Illertissen – Der insolvente Arzneimittelhersteller R-Pharm stellt seinen Geschäftsbetrieb nach gescheiterter Investorensuche ein. Damit fallen am Standort rund 280 Arbeitsplätze weg. Insolvenzverwalter Markus Fröhlich informierte die Beschäftigten am 26. August über das Aus. Die beiden letzten Kaufinteressenten konnten keine gesicherte Finanzierung für eine Übernahme nachweisen. Deshalb leitet der Verwalter nach der Insolvenz jetzt die Stilllegung des traditionsreichen Standorts ein. Nach seiner Darstellung hatten Sanktionen gegen Russland, russische Gegenmaßnahmen und der Rückzug von Kunden die wirtschaftliche Lage zuvor deutlich verschärft.
R-Pharm findet nach Insolvenz keinen Investor für das Werk
Bis zuletzt liefen Gespräche mit zwei Interessenten, jedoch fehlte beiden der notwendige Finanzierungsnachweis. Ein Käufer hätte nicht nur den Kaufpreis aufbringen müssen. Zusätzlich wären erhebliche Mittel für Betriebskapital, neue Aufträge und das erneute Hochfahren der Produktion nötig gewesen. Damit scheiterte die Rettung nicht an fehlendem Interesse allein, sondern vor allem an der Finanzierung.

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Noch Ende Juli hatte eine Zwischenfinanzierung den Betrieb für August gesichert. Dadurch gewann der Insolvenzverwalter mehrere Wochen für weitere Verhandlungen. R-Pharm nahm jedoch bereits seit Mitte Juni keine neuen Aufträge mehr an. Der Standort konnte sich deshalb ohne frisches Kapital nicht mehr dauerhaft aus eigener Kraft tragen.
Insolvenzverfahren seit Mai eröffnet
Das Amtsgericht Neu-Ulm ordnete im März zunächst die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Am 1. Mai eröffnete das Gericht das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Außerdem löste die Verfahrenseröffnung die Gesellschaft nach den registerrechtlichen Angaben auf. Die Produktion lief trotzdem zunächst weiter, weil der Verwalter eine Fortführungslösung suchte.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters verschlechterte sich die Lage seit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich. R-Pharm gehört seit 2014 zu einem russischen Konzern, während westliche Sanktionen die Geschäftsbeziehungen zunehmend belasteten. Gleichzeitig reagierte Russland mit eigenen Gegenmaßnahmen. In der Folge zogen sich nach Darstellung des Verwalters immer mehr Kunden und Geschäftspartner zurück.
280 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze
Für die rund 280 Beschäftigten hat das Scheitern der Verhandlungen direkte Folgen. Die Arbeitsverhältnisse sollen zum Ende August enden, während der größte Teil der Belegschaft freigestellt wird. Etwa 50 bis 60 Mitarbeiter bleiben jedoch befristet im Unternehmen. Sie sollen Anlagen sichern und die geordnete Stilllegung begleiten.
Damit endet in Illertissen eine Industriegeschichte, deren Wurzeln bis 1849 zurückreichen. Anfang der 1970er Jahre übernahm Pfizer den Standort, ehe 2014 der russische R-Pharm-Konzern folgte. Zuletzt entwickelte, produzierte und verpackte das Werk Arzneimittel für internationale Märkte. Außerdem einigten sich Betriebsrat und Insolvenzverwalter auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für die Beschäftigten.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (27.08.26) – BR24 (26.08..26) – Pharma+Food (26.08.26)
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