Die doppelte Ökostrom-Anrechnung: Islands geheimer Handel und seine Folgen

Viele Stromanbieter versprechen heute hundert Prozent erneuerbare Energien, besonders in Deutschland. Auch Unternehmen behaupten, klimaneutral zu wirtschaften und sauberen Strom zu verwenden. Aber was steckt wirklich dahinter? (golem, 29.11.2023)

Strom kann man nicht direkt identifizieren, sobald er ins Netz eingespeist wird. Es ist unmöglich, Kunden im selben Stromnetz den Strom aus einer bestimmten Quelle zuzuweisen. Ökostromkunden bezahlen in der Regel dafür, dass anderswo Ökostrom ins Netz eingespeist wird. Es gibt jedoch eine weitere Möglichkeit, wie Stromanbieter und Unternehmen ihren Strom „grün“ machen können: mithilfe von Herkunftsnachweisen für erneuerbare Energien.


Diese Herkunftsnachweise sind in der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien vorgesehen. Sie trennen den Verkauf des physischen Stroms von der „Stromeigenschaft“, also wie er erzeugt wurde. Ein Beispiel: Ein deutscher Stromanbieter verwendet einen üblichen Strommix. Ein ausländischer Anbieter betreibt ausschließlich Wasserkraftwerke und verkauft Herkunftsnachweise an den deutschen Anbieter. Dadurch kann dieser behaupten, ausschließlich Ökostrom zu liefern.

In diesem System wird Ökostrom doppelt angerechnet: von den Unternehmen, die ihn beziehen, und von denen, die Herkunftsnachweise kaufen. Das führt zu einer Doppelzählung, die in großem Umfang stattfindet.

Der geheime Handel mit virtuellem Ökostrom: Island's Handel mit Herkunftsnachweisen und Doppelzählung von Ökostrom
Wasserkraftwerk in Island – Der geheime Handel mit virtuellem Ökostrom: Island’s Handel mit Herkunftsnachweisen und Doppelzählung von Ökostrom

Island: Der rätselhafte Handel mit virtuellem Ökostrom und seine Auswirkungen

Island, obwohl kein EU-Mitglied, hat die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien umgesetzt und ist am System der Strom-Herkunftsnachweise beteiligt. Isländische Stromerzeuger können ihren Ökostrom virtuell ins Ausland verkaufen, obwohl das Land ein autarkes Stromnetz hat und keine Kohle- oder Atomkraftwerke besitzt.

Stromkunden in Island sehen auf ihren Stromrechnungen jedoch Kohle- und Atomstrom, obwohl sie tatsächlich Wasserkraft erhalten. Der staatliche Stromerzeuger Landsvirkjun verdient jährlich etwa 7 Millionen Euro durch den Verkauf von Herkunftsnachweisen.


Island ist ein Vorreiter bei erneuerbaren Energien, mit über 99 Prozent Wasserkraft und Geothermie. Das Land hat energieintensive Industrien, darunter Aluminiumhütten, angezogen. Trotz der geringen Stromproduktion von etwa 19 Terawattstunden exportiert Island 14 Terawattstunden Herkunftszertifikate, die anderswo genutzt werden, um Strom virtuell grün zu machen. Alle drei Aluminiumhersteller in Island werben mit 100 Prozent erneuerbaren Energien, obwohl sie keine Herkunftsnachweise erhalten. Der größte Stromversorger, Landsvirkjun, bietet Herkunftszertifikate an, die von den Aluminiumkonzernen nicht erworben werden.

Die Association of Issuing Bodies (AIB), zuständig für Herkunftsnachweise in teilnehmenden Ländern, kennt das Problem, betrachtet es jedoch als legal. Die Situation hat sich verbessert, aber einige kleinere Verbraucher können nun Herkunftsnachweise vorweisen.

Das Ausmaß des Problems ist schwer zu ermitteln, da das System undurchsichtig ist. Die AIB veröffentlicht nur statistische Daten zu den Importen und Exporten von Strom. Welche Unternehmen Herkunftsnachweise kaufen, bleibt unbekannt. Insgesamt zeigt sich, dass das System der Herkunftsnachweise dazu führt, dass Ökostrom mehrfach angerechnet wird, ohne die physikalische Realität der Stromverteilung zu berücksichtigen. Es fehlt an klaren gesetzlichen Regelungen.

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