Washington/Essen, August 2026. RWE beendet sein Geschäft mit US-Offshore-Wind und gibt drei Pachtflächen vor New York, Kalifornien und Louisiana zurück. Dafür erhält der Essener Energiekonzern 1,22 Milliarden Dollar vom US-Innenministerium. Die Flächen hätten Projekte mit rund sieben Gigawatt Leistung ermöglicht. RWE sah jedoch unter der Regierung von Präsident Donald Trump keine realistische Aussicht mehr auf Genehmigungen. Der Konzern hatte seine Arbeiten bereits 2025 gestoppt und beendet nun auch seine rechtlichen Ansprüche gegen Washington. Stattdessen fließen neue Investitionen in ein LNG-Projekt sowie in Gasturbinen für geplante Kraftwerke.
RWE gibt drei Windflächen mit sieben Gigawatt Potenzial auf
Die drei Pachten standen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Deshalb wären entsprechende Windparks frühestens in den 2030er-Jahren ans Netz gegangen. Nach Angaben von Associated Press hätten sie zusammen rund sieben Gigawatt erreicht. Das entspräche rechnerisch dem Strombedarf von mehr als fünf Millionen US-Haushalten. RWE besitzt nach dem Vergleich keine Offshore-Windpacht mehr in den Vereinigten Staaten.

Bild: Shutterstock
Finanziell ist die Vereinbarung allerdings kein einfacher Milliardengewinn für RWE. Allein die Pacht im New York Bight kostete den Konzern 2022 rund 1,1 Milliarden Dollar. Für Kalifornien und Louisiana kamen weitere 163 Millionen Dollar hinzu. Damit lagen bereits die ursprünglichen Pachtpreise zusammen bei etwa 1,263 Milliarden Dollar. Außerdem investierte RWE nach eigenen Angaben zusätzliche Mittel in Entwicklung und Planung. Der Vergleich über 1,22 Milliarden Dollar liegt somit sogar leicht unter den ursprünglichen Kaufpreisen der drei Pachten.
US-Offshore-Wind weicht LNG und neuen Gaskraftwerken
Das Kapital bleibt jedoch größtenteils im amerikanischen Energiemarkt. RWE will 900 Millionen Dollar für eine indirekte Beteiligung von 16 Prozent an einem LNG-Projekt in Louisiana einsetzen. Die Vergleichsmittel sollen dort den Bau des Terminals finanzieren. Zusätzlich reservierte der Konzern für 300 Millionen Dollar Gasturbinen. RWE entwickelt außerdem eine Pipeline von 15 gasbetriebenen Spitzenlastkraftwerken in verschiedenen US-Märkten.
Damit verschiebt RWE seine Investitionen von langfristigen Offshore-Projekten zu Anlagen mit besseren politischen Realisierungschancen. Der Konzern verlässt die erneuerbaren Energien in den USA jedoch keineswegs vollständig. RWE Americas will dort innerhalb von sechs Jahren rund 17 Milliarden Euro investieren. Die installierte Erzeugungsleistung soll deshalb von derzeit etwa 13 auf 22 Gigawatt im Jahr 2031 steigen. Zum US-Portfolio gehören weiterhin Solarparks, Onshore-Windkraft und Batteriespeicher.
Trump-Regierung hat bereits zwölf Offshore-Pachten zurückgekauft
Der RWE-Deal ist inzwischen der fünfte Vergleich dieser Art im laufenden Jahr und zugleich der bisher größte. Vorher vereinbarte Washington Rückzahlungen von rund 2,7 Milliarden Dollar mit TotalEnergies, Ocean Winds, Invenergy und Duke Energy. Diese Unternehmen gaben zusammen neun Offshore-Pachten auf. Mit RWE steigt die Summe deshalb auf rund 3,9 Milliarden Dollar und zwölf aufgegebene Pachtverträge. US-Offshore-Wind verliert damit innerhalb weniger Monate einen erheblichen Teil seiner noch nicht gebauten Projektpipeline.
Washington begründet die Kursänderung mit Versorgungssicherheit, Kosten und einer stärkeren heimischen Energieproduktion. Innenminister Doug Burgum erklärte, die USA benötigten zuverlässige und bezahlbare Energie statt Technologien, die den aktuellen Bedarf nicht ausreichend deckten. Demokratische Politiker und mehrere Bundesstaaten widersprechen jedoch dieser Bewertung. Sie kritisieren insbesondere den Einsatz von Milliarden an Bundesmitteln für die Rückgabe bereits versteigerter Windflächen. Sieben Bundesstaaten klagen bereits gegen einen vergleichbaren Deal mit TotalEnergies, während Kalifornien rechtliche Schritte wegen einer weiteren aufgehobenen Offshore-Pacht angekündigt hat.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: RWE (06.08.26) – Reuters (06.08.26) – Associated Press (06.08.26)
Lesen Sie auch:
