In Babenhausen ist das geplante Rechenzentrum auf dem Aumovio-Werksgelände vorerst gescheitert. Der US-Investor Stack Infrastructure zog sich zurück, weil Aumovio den Ablauf als „langwierigen und unsicheren Prozess“ beschreibt. Damit verliert die Stadt eine mögliche Nachnutzung für das frühere Continental-Areal. Zugleich bleiben Streitpunkte zu Strom, Wasser, Abwärme, Geldforderungen und Beschäftigung offen.
Babenhausen verliert geplante Milliardeninvestition
Stack Infrastructure wollte auf dem früheren Continental-Gelände einen großen Rechenzentrums-Campus entwickeln. Außerdem war ein kleiner Bereich für weitere Gewerbeansiedlungen vorgesehen. Nach bisherigen Angaben hätte das Projekt bis zu drei Milliarden Euro Investitionsvolumen erreicht.

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Für Aumovio war die Nachnutzung jedoch besonders wichtig. Die Produktion bei Aumovio läuft Ende 2026 aus. Der Standort soll aber mit etwa 700 Beschäftigten als Entwicklungseinheit weiterbestehen. Deshalb sucht Aumovio nun einen neuen Investor und beantragt Aufstellungsbeschlüsse für Bebauungspläne.
Streit um Garantien, Strom und Abwärme
Bürgermeister Dominik Stadler sieht den Rückzug jedoch auch als Folge der Kommunalpolitik. Er verweist auf eine Forderung der CDU nach einem Garantieschein über 250 Millionen Euro. Außerdem sagt er, das „Verhalten politisch Verantwortlicher“ habe den Eindruck erzeugt, ein Rechenzentrum sei am Standort nicht erwünscht.
Die Mehrheit aus CDU und Freien Wählern wollte jedoch zuerst klare Bedingungen festlegen. In einem Eckpunktepapier ging es um Kühlung, Energieversorgung, erneuerbare Energien, Lärm, Abwärme und kommunale Infrastruktur. Außerdem verlangten die Fraktionen 500.000 Euro pro Jahr bis zur Inbetriebnahme und später 150.000 Euro je Megawatt installierter elektrischer Leistung. Bei bis zu 156 Megawatt hätte die Stadt rechnerisch 23,4 Millionen Euro pro Jahr erhalten.
Rechenzentren brauchen schnelle Verfahren
Der Fall zeigt jedoch ein größeres Problem in Hessen. Rechenzentren brauchen Fläche, Netzanschluss und sichere Genehmigungswege. Frankfurt/Rhein-Main bleibt zwar Europas starker Datenknoten, doch Stromkapazitäten und Flächen treiben neue Projekte stärker ins Umland.
Der Strombedarf wächst außerdem weiter. Bitkom bezifferte den Energiebedarf deutscher Rechenzentren 2025 auf 21,3 Milliarden Kilowattstunden. Anfang 2026 sollte die installierte Leistung erstmals 3.000 Megawatt überschreiten. Für Kommunen wird deshalb der Netzanschluss zur harten Standortfrage.
Warum der Rückzug über Babenhausen hinaus zählt
Für Babenhausen ist der Rückzug deshalb mehr als ein gescheiterter Grundstücksdeal. Die Stadt verliert zunächst mögliche Gewerbesteuer, neue Arbeitsplätze und eine Anschlussnutzung für Industrieflächen. Gleichzeitig bleibt die Kommune mit der Aufgabe zurück, Großinvestoren zu binden, ohne eigene Interessen aufzugeben.
Der nächste Investor wird jedoch dieselben Punkte prüfen. Er braucht belastbare Zusagen zu Netzanschluss, Wasser, Bauleitplanung und Abwärme. Wenn Babenhausen diese Fragen schneller klärt, bleibt das Aumovio-Areal für digitale Infrastruktur interessant.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Hessenschau (08.07.26) – DrWeb (09.07.26) – OP-Online (08.07.26) – Datacenter Insider (07.07.26)
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