Ungestörter CASTOR-Transport zeigt: Deutschland ist bereit für den Wiedereinstieg

Der letzte CASTOR-Transport mit hochradioaktiven Reststoffen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente erreichte am 17. Juni gegen 22.17 Uhr das Zwischenlager am Kernkraftwerk Brokdorf. Die sieben Behälter kamen laut NDR ohne Zwischenfälle an. Nur wenige Demonstranten begleiteten den Transport. Der zuständige Polizeichef Frank Matthiesen führte den ruhigen Verlauf auf ein verändertes gesellschaftliches Klima zurück. Für die Nuklearia zeigt die geringe Mobilisierung, dass organisierter Widerstand gegen einen Wiedereinstieg in die Kernkraft an Bedeutung verloren hat.


CASTOR erreicht früheres Zentrum der Anti-Atom-Bewegung

„Brokdorf war jahrzehntelang ein Symbolort der Anti-Atom-Bewegung. Jetzt kommt ausgerechnet dort der letzte Transport reibungslos an, ohne dass es eine nennenswerte Mobilisierung zu Protesten gibt. Kernkraft ist gesellschaftlich wieder vermittelbar. Damit gibt es keine Ausrede für die Politik mehr, den Wiedereinstieg in die Kernkraft aufzuschieben“, sagt Nuklearia-Vorstandsmitglied David Gramatzki. Er hatte sich am Vortag des Transports, dem 17. Juni, selbst ein Bild von der Lage in Brokdorf gemacht.

Der Polizeichef sieht bei CASTOR-Transport ein verändertes gesellschaftliches Klima. Nuklearia fordert eine neue Kernkraftdebatte
Der Polizeichef sieht bei CASTOR-Transport ein verändertes gesellschaftliches Klima. Nuklearia fordert eine neue Kernkraftdebatte
Bild: KaiMartin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

„Die Bevölkerung ist längst weiter als die Politik. Es ist an der Zeit, die Legalisierung der Kernkraft, die Reaktivierung stillgelegter Kraftwerke [1] und die Wiederaufnahme des Brennstoffrecyclings auf die Tagesordnung zu setzen“, so Gramatzki. Der ungestörte CASTOR steht damit in deutlichem Gegensatz zu früheren Transporten, die regelmäßig massive Proteste und umfangreiche Polizeieinsätze ausgelöst hatten.

Polizeichef sieht ein verändertes gesellschaftliches Klima

Auch die Polizei konstatiert ein völlig verändertes Bild. Frank Matthiesen, der für den Einsatz verantwortliche Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, erklärte gegenüber dem NDR zur entspannten Lage am Abend des Transports: „Ich glaube, dass sich insgesamt das gesellschaftliche Klima so verändert hat, dass es heute auch aus dem Grunde hier nicht zu Protesten gekommen ist.“

Umfragen stützen die Einschätzung einer veränderten Haltung zur Kernkraft. Eine YouGov/SINUS-Erhebung aus dem Frühjahr 2026 ergab, dass 53 Prozent der Befragten den deutschen Atomausstieg für falsch halten. Eine Verivox/Innofact-Umfrage aus dem Jahr 2025 kam auf 55 Prozent Zustimmung zu einem Wiedereinstieg in die Atomkraft.

Was sich in den sieben Transportbehältern befindet

In den massiven Transport- und Lagerbehältern vom Typ HAW28M befinden sich keine Brennelemente. Sie enthalten in Glaskokillen langzeitstabil gebundene hochradioaktive Reststoffe. Diese sind bei der früheren Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland angefallen. Verwertbare Kernbrennstoffe wurden dabei abgetrennt. Die verbleibenden Reststoffe wurden konzentriert und verglast.

Damit werden Ressourcen geschont und die zu entsorgenden Abfallmengen erheblich reduziert. Die sieben nach Brokdorf gebrachten Behälter enthalten alles, was nach dem Recycling von Brennstoffen für etwa 100 TWh Stromproduktion an hochradioaktiven Abfällen übrig bleibt. Diese Strommenge würde ausreichen, um den Hamburger Strombedarf für ein Jahrzehnt zu decken. Der CASTOR-Transport veranschaulicht damit aus Sicht der Nuklearia einen wesentlichen Vorteil der Kernenergie: große Strommengen bei vergleichsweise wenigen, konzentrierten Reststoffen.


Endlagerung bleibt zentrale Aufgabe

Die radioaktiven Reststoffe müssen dauerhaft in einem Endlager eingeschlossen werden. Für die Endlagerung bestehen nach Einschätzung der Vorsitzenden der Geschäftsführung der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung gute geologische Voraussetzungen. „Deutschland hat extrem gute geologische Formationen, um hochradioaktive Abfälle endzulagern. Die Schwierigkeit ist nicht, einen Standort zu finden, sondern wir haben die Qual der Wahl“, schätzte sie die Situation im Jahr 2025 ein.

Die Standortsuche und die spätere Erschließung eines Endlagers bleiben dennoch langfristige technische und politische Aufgaben. Die Nuklearia fordert ein beschleunigtes Verfahren zur Festlegung und Erschließung geeigneter Standorte.

Nuklearia fordert neue energiepolitische Debatte

Die Nuklearia verlangt eine energiepolitische Debatte ohne Tabus. Dazu gehören die technische Prüfung einer Reaktivierung geeigneter deutscher Kernkraftwerke und der grundsätzliche Wiedereinstieg in die Kernenergie.

Die gemeinnützige, industrie- und parteiunabhängige Nuklearia versteht Kernkraft als Grundlage einer sauberen und sicheren Energieversorgung. Der Verein will damit Klima und Natur schützen sowie Wirtschaft und Wohlstand sichern.

Die Organisation fordert zudem die Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen. Der ruhige Transport nach Brokdorf zeigt aus ihrer Sicht, dass gesellschaftlicher Widerstand einer neuen Debatte über Kernkraft, Reaktivierung und Brennstoffrecycling nicht mehr grundsätzlich entgegensteht.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Nuklearia (19.06.26)NDR (Stand 19.06.26)Tagesschau (18.06.26)Süddeutsche Zeitung (18.06.26)Deutschlandfunk (18.06.26)

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