Oettinger-Brauerei verlagert Auslandsgeschäft in die Schweiz

Die Oettinger-Gruppe aus Oettingen in Bayern treibt seit 2023 einen tiefen Konzernumbau voran und richtet ihr Auslandsgeschäft über eine neue Gesellschaft im Schweizer Kanton Zug aus. Auslöser sind der harte Einbruch des Biermarkts, der sinkende Absatz in Deutschland und das Ziel, bis 2026 einen deutlich größeren Teil des Umsatzes im Ausland zu erzielen. Brisant ist dabei vor allem die steuerliche Konstruktion, denn interne Planungen nennen ausdrücklich die Nutzung niedrigerer Steuerquoten über Auslandsgesellschaften. Zugleich wächst die Sorge an den deutschen Standorten, weil die neue Struktur Einfluss, Wertschöpfung und Entscheidungen aus Deutschland abziehen könnte. Betroffen sind deshalb nicht nur die Belegschaft und die Betriebsräte, sondern auch der Standort Deutschland als Steuer- und Produktionsbasis eines der größten deutschen Billigbier-Hersteller (bild: 05.04.26).


Schweiz wird zum Drehpunkt des Auslandsgeschäfts

Im Zentrum des Umbaus steht die Oe International AG in Zug. Diese Gesellschaft existiert seit April 2024 und arbeitet formal getrennt von der Oettinger Brauerei GmbH. Sie soll jedoch das internationale Geschäft mit Oettinger-Produkten steuern und damit eine Schlüsselrolle im künftigen Wachstum übernehmen.

Die Oettinger-Brauerei bündelt ihr Auslandsgeschäft in der Schweiz. Das betrifft Standorte, Steuern und Einfluss in Deutschland
Die Oettinger-Brauerei bündelt ihr Auslandsgeschäft in der Schweiz. Das betrifft Standorte, Steuern und Einfluss in Deutschland

Die Eigentümerfamilie Kollmar treibt diesen Kurs offenbar konsequent voran. Pia Kollmar hält die neue Struktur zusammen mit ihren Töchtern über eine deutsche Holding. Zugleich erhielt die Schweiz-Gesellschaft personell mehr Gewicht, weil erfahrene Manager dort Aufgaben im internationalen Vertrieb und in der strategischen Ausrichtung übernehmen sollten.

Sinkender Bierabsatz erhöht den Druck auf das Unternehmen

Der Zeitpunkt für den Umbau kommt nicht zufällig. 2025 brach der Bierabsatz in Deutschland um sechs Prozent ein und markierte damit den stärksten Rückgang seit Beginn der Statistik. Deshalb sucht Oettinger neue Märkte, neue Erlösquellen und bessere Margen außerhalb des schrumpfenden Heimatmarkts.

Der Plan reicht deutlich weiter als klassischer Export. Bis 2026 soll rund die Hälfte des Umsatzes im Ausland entstehen. Dabei setzt das Unternehmen nicht nur auf Bier, sondern zugleich auf ein breiteres Getränkesortiment, eigene Marken und neue Repräsentanzen in wichtigen Märkten wie China.

Steuerquote, Machtverschiebung und Konflikte im Inland

Besonders heikel ist der steuerliche Teil der Neuordnung. Interne Unterlagen beschreiben als Ziel die „Nutzung von Unterschieden in der Steuerquote durch Einbeziehung von Auslandsgesellschaften“. Während in Deutschland hohe Unternehmenssteuern anfallen, gilt der Kanton Zug seit Jahren als attraktiver Standort für internationale Holdings und Vertriebsfirmen.

Für die deutschen Standorte ist jedoch nicht nur die Steuerfrage riskant. Nach internen Planungen sollte der Umbau auch die Mitbestimmung vereinfachen und Beschränkungen bei der Unternehmensführung verringern. Das bedeutete aus Sicht der Belegschaft weniger Einfluss für Betriebsräte, während die Eigentümerfamilie zugleich mehr Spielraum bei strategischen Entscheidungen erhalten würde.


Deutsche Werke bleiben wichtig, aber das Gewicht verschiebt sich

Eine komplette Verlagerung der Bierproduktion ins Ausland ist bislang nicht belegt. Bekannte Produktionsverlagerungen betreffen vor allem deutsche Standorte, weil Oettinger das Werk in Braunschweig schließt und Mengen nach Oettingen und Mönchengladbach verschiebt. Dennoch verändert die neue Schweiz-Struktur das Machtzentrum, weil Vertrieb, Wachstum und mögliche Gewinnanteile stärker außerhalb Deutschlands organisiert werden.

Damit bekommt der Konzernumbau eine neue Qualität. Oettinger bleibt zwar als Brauerei in Deutschland verankert, verlagert jedoch den strategischen Hebel für das Auslandsgeschäft in die Schweiz. Für Mitarbeiter, Standorte und den Fiskus ist das ein Warnsignal, weil nicht nur Absatzmärkte wandern, sondern zugleich Einfluss, Steuerbasis und künftige Wachstumschancen.

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