Deutschlands Wirtschaft in der Krise: Trumpf-Chefin warnt vor Verlust der industriellen Basis

Nach einer Hausmesse des Maschinenbauers Trumpf warnt Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller vor einer schweren Zuspitzung der deutschen Wirtschaftskrise. Rund 2.000 Unternehmer kamen dort zusammen, während hohe Energiepreise, Inflation, schwache Konjunktur, ausufernde Bürokratie, chinesischer Exportdruck und unsichere Beziehungen zu den USA die Stimmung belasten. Außerdem steigen die Insolvenzen, während Rettungen seltener gelingen. Besonders betroffen sind Mittelstand, Handel, Bau, Logistik und Gastronomie. Der zentrale Risikofaktor liegt jedoch im Vertrauensverlust in die aktuelle Regierung. Investoren zweifeln zunehmend am Standort Deutschland (merkur: 15.05.26).


Trumpf-Chefin sieht industrielle Basis in Gefahr

Leibinger-Kammüller beschreibt eine Stimmung, die sie in dieser Härte bisher nicht erlebt hat. Viele Unternehmer sehen kaum noch Spielraum für Investitionen. Zudem wächst die Sorge, dass Deutschland seine industrielle Stärke verliert.

Trumpf-Chefin fordert Reformen: Hohe Energiekosten, Bürokratie und KI-Rückstand treiben den Mittelstand in die Krise
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Ihre Einschätzung fällt deshalb ins Gewicht. Trumpf gilt als international starker Maschinenbauer. Der Auftragseingang verbessert sich, außerdem läuft das Lasergeschäft für die Halbleiterindustrie gut. Gerade deshalb wirkt die Warnung nicht wie eine Klage aus einer schwachen Branche.

Insolvenzen nehmen zu, Rettungen werden schwieriger

Die Firmenchefin spricht jedoch von einer außergewöhnlichen Belastung. „Ich habe noch nie so viele frustrierte Unternehmerinnen und Unternehmer auf einem Fleck gesehen“, sagte sie. Außerdem machte sie mit dem Satz „Da war Corona nichts dagegen“ deutlich, wie tief die Verunsicherung reicht.

Die amtlichen Zahlen zeigen zudem den Ernst der Lage. Im Jahr 2024 meldete das Statistische Bundesamt 21.812 Unternehmensinsolvenzen. Das war der höchste Stand seit 2015. Im August 2025 lag die Zahl außerdem 12,2 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Mittelstand leidet unter Kosten, Bürokratie und Kapitalmangel

Besonders stark trifft die Krise mehrere arbeitsintensive Branchen. Verkehr und Lagerei kamen auf 10,1 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Das Baugewerbe erreichte 8,9 Fälle, während das Gastgewerbe bei 8,2 Fällen lag. Außerdem sinkt die Chance, angeschlagene Firmen zu retten.

Vor vier Jahren fanden noch zwei von drei insolventen Unternehmen einen Käufer oder eine Fortführungslösung. Heute gelingt das laut Falkensteg-Daten bei weniger als der Hälfte. Deshalb verlieren Arbeitsplätze, Lieferketten und regionale Standorte schneller an Stabilität.


Bundesregierung soll Reformen beschleunigen

Viele kleine und mittlere Firmen können ihre Produktion nicht einfach ins Ausland verlagern. Sie tragen hohe Energiepreise, steigende Finanzierungskosten und zusätzliche Auflagen. Zudem fehlt oft das Kapital für Automatisierung und Digitalisierung. Trumpf steht dabei exemplarisch für eine Industrie, die weltweit stark ist, aber stabile Rahmenbedingungen im Inland braucht.

Leibinger-Kammüller fordert deshalb eine klare wirtschaftspolitische Prioritätensetzung. Pauschale Entlastungen wie Tankrabatt, Mietpreisbremse oder Mütterrente kritisiert sie als „Alles mit der Gießkanne“. Stattdessen verlangt sie Reformen bei Rente, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Besonders deutlich fällt ihr Appell zur KI aus: „KI, KI, KI! Wenn wir das nicht kapieren, sind wir weg.“

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