In Deutschland und weiteren europäischen Märkten sind die Verkaufszahlen von Nio im ersten Halbjahr 2026 stark gesunken. Der chinesische Autohersteller baut vernetzte Elektroautos vor allem für das gehobene Premiumsegment. Das Kraftfahrt-Bundesamt registrierte von Januar bis Juni gerade einmal 15 Neuzulassungen in Deutschland. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 121 Fahrzeuge. Zudem kamen im Februar in acht Märkten in ganz Europa lediglich 45 Autos der Unternehmensgruppe neu auf die Straße. Alte Modelle, zusätzliche EU-Zölle und hohe Kosten für Batteriewechselstationen bremsen deshalb die Expansion. Der Konzern verkleinert seine eigenen Vertriebsstrukturen und setzt verstärkt auf regionale Partner.
Nio verliert trotz wachsendem Markt für Elektroautos
Im Januar und April kam jeweils nur ein Fahrzeug neu auf deutsche Straßen. Der Februar brachte fünf Autos, während im März zwei Fahrzeuge hinzukamen. Im Mai und Juni registrierte das KBA jeweils drei Neuzulassungen. Damit lag selbst der stärkste Monat weit unter früheren Werten. Der durchschnittliche Monatsabsatz sank deshalb auf nur 2,5 Fahrzeuge.

Der Einbruch fällt besonders auf, weil der deutsche Markt für Elektroautos gleichzeitig kräftig wuchs. Im ersten Halbjahr kamen knapp 370.000 reine Elektroautos neu auf die Straße. Das entsprach einem Plus von rund 48 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im Juni registrierte das KBA 84.057 batterieelektrische Pkw. Eine allgemeine Kaufzurückhaltung bei Elektroautos erklärt die schwachen Zahlen daher nicht.
Veraltete Modelle bremsen das Europageschäft
Auch in anderen europäischen Ländern bleibt das Geschäft des Autobauers überschaubar. Im Februar erreichte die Unternehmensgruppe in acht Märkten nur 45 Zulassungen. Selbst im Juni blieben die Werte in den ausgewerteten Ländern im zweistelligen Bereich. Dabei entfiel ein großer Teil auf Norwegen und die kleinere Marke Firefly. Allein Norwegen meldete im Juni 44 Fahrzeuge der Gruppe. Das Land gehört jedoch nicht zur Europäischen Union und erhebt deren zusätzliche Zölle auf chinesische Elektroautos nicht.
Die bisherige Premiumstrategie verliert außerdem durch das Alter der angebotenen Fahrzeuge an Wirkung. Viele europäische Modelle basieren noch auf der Plattformgeneration NT 2.0 und stammen aus den Baujahren 2023 oder 2024. Neue Modellgenerationen sollen nach Branchenberichten erst Ende 2027 nach Europa kommen. Wettbewerber bieten jedoch bereits modernere Ladeplattformen, höhere Ladeleistungen und niedrigere Einstiegspreise. Der technische Abstand schrumpft deshalb, während die Preise hoch bleiben.
Nio zahlt einen hohen Preis für den Batterietausch
Der Autohersteller wollte sich mit einem eigenen Netz für schnelle Batteriewechsel von der Konkurrenz absetzen. Kunden können den Akku mieten und an speziellen Stationen innerhalb weniger Minuten tauschen. Das senkt zwar den Fahrzeugpreis ohne Batterie. Allerdings verursacht jede Wechselstation hohe Bau-, Betriebs- und Wartungskosten. Gleichzeitig verbessern andere Hersteller ihre Schnellladetechnik und benötigen keine eigene Wechselinfrastruktur. Das ursprüngliche Alleinstellungsmerkmal verliert deshalb an wirtschaftlichem Wert.
Die geringe europäische Nachfrage steht jedoch im starken Kontrast zum weltweiten Geschäft. Die Unternehmensgruppe lieferte im Juni 40.597 Fahrzeuge ihrer Marken Nio, Onvo und Firefly aus. Das waren 62,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im zweiten Quartal erreichte der Konzern insgesamt 107.658 Auslieferungen. Davon entfielen im Juni 21.908 Fahrzeuge auf die Kernmarke. Das Absatzproblem betrifft somit vor allem Europa und nicht den chinesischen Heimatmarkt.
Der Konzern will dennoch in Europa bleiben. Dafür reduziert er eigene Standorte und überträgt den Verkauf stärker an Händler und Importeure. Firefly soll außerdem mit kleineren und günstigeren Fahrzeugen zusätzliche Kunden erreichen. Die Marke ist jedoch noch nicht in allen wichtigen Märkten verfügbar. In Deutschland fehlt sie bislang vollständig. Ohne neue Modelle und konkurrenzfähigere Preise dürfte die Marktbedeutung deshalb gering bleiben. Die 15 deutschen Neuzulassungen bis Ende Juni zeigen das Ausmaß des Rückgangs.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Electric Vehicles (13. 07.26) – NotebookCheck (11.07.26) – Kraftfahrbundesamt (03.07.26) – Nio (01.07.26)
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