Brüssel legt neuen CO2-Preis fest – EU treibt Importkosten mitten in der Krise nach oben

Mitten in der angespannten Lage rund um den Iran-Krieg hat die EU-Kommission in Brüssel den ersten festen CO2-Preis für ihren neuen Grenzzoll festgelegt und damit ein zusätzliches Kostenrisiko für Importeure, Industrie und Landwirtschaft geschaffen. Für das erste Quartal liegt der Referenzwert bei 75,36 Euro je Zertifikat des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM. Betroffen sind Einfuhren von Stahl, Aluminium, Zement und Düngemitteln. Die Gebühren gelten für Importe ab Januar 2026, während die nötigen Zertifikate erst 2027 gekauft werden müssen. Der kritische Punkt liegt jedoch im Zeitpunkt dieser Entscheidung, denn Lieferprobleme und steigende Kosten belasten die Märkte durch den Iran-Krieg bereits massiv. Die Hauptfolge ist deshalb klar: Unternehmen müssen neue Zusatzkosten einplanen, Bauern geraten weiter unter Preisdruck und die Abhängigkeit Europas von empfindlichen Lieferketten bleibt bestehen (taxation-customs 07.04.26).


CO2-Preis trifft Europa in einer Phase maximaler Anspannung

Mit dem nun festgelegten Wert wird das Klimainstrument der EU erstmals konkret beziffert. Für Unternehmen ist das zwar eine Rechengröße, zugleich ist es ein Warnsignal. Wer auf Vorprodukte aus dem Ausland angewiesen ist, muss sich auf spürbar höhere Importkosten einstellen. Gerade in einer ohnehin nervösen Marktlage wirkt dieser Schritt deshalb nicht stabilisierend, sondern belastend.

Brüssel erhöht mitten in der Iran-Krise den CO2-Preis und belastet Importeure, Bauern und Industrie in Europa noch mehr
Brüssel erhöht mitten in der Iran-Krise den CO2-Preis und belastet Importeure, Bauern und Industrie in Europa noch mehr

Die EU will mit dem Grenzzoll gleiche Bedingungen für europäische Hersteller schaffen. Das klingt auf dem Papier logisch, trifft in der Praxis jedoch einen Markt, der bereits unter Druck steht. Wenn Energie teuer bleibt und Lieferketten wackeln, dann verschärft ein zusätzlicher Kostenblock die Lage. Genau deshalb fällt der CO2-Preis in einen denkbar ungünstigen Moment. Aus einem Klimainstrument wird so mitten in der Krise ein weiterer Preistreiber für Teile der Wirtschaft.

Streit um Düngemittel zeigt die Sprengkraft der Entscheidung

Besonders brisant ist die Lage bei Düngemitteln, denn hier treffen Landwirtschaft, Versorgungssicherheit und Industriepolitik direkt aufeinander. Frankreich, Italien und Kroatien wollten die Abgabe auf importierte Düngemittel aussetzen, um Bauern zu entlasten. Die Kommission lehnte das jedoch ab. Damit nimmt Brüssel in Kauf, dass ein zentraler Bereich der Lebensmittelproduktion mit weiter hohen Kosten arbeiten muss.

Die Begründung der EU lautet, eine Ausnahme könne Europas Abhängigkeit von Importen weiter erhöhen. Das verweist zwar auf ein echtes Risiko, löst das akute Problem aber nicht. Wenn Dünger teurer wird, steigen zugleich die Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe. Diese Kosten können später auch bei den Verbrauchern ankommen. Der CO2-Preis trifft damit nicht nur Importeure, sondern mittelbar die gesamte Versorgungskette.


Brüssel setzt auf langfristige Ziele und verschärft den Druck sofort

Das CBAM-System befindet sich seit Jahresanfang in seiner endgültigen Phase. Die mehrjährige Übergangszeit mit reinen Berichtspflichten lief Ende 2025 aus. In diesem Jahr will die Kommission vier Quartalspreise veröffentlichen, während ab 2027 wöchentliche Bekanntgaben folgen sollen. Das zeigt, wie ernst Brüssel das System nun durchzieht. Für betroffene Branchen heißt das jedoch, dass aus regulatorischer Unsicherheit sehr schnell reale Belastung wird.

Am 13. April will die Kommission zwar mit der Industrie über Hilfen für die europäische Düngemittelproduktion beraten. Das zeigt Handlungsbedarf, kommt für viele Betriebe aber zu spät. Brüssel verteuert Importe sofort, während Entlastung und Produktionsaufbau erst noch diskutiert werden. Diese Reihenfolge verschärft den politischen Konflikt zusätzlich. Der Preis für das zweite Quartal soll am 6. Juli folgen, und deshalb dürfte der Streit über die Folgen des Systems rasch weiter eskalieren.

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