Nestlé schließt Thomy-Werk in Neuss: Produktion endet nach mehr als 100 Jahren

Nestlé hat die Produktion im Thomy-Werk im Neusser Hafen am 9. Juni 2026 beendet. Zuletzt lief dort Remoulade vom Band, bevor die Stilllegung des Standorts begann. Der Konzern nennt hohe Kosten, sinkende Mengen und freie Kapazitäten als Gründe. Rund 145 Beschäftigte verlieren deshalb ihren bisherigen Arbeitsplatz. Große Teile der Fertigung wechseln nach Lüdinghausen oder in andere europäische Werke.


Nestlé verlagert den größten Produktionsbereich nach Lüdinghausen

Die Produktion von Senf und Mayonnaise in Tuben zieht nach Lüdinghausen im Münsterland um. Dieser Bereich umfasste rund 90 Prozent des bisherigen Volumens in Neuss. Der Konzern investiert deshalb etwa 13 Millionen Euro in eine neue Abfülllinie. Außerdem soll das bestehende Werk in Lüdinghausen technisch modernisiert werden.

Nestlé beendet nach mehr als 100 Jahren die Thomy-Produktion in Neuss. Rund 145 Beschäftigte verlieren ihren bisherigen Arbeitsplatz
Nestlé beendet nach mehr als 100 Jahren die Thomy-Produktion in Neuss. Rund 145 Beschäftigte verlieren ihren bisherigen Arbeitsplatz
Bild: Shutterstock

Am neuen Standort entstehen 30 zusätzliche Stellen für Beschäftigte aus Neuss. Ein vollständiger Ausgleich für die wegfallenden Arbeitsplätze ist das jedoch nicht. Produkte in Gläsern und Kunststoffflaschen sollen künftig im europäischen Ausland entstehen. Für das Thomy-Speiseöl suchte das Unternehmen zudem eine externe Fertigungslösung.

Sozialplan soll Folgen für 145 Beschäftigte begrenzen

Unternehmen und Betriebsrat vereinbarten bereits im Mai 2025 einen Sozialplan. Er umfasst Abfindungen, Vorruhestandsmodelle und Regelungen für Beschäftigte kurz vor dem Rentenalter. Außerdem richtet der Konzern eine Transfergesellschaft ein. Sie soll bei Qualifizierung und Arbeitssuche helfen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisierte die Entscheidung jedoch deutlich. Sie verwies auf fehlende Investitionen und frühere Managemententscheidungen am Standort. Nestlé begründet die Neuordnung dagegen mit der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit seiner deutschen Werke. Die Schließungspläne waren seit März 2025 öffentlich bekannt.


Thomy bleibt im Handel, doch Neuss verliert Industriearbeitsplätze

Die Marke Thomy verschwindet trotz der Werksschließung nicht aus den Regalen. Nach Unternehmensangaben sollen weiterhin etwa 80 Prozent der Produkte aus deutschen Werken stammen. Dennoch endet in Neuss eine mehr als hundertjährige Produktionsgeschichte. Über Jahrzehnte entstanden dort Senf, Mayonnaise, Remoulade und Speiseöl.

Das Werksgelände im Neusser Hafen soll nun verkauft werden. Gespräche mit mehreren Interessenten laufen, doch eine konkrete Nachnutzung steht noch nicht fest. Für Neuss zählt deshalb vor allem die Zahl neuer und dauerhafter Arbeitsplätze. Bis zu einer Ansiedlung verliert die Stadt jedoch industrielle Wertschöpfung und eingespielte Zulieferbeziehungen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: News 89.4 (12.06.26)Neuss-Grevenbricher Zeitung (11.06.26)IHK Nord Westfalen (Stand: 17.06.26)Nestlé (20.03.26)

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