Der Chemiekonzern BASF verfolgt eine neue Strategie. Der Ausstieg aus dem Offshore-Windprojekt Nordlicht sowie der kontinuierliche Abbau von Forschungsstellen am Hauptsitz in Ludwigshafen zeigen eine klare Neuausrichtung. Trotz eines bilanziellen Verlusts von 300 Millionen Euro durch die Windpark-Transaktion hält das Unternehmen an seinen Klimazielen fest und verweist auf Fortschritte bei Patenten und nachhaltiger Stromnutzung (rheinpfalz: 25.03.25).
Forschungserträge steigen, Forschungsteam schrumpft
Die BASF erwirtschaftete 2024 rund 11 Milliarden Euro mit Produkten, die innerhalb der letzten fünf Jahre durch Forschung entstanden. Ein deutliches Plus im Vergleich zu 2023. Auch die Zahl der Patentanmeldungen stieg weiter – von 1046 auf 1159. Der Konzern zählt sich mit Blick auf Zahl und Qualität der Schutzrechte zur Spitze der chemischen Industrie.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen 2024 bei 2,061 Milliarden Euro. Damit bleibt BASF nach eigenen Angaben im Branchenvergleich führend. Dennoch zeigt der Blick zurück: 2022 investierte der Konzern noch 2,298 Milliarden Euro in neue Entwicklungen. Für 2025 ist ein ähnliches Forschungsbudget wie im laufenden Jahr vorgesehen.
Weniger Personal in Ludwigshafen
Trotz stabiler globaler Forscherzahlen schrumpft das Team am größten Forschungsstandort. In Ludwigshafen waren Ende 2024 noch 3941 Fachkräfte in Forschung und Entwicklung tätig – ein Rückgang gegenüber 4029 im Jahr zuvor. 2022 lag die Zahl bei 4229, 2018 sogar bei 4434 Beschäftigten.
Dieser Personalabbau ist kein Einzelfall, sondern Teil eines umfassenderen Transformationsprozesses. Die BASF verfolgt nach eigenen Angaben einen disziplinierten Umgang mit Kapital. Dieser Kurs ist seit der Präsentation der neuen Konzernstrategie im September 2024 fest verankert.
BASF zieht sich aus Nordlicht zurück
Ein zentrales Element dieser Strategie ist der Rückzug aus dem Windparkprojekt Nordlicht in der Nordsee. Der Chemiekonzern hat seinen 49-prozentigen Anteil an den Anlagen Nordlicht 1 und 2 an Vattenfall zurückverkauft. Dennoch bleibt die Partnerschaft mit dem schwedischen Energiekonzern bestehen. BASF sichert sich weiterhin langfristige Stromlieferungen aus erneuerbaren Quellen für ihre Produktionsstandorte in Europa.
Die Anlagen entstehen ohne staatliche Förderung und verfügen über eine kombinierte Leistung von 1,6 Gigawatt. Die vollständige Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Der erwartete Stromertrag beläuft sich auf rund sechs Terawattstunden pro Jahr – genug für 1,6 Millionen Haushalte. Ein Teil des erzeugten Stroms war ursprünglich für die Werke in Ludwigshafen vorgesehen.
Nachhaltigkeit im Fokus trotz Rückzug
Der Verkauf bedeutet keinen Ausstieg aus der Windenergie insgesamt. Die Beteiligung am niederländischen Offshore-Windpark Hollandse Kust Zuid bleibt bestehen. Der Rückzug aus Nordlicht steht somit für eine strategische Schwerpunktsetzung, nicht für einen Kurswechsel in Sachen Nachhaltigkeit.
Im Jahr 2024 stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch der BASF auf 26 Prozent – nach 20 Prozent im Vorjahr. Der Konzern betont, an seinen CO₂-Reduktionszielen festzuhalten und weiterhin in klimafreundliche Technologien zu investieren. Dabei rücken innovative Produkte und patentrelevante Entwicklungen stärker in den Fokus als Beteiligungen an Großprojekten.
Konzentration auf das Kerngeschäft
Die neue Strategie der BASF zielt auf Effizienz und technologische Führerschaft. Der Fokus liegt klar auf Forschung, neuen Materialien und optimierten Produktionsprozessen. Der Rückzug aus dem Windpark Nordlicht unterstreicht diese Haltung: Investitionen sollen gezielter erfolgen, der Kapitalbedarf besser kontrolliert werden.
Gleichzeitig bleibt das Unternehmen dem Ziel verpflichtet, einen bedeutenden Teil seines Energiebedarfs durch erneuerbare Quellen zu decken. Die Forschung – wenn auch personell reduziert – spielt dabei eine Schlüsselrolle für die kommenden Jahre.
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