Deutsche Stahlindustrie im Sinkflug: Hohe Energiepreise sorgen für düstere Halbjahresbilanz

Die Bilanz der Stahlindustrie leidet dieses Jahr massiv unter den hohen Energiepreisen. Aktuelle Statistiken verzeichnen Rückgänge in allen Segmenten. Die Industrie verlangt günstigere Strompreise, doch Wirtschaftsminister Habeck kann dies nicht durchsetzen (Welt: 26.07.23).


Deutschlands Stahlindustrie: Tiefere Krise als zur Corona-Zeit

Die Stahlproduktion in Deutschland ist so niedrig wie während der Corona-Krise, obwohl diese vorbei ist. Es sieht sogar so aus, als könnten die schlechten Rekorde der Finanzkrise 2009 erreicht werden, obwohl es keinen Finanzmarktcrash gibt. Die Halbjahresbilanz der Wirtschaftsvereinigung Stahl könnte weitere Diskussionen über eine Deindustrialisierung Deutschlands auslösen.

Die Zahlen sprechen für sich. Die Produktion von Rohstahl ging im ersten Halbjahr um 5,3 Prozent zurück. Walzstahl verzeichnete einen Rückgang von 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und es sieht so aus, als ob sich der Absturz noch beschleunigt: Im Juni allein ging die Rohstahlproduktion um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Stromkosten bedrohen Stahlindustrie: Ruf nach Industriestrompreis wird lauter. Hohe Strompreise bringen die Branche in Schieflage
Stromkosten bedrohen Stahlindustrie: Ruf nach Industriestrompreis wird lauter. Hohe Strompreise bringen die Branche in Schieflage
Bild: Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

Die Aussichten in der Stahlindustrie sind düster: Der Geschäftsklimaindex liegt fast 16 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Nach dem Ende der Corona-Pandemie hätte man eigentlich eine wirtschaftliche Erholung erwartet. Doch die Stahlindustrie befindet sich in einer Krise, weil in Deutschland kaum noch Neubauten entstehen. Die Wende in der Zinspolitik, der Mangel an Fachkräften und hohe Materialkosten haben den Neubau fast zum Stillstand gebracht und damit den Stahlbedarf reduziert. Die hohen Energiepreise verschlimmern die Situation für die Stahlwerke.

Stromkosten bedrohen Stahlindustrie: Ruf nach Lösungen wird lauter

Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, äußert sich zu dem Thema: „Die Stahlindustrie in Deutschland steht unter Druck – und das hauptsächlich bedingt durch die nach wie vor zu hohen Stromkosten in Deutschland. Ein zeitlich befristeter, konditionierter und intelligent gemachter Brückenstrompreis ist das, was jetzt dringend gebraucht wird.“

Der wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums empfiehlt, keinen Industriestrompreis einzuführen. Es besteht das Risiko, dass die Industrie keine „notwendigen strukturellen Anpassungen“ vornimmt, wenn sie weiterhin subventionierte Energie erhält.

Christian Lindner, der Bundesfinanzminister von der FDP, hat eine Alternative vorgeschlagen: Er möchte die Strom- und Energiesteuern senken, anstelle neue Subventionen zu vergeben. Dieser Ansatz könnte wahrscheinlich mehr Personen und Unternehmen helfen.


Stahlindustrie unter Druck: Grüner Stahl als Schlüssel zur klimaneutralen Wirtschaft?

Die Stahlindustrie, die besonders viel Energie verbraucht, hat keinen Spielraum mehr, um auf langwierige Reformen des Steuer- und Gebührensystems zu warten. Laut Verbandschefin Rippel „ignoriert“ Lindners wissenschaftlicher Beirat einen wichtigen Aspekt. Grüner Stahl kann als Katalysator und Verstärker für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft dienen, da er seine CO₂-reduzierende Wirkung in allen stahlintensiven Sektoren, wie dem Bauwesen, der Automobil- und Maschinenbauindustrie, entfalten kann. „Jede Tonne grüner Stahl wirkt sich direkt auf die CO₂-Bilanz der Abnehmerbranchen aus“, so Rippel.

Aber selbst die umweltfreundlichere Stahlproduktion leidet. Trotzdem gibt es einige positive Nachrichten für die Branche: Die EU-Kommission hat kürzlich staatliche Beihilfen für die Dekarbonisierung des Duisburger Werks der thyssenkrupp Steel Europe genehmigt. Das Bundeswirtschaftsministerium und das Land NRW planen, 2 Milliarden Euro bereitzustellen, um in der Stahlproduktion die klimaschädliche Kokskohle durch Wasserstoff zu ersetzen.

Hohe Strompreise bringen die Branche in Schieflage

Andere Bereiche der Stahlindustrie warten noch immer auf Unterstützung. Überraschenderweise ist die Halbjahresbilanz für die eher klimafreundliche Elektrostahlproduktion besonders schlecht. Im ersten Halbjahr entstanden nur noch 5,4 Millionen Tonnen, was einen Rückgang von etwa 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Im Juni war der Produktionsrückgang bei Elektrostahl mit 20 Prozent besonders heftig. Elektrostahl wird durch das Recycling von Schrott mithilfe einer Lichtbogen-Schmelze hergestellt. Dieses Verfahren verwendet kaum Kokskohle und ist daher relativ klimafreundlich. Aber es erfordert große Mengen an Elektrizität, die mittlerweile teuer ist.

Obwohl die Strompreise seit dem letzten Jahr gefallen sind, sind sie immer noch dreimal höher als vor der Energiekrise, die durch Russlands Angriffskrieg noch verstärkt wurde. Die deutsche Stahlindustrie muss in diesem Jahr zusätzliche Kosten von 1,25 Milliarden Euro nur für Strom aufbringen. Weitere 800 Millionen Euro kommen hinzu, da auch Gas teurer geworden ist, wie der Verband ausführt. In anderen stahlproduzierenden Ländern wie Australien, Japan, den USA, China oder Saudi-Arabien sind die Industriestrompreise nur ein Bruchteil der deutschen Werte.

Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass die Stromnachfrage in ganz Europa in diesem Jahr um etwa drei Prozent sinken wird, obwohl der Bedarf durch immer mehr Elektroautos und Wärmepumpen steigt. Der Grund dafür ist, dass die Industrie, die zwei Drittel der Nachfrage ausmacht, in vielen Regionen als Nachfrager ausfällt. Sie reduziert, verlagert oder stellt die Produktion wegen der hohen Preise ein.

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