Kosten-Eskalation beim CO2-Preis: Industrie fordert Stopp weiterer Erhöhungen

Berlin und Brüssel – Mehr als drei Dutzend Industriekonzerne verlangen ein Ende der Kosten-Eskalation im EU-Emissionshandel. Ihr Schreiben vom 16. Juni 2026 richtet sich an die Spitze des Europäischen Rates. Zu den Unterzeichnern zählen BASF, Covestro, Evonik, Thyssenkrupp, ArcelorMittal, BP, Ineos und Trimet. Die Unternehmen fordern keinen vollständigen Ausstieg aus dem Emissionshandel. Sie wollen aber verhindern, dass die CO2-Kosten durch sinkende Menge an Zertifikaten weiter steigen. Andernfalls erwarten sie Produktionsverlagerungen, geringere Investitionen und weitere Belastungen für industrielle Standorte in Europa.


Industriekonzerne wollen Kosten-Eskalation im Emissionshandel stoppen

Der EU-Emissionshandel verpflichtet Industrieunternehmen zum Erwerb von Zertifikaten für ihren CO2-Ausstoß. Die EU verringert deren Gesamtmenge regelmäßig, damit die Emissionen sinken. Eine knappere Menge kann jedoch den Preis erhöhen. Derzeit kostet ein Zertifikat in der EU rund 80 Euro je Tonne CO2. Im chinesischen Emissionshandel liegt der Preis dagegen bei ungefähr zehn Euro.

Europas Industrie warnt vor einer Kosten-Eskalation: Steigen die CO2-Preise weiter, drohen Produktionsverlagerungen und Investitionsstopps
Europas Industrie warnt vor einer Kosten-Eskalation: Steigen die CO2-Preise weiter, drohen Produktionsverlagerungen und Investitionsstopps
Bild: Shutterstock

Die Industriekonzerne sehen darin einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. Europäische Hersteller konkurrieren schließlich mit Anbietern aus Staaten ohne vergleichbare CO2-Kosten. Zugleich lassen sich höhere Belastungen bei weltweit gehandeltem Stahl, Aluminium oder chemischen Grundstoffen kaum vollständig weitergeben. Die Unterzeichner verlangen deshalb unverzügliche Maßnahmen gegen einen weiteren Anstieg. Der Brief nennt dabei ausdrücklich den Schutz der industriellen Basis Europas.

Steigende CO2-Preise treffen auf fehlende Technik

Die Forderung richtet sich vor allem gegen die erwartete Kosten-Eskalation durch die weitere Verknappung der Zertifikate. ArcelorMittal-Verwaltungsratschef Lakshmi Mittal verlangt eine Stabilisierung der Belastung auf dem heutigen Niveau. Dieser Zustand soll gelten, bis wirtschaftlich tragfähige Alternativen verfügbar sind. Das Unternehmen warnt außerdem vor deutlich höheren Stahlkosten bei weiter steigenden CO2-Preisen.

Viele Industrieanlagen können ihre Emissionen derzeit nur mit hohen Investitionen senken. Stahlhersteller benötigen etwa große Mengen günstigen Wasserstoffs und Stroms. Zement- und Kalkwerke brauchen außerdem Leitungen und Speicher für abgeschiedenes Kohlendioxid. Diese Infrastruktur fehlt jedoch an zahlreichen Standorten. Deshalb können Unternehmen höhere Zertifikatspreise nicht überall durch einen schnellen Technologiewechsel vermeiden.

Grenzausgleich löst nicht alle Wettbewerbsprobleme

Der europäische CO2-Grenzausgleich CBAM soll Importe aus Staaten mit niedrigeren Klimakosten verteuern. Er erfasst zunächst unter anderem Stahl, Aluminium, Zement, Dünger und Wasserstoff. Parallel dazu reduziert die EU jedoch die kostenlosen Zertifikate für europäische Hersteller. Die betroffenen Zuteilungen sollen nach geltender Planung bis 2034 schrittweise auslaufen. Die Industrie sieht darin eine weitere Kosten-Eskalation, falls CBAM die Belastung nicht vollständig ausgleicht.

Der Grenzausgleich schützt europäische Unternehmen zudem nicht bei Exporten in Drittstaaten. Dort konkurrieren sie weiterhin mit Herstellern, die wesentlich geringere CO₂-Kosten tragen. CBAM erfasst außerdem bislang nur bestimmte Grundstoffe. Deshalb erwägt die EU eine Ausweitung auf stärker verarbeitete Stahl- und Aluminiumprodukte. Eine abschließende Entscheidung darüber steht jedoch noch aus.


EU hat keinen Preisstopp beschlossen

Die EU-Kommission bereitet für Juli 2026 einen Vorschlag zur Überarbeitung des Emissionshandels vor. Einen Preisstopp hat sie jedoch weder beschlossen noch offiziell angekündigt. Die Prüfung umfasst unter anderem die Marktstabilitätsreserve, kostenlose Zuteilungen und den Schutz vor Produktionsverlagerungen. Das Europäische Parlament verweist außerdem auf mögliche Änderungen für die Zeit nach 2030. Der Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens bleibt offen.

Innerhalb der Wirtschaft gibt es zugleich Widerstand gegen eine politische Begrenzung des CO₂-Preises. Bereits modernisierte Unternehmen fürchten Nachteile gegenüber Konkurrenten mit höheren Emissionen. Investoren warnen außerdem vor häufigen Eingriffen in langfristige Regeln. Die EU muss deshalb zwischen Standortschutz und verlässlichen Investitionsbedingungen abwägen. Der aktuelle Vorstoß zeigt jedoch, dass der Widerstand energieintensiver Industriezweige gegen weiter steigende CO₂-Kosten deutlich zunimmt.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Financial Times (17.06.26)Handelsblatt (17.06.26)Zeit (17.06.26)Reuters (12.06.26)Reuters (10.06.26)

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