschen beliebten Gefährte aufgerufen. Dabei haben sich bei der Abstimmung 90 Prozent in der Metropole gegen die E-Roller ausgesprochen (FAZ: 03.04.23).


Wildwest auf Pariser Straßen: Wie E-Roller das Stadtbild veränderten und zu einem Referendum führten

Die E-Roller zählen in Paris seit 2018 zum Stadtbild. Da es anfangs keine klaren Regeln für ihren Gebrauch gab, herrschte eine wilde Roller-Anarchie. Roller-Fahrer bretterten über Fußwege, schlängelten sich durch Autostaus, nahmen Passagiere zu halsbrecherischen Fahrten mit und ließen die Roller am Ende dort stehen, wo es ihnen gerade passte. Häufig fielen die Roller dann um und verwandelten Bürgersteige in Hindernisstrecken.

Wildwest auf Pariser Straßen: Wie E-Roller das Stadtbild veränderten und zu einem Referendum führten. Bürger entscheiden sich gegen E-Roller
Wildwest auf Pariser Straßen: Wie E-Roller das Stadtbild veränderten und zu einem Referendum führten. Bürger entscheiden sich gegen E-Roller

Nach und nach schufen die Behörden spezifische Roller-Vorschriften. Derzeit müssen Nutzer mindestens zwölf Jahre alt sein, dürfen die Roller nicht zu zweit benutzen und müssen sie auf gekennzeichneten Parkplätzen abstellen. Da dies jedoch nicht immer eingehalten wird, hat Hidalgo nun zu der ungewöhnlichen Maßnahme eines Referendums gegriffen.

Mietroller-Verbot in Paris: Bürger entscheiden gegen E-Roller auf den Straßen

Private E-Roller, von denen im vergangenen Jahr etwa 700.000 verkauft wurden, sollen davon nicht betroffen sein. Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig. 89 Prozent haben sich bei der Bürgerbefragung gegen die Mietroller auf den Straßen der französischen Hauptstadt ausgesprochen. Allerdings war nur eine geringe Zahl von Pariser Bürgern dieser Abstimmung interessiert. Von den 1,3 Millionen Wahlberechtigten beteiligten sich lediglich 7,46 Prozent an der Abstimmung.

Trotzdem betrachtet Bürgermeisterin Hidalgo das Ergebnis als verbindlich. Im Rathaus am Sonntagabend sagte sie: „Die Bürger haben sich eindeutig gegen E-Scooter ausgesprochen. Ab dem 1. September werden in Paris keine Miet-Scooter mehr verfügbar sein. Dies ist ein Erfolg für die lokale Demokratie.“ Sie lobte die fast 100.000 Einwohner, die zur Wahl gegangen waren, als „beeindruckend“.


E-Roller in Paris: Zwischen Unfallgefahr und Verkehrschaos

Viele Pariser sind genervt von den E-Scootern. „Es ist das totale Chaos“, sagte der 69 Jahre alte Ivan Lellouche, der von einigen Jahren von einem Rollerfahrer angefahren wurde und seitdem einen Knieschaden hat. Im vergangenen Jahr gab es in Paris mehr als 400 Unfälle mit Rollern, drei Menschen kamen dabei ums Leben. Die 31 Jahre alte Grafikerin Mathilde Caruso hingegen ist gegen ein Verbot der Leihroller. „Sie sind ein wichtiges Verkehrsmittel geworden“, sagt sie.

Verkehrsminister Clément Beaune kritisierte die Pariser Abstimmung. Seiner Ansicht nach greift sie zu kurz. „Anstelle dafür oder dagegen zu stimmen, hätte man auch die Option ‚dafür, aber unter Beachtung der Regeln‘ anbieten sollen“, sagte er.

Seine Kritik kommt nicht von ungefähr. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Beaune sich für die Nachfolge Hidalgos in Stellung bringen will. Ohne das Ergebnis der Abstimmung abzuwarten, kündigte er zuvor noch neue Regeln für die Nutzung der E-Roller an.

AFP und Blackout-News

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