In Hamburg-Neuenfelde endet am 30. Juni 2026 der Schiffbau auf dem Gelände der früheren Sietas-Werft. Die letzten 17 Schiffbauer verlassen den Standort, nachdem Insolvenzen, gescheiterte Rettungsversuche und blockierte Verkaufswege den Betrieb über Jahre geschwächt hatten. Die Werft gilt als ältester deutscher Schiffbaustandort, deshalb trifft das Ende Beschäftigte, Zulieferer und Hamburgs Industriegeschichte zugleich.
Warum die Werft in Hamburg keine Zukunft mehr hatte
Der Standort an der Estemündung reicht bis ins Jahr 1635 zurück. Über viele Generationen baute die Familie Sietas dort Schiffe für Handel, Behörden und Spezialaufgaben. Außerdem prägten Kräne, Hallen und Kaianlagen lange das Bild im Alten Land.

Bild: Dr. Karl-Heinz Hochhaus, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Die wirtschaftlichen Probleme verschärften sich nach der Finanzkrise. 2011 folgte die erste Insolvenz, danach übernahm die russische Pella-Gruppe den Kernbetrieb. Der Betrieb lief zwar weiter, jedoch blieb die finanzielle Basis instabil.
Zweite Insolvenz und blockierter Verkauf
Im Jahr 2021 rutschte die Pella Sietas GmbH erneut in die Insolvenz. Damals arbeiteten noch rund 320 Menschen auf dem Gelände. Verzögerte Projekte, Pandemie-Folgen und fehlende Finanzierung trafen den Schiffbauer deshalb hart.
Ein Verkauf an private Investoren scheiterte später an rechtlichen Hürden. Ein Grundpfandrecht der sanktionierten russischen Sberbank blockierte den üblichen Weg. Deshalb kam es zur Zwangsversteigerung des früheren Werftgeländes.
Hamburg kauft das Areal und plant neue Nutzung
Die Stadt Hamburg sicherte sich das rund 147.690 Quadratmeter große Areal im November 2025. Der Kaufpreis lag bei etwa 20 Millionen Euro. Außerdem übernahm Hamburg den denkmalgeschützten Jucho-Portalkran, der als sichtbares Zeichen der Industriegeschichte erhalten bleiben soll.
Künftig will die Stadt die Fläche gewerblich nutzen. Das Gelände soll im Erbbaurecht vergeben werden, während Hamburg Eigentümer bleibt. Außerdem braucht die Stadt Teile des Areals für Hochwasserschutz und neue Infrastruktur.
Für die letzten Arbeiter endet ein Berufsleben am Wasser
Für die verbliebenen 17 Schiffbauer bedeutet der 30. Juni das Ende ihres Arbeitsplatzes. Viele kennen den Standort seit Jahrzehnten. Deshalb endet für sie nicht nur ein Job, sondern auch ein Stück berufliche Identität.
Ältere Fachkräfte trifft der Einschnitt besonders hart. Ihr Spezialwissen stammt aus dem Schiffbau und passt nicht in jede Industriebranche. Außerdem verliert Hamburg mit dem Ende der Werft einen seltenen handwerklichen Kernbereich, der fast 400 Jahre lang zur Stadt gehörte.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Bild (16.06.26) – HafenNews Hamburg (15.06.26) – Abendblatt (23.05.26) – NDR (13.11.25)
Lesen Sie auch:
