Rückzug aus der Windkraft: Shell verkauft Windpark-Portfolio für über eine Milliarde Dollar

Shell bereitet einen weiteren Rückzug aus der Offshore-Windkraft vor. Der Energiekonzern will Beteiligungen an Windparks für mehr als eine Milliarde Dollar verkaufen. Die Transaktion soll laut Bloomberg voraussichtlich 2027 starten. Der Energiekonzern hat demnach Rothschild und PJT Partners als Berater verpflichtet. Shell bestätigte den Bericht jedoch bislang nicht. Unklar bleibt außerdem, wie viele Windparks das Verkaufspaket umfasst. Hohe Finanzierungskosten, gestiegene Projektpreise und schwache Renditen belasten das Geschäft. Deshalb richtet Shell mehr Kapital auf LNG, Öl, Gas und Energiehandel aus.


Rückzug aus Windkraftprojekten läuft seit Jahren

Der geplante Verkauf setzt eine längere Serie von Projektabgaben fort. Shell trennte sich seit 2024 bereits von Beteiligungen an mindestens fünf größeren Offshore-Vorhaben. Diese Projekte gehören jedoch nicht automatisch zum jetzt gemeldeten Verkaufspaket. Die genaue Zahl der angebotenen Windparks lässt sich deshalb derzeit nicht nennen.

Shell verschärft den Rückzug aus Offshore-Windkraft. Fünf Projektabgaben sind bekannt, weitere Anlagen sollen 2027 verkauft werden
Shell verschärft den Rückzug aus Offshore-Windkraft. Fünf Projektabgaben sind bekannt, weitere Anlagen sollen 2027 verkauft werden
Bild: Shutterstock

Zu den bekannten Abgängen zählt SouthCoast Wind vor der Küste von Massachusetts. Shell verkaufte seinen Anteil von 50 Prozent im März 2024 an Ocean Winds. Das geplante Projekt sollte rund 2.400 Megawatt leisten. Außerdem gab Shell seine Beteiligung am südkoreanischen Projekt MunmuBaram an Hexicon ab. Shell hielt dort zuvor 80 Prozent. Das Vorhaben war als schwimmender Offshore-Windpark geplant.

Atlantic Shores verursachte hohe Abschreibungen

Besonders teuer entwickelte sich Atlantic Shores vor der Küste des US-Bundesstaates New Jersey. Shell verbuchte Anfang 2025 eine Abschreibung von rund einer Milliarde Dollar. Das Vorhaben erfüllte jedoch nach Angaben des Konzerns die internen Rendite- und Strategievorgaben nicht. Shell übertrug seinen Anteil später an den bisherigen Partner EDF. Der Rückzug verringerte damit das finanzielle Engagement im amerikanischen Offshore-Markt erheblich.

Auch in Schottland beendete der Energiekonzern seine Beteiligung an zwei großen Projekten. ScottishPower übernahm Ende 2025 den Shell-Anteil am schwimmenden Windpark MarramWind. Das Projekt könnte bis zu drei Gigawatt Leistung erreichen. Shell gab außerdem die Rechte für CampionWind an Crown Estate Scotland zurück. Dieses Vorhaben war mit bis zu zwei Gigawatt geplant, während seine weitere Nutzung offenbleibt.


Shell verlagert Kapital in LNG und Förderung

Shell-Chef Wael Sawan verlangt höhere Renditen und eine strengere Kapitaldisziplin. Deshalb konzentriert sich der Konzern stärker auf Flüssigerdgas und die Förderung von Öl und Gas. Shell will seine LNG-Verkäufe bis 2030 jährlich um vier bis fünf Prozent steigern. Außerdem soll das Upstream-Geschäft im gleichen Zeitraum durchschnittlich um ein Prozent pro Jahr wachsen. Der Verkauf von Windparkbeteiligungen schafft dafür zusätzliches Kapital.

Der Rückzug von des Energiekonzerns bedeutet jedoch nicht zwangsläufig das Ende aller betroffenen Windparks. Energieversorger, Projektentwickler oder Infrastrukturfonds können die Beteiligungen übernehmen. MarramWind wird beispielsweise unter alleiniger Führung von ScottishPower weiterentwickelt. Dennoch verliert die Offshore-Windbranche mit Shell einen finanzstarken Investor. Andere Unternehmen müssen deshalb größere Kapitalanteile tragen oder neue Partner suchen. Für künftige Projekte dürften stabile Vergütungen und belastbare Finanzierungsmodelle entscheidend bleiben.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: tkp (18.06.26)Bloomberg (12.06.26)Reuters (12.06.26)Electrec (12.06.26)Benzinga (15.06.26)

Lesen Sie auch:

Nach oben scrollen