BP stoppt offenbar zwei Offshore-Windparks – 4 Gigawatt in der Nordsee gefährdet

Hamburg/Nordsee, September 2026. BP hat die Arbeiten an zwei geplanten Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee offenbar weitgehend eingestellt. Oceanbeat East und Oceanbeat West sollen zusammen rund vier Gigawatt leisten und liegen etwa 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Das operative Projektteam wurde jedoch nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung weitgehend aufgelöst. Außerdem fehlen Bestellungen für Turbinen, Fundamente und Errichterschiffe. Das verantwortliche Gemeinschaftsunternehmen JERA Nex bp bestreitet allerdings eine endgültige Entscheidung gegen den Bau. Scheitern die Projekte, fehlen Deutschland vier Gigawatt eingeplanter Erzeugungsleistung, während milliardenschwere Netzanschlüsse bereits entstehen.

BP stoppt offenbar zwei Offshore-Windparks in der Nordsee. Vier Gigawatt fehlen – milliardenschwere Netzanschlüsse werden weitergebaut
Bild: Shutterstock

Offshore-Windparks brachten BP eine Milliardenverpflichtung

BP sicherte sich die beiden Flächen N-11.1 und N-12.2 bei der Offshore-Auktion im Jahr 2023. Dafür bot der Konzern insgesamt 6,78 Milliarden Euro. Allerdings hat das Unternehmen bislang nur einen kleinen Teil dieser Summe gezahlt. Rund 90 Prozent werden erst mit der Inbetriebnahme der Anlagen fällig.

Inzwischen liegen die Projekte bei JERA Nex bp, einem Gemeinschaftsunternehmen von BP und dem japanischen Energiekonzern JERA. Dennoch führt das Unternehmen Oceanbeat weiterhin offiziell als Projekt „in Entwicklung“. Die eigene Internetseite nennt eine mögliche Gesamtleistung von rund 4.000 Megawatt. Gleichzeitig erklärt JERA Nex bp, weiterhin verschiedene Optionen für die Projekte zu prüfen.


Netzanschlüsse entstehen trotz ungewisser Windparks

Besonders weit fortgeschritten ist dagegen die Netzanbindung. Tennet baut die vorgesehenen Anschlüsse weiter und kann die Arbeiten nach eigenen Angaben kaum noch stoppen. Die Kosten für die Infrastruktur liegen laut NDR-Recherche bei geschätzten 20 bis 30 Milliarden Euro. Deshalb fordert der Netzbetreiber frühere und verbindlichere Nachweise zur tatsächlichen Umsetzung geplanter Windparks.

Hinzu kommt die ausstehende Auktionszahlung von rund sechs Milliarden Euro. Dieses Geld ist teilweise für den Ausbau der Stromnetze vorgesehen. Fällt die Zahlung aus, könnte dies nach Einschätzung von Branchenvertretern auch die Netzentgelte beeinflussen. Außerdem rechnen Brancheninsider laut NDR mit zusätzlichen Großhandelskosten, falls die vier Gigawatt dauerhaft fehlen.


Regierung ändert Regeln für Offshore-Projekte

Die Bundesregierung hat Anfang September eine Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen. Sie soll unter anderem sicherstellen, dass vergebene Projekte künftig tatsächlich entstehen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begründete die Änderungen mit risikobehafteten Geboten im bisherigen System. Außerdem soll ein neues Ausschreibungsmodell wirtschaftliche Risiken besser verteilen.

Der Bundesverband Windenergie Offshore hatte bereits im Mai einen geregelten Rückgabemechanismus für Flächen gefordert. Damit sollen blockierte Offshore-Windparks schneller neu ausgeschrieben werden können. Der Verband warnte außerdem vor jahrelangen Verzögerungen bei Flächen und Netzkapazitäten. Nach geltendem Recht könnte der Bund JERA Nex bp die Projektrechte allerdings frühestens 2027 entziehen.

Für Deutschlands Ausbauplanung ist die Größenordnung erheblich. Vor den deutschen Küsten stehen derzeit Anlagen mit etwas mehr als zehn Gigawatt Leistung. Oceanbeat würde diese Kapazität um ungefähr vier Gigawatt erhöhen. Deshalb hätte ein endgültiges Scheitern der beiden Offshore-Windparks Folgen weit über die Projekte selbst hinaus. Deutschland plant bis 2045 mindestens 70 Gigawatt Offshore-Windleistung.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: BP stoppt offenbar Offshore-Projekte in der Nordsee – Wie der Rückzug eines Unternehmens die Energiewende verzögern könnte

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