Nach gut zweieinhalb Jahren: XXL-Windrad für zehn Millionen Euro wird wieder abgerissen

In Oberwiera im Landkreis Zwickau soll ab Juli 2026 ein fast neues XXL-Windrad für rund zehn Millionen Euro zurückgebaut werden, nachdem Anwohner über anhaltenden Lärm geklagt hatten. Der Betreiber zeigte den Rückbau am 16. Juni 2026 beim Umweltamt an, weil selbst ein Getriebewechsel keine ausreichende Lösung brachte. Die Anlage ging im Dezember 2023 ans Netz, galt als Sachsens größtes Windrad und verschwindet nun nach gut zweieinhalb Jahren wieder.


Vom Technikriesen zum Abrissfall: Warum das XXL-Windrad verschwinden soll

Die Anlage war nicht Deutschlands größtes Windrad, doch sie gehörte zu den größten Onshore-Anlagen im Land. In Sachsen nahm sie mit rund 250 Metern Gesamthöhe eine Sonderrolle ein. Außerdem erreichte sie 169 Meter Nabenhöhe und 162 Meter Rotordurchmesser.

Das XXL-Windrad in Oberwiera galt als Technikriese. Nach Lärmklagen soll die Zehn-Millionen-Anlage nach 30 Monaten wieder abgerissen werden
Das XXL-Windrad in Oberwiera galt als Technikriese. Nach Lärmklagen soll die Zehn-Millionen-Anlage nach 30 Monaten wieder abgerissen werden
Symbolbild: Shutterstock

Der Hersteller Vestas vermarktete die V162-Plattform als technische Weiterentwicklung für Standorte mit schwachem bis mittlerem Wind. Der große Rotor sollte hohe Stromerträge ermöglichen, während die Anlage mit sechs Megawatt Leistung rechnerisch bis zu 5000 Haushalte versorgen konnte. Genau dieser Anspruch macht den Rückbau deshalb politisch und technisch besonders brisant.

Lärmklagen treffen ein politisch gewünschtes Vorzeigeprojekt

Die Anlage besaß zwar eine Betriebserlaubnis, jedoch lief sie nach dpa-Angaben von Beginn an nur reduziert. Im vergangenen Jahr wechselte der Hersteller das Getriebe, doch der Eingriff brachte nur eine teilweise Verbesserung. Deshalb einigten sich Betreiber und Hersteller auf den Rückbau.

Die Landespolitik drängt seit Jahren auf mehr Windkraftflächen. Sachsen muss bis 2027 Flächen für 1,3 Prozent der Landesfläche ausweisen, außerdem steigt das Ziel bis 2032 auf 2,0 Prozent. Der Fall Oberwiera zeigt jedoch, dass politische Ausbauziele keine störungsfreie Technik garantieren.

Förderfragen bleiben nach dem Rückbau heikel

Wie viel direkte Subventionen für das konkrete Projekt geflossen sind, lässt sich aus öffentlichen Unterlagen nicht belastbar beziffern. Die Anlage konnte jedoch grundsätzlich über das EEG-System abgesicherte Erlöse erzielen, sofern sie Strom einspeiste und einen Zuschlag nutzte. Ein reduzierter Betrieb begrenzt deshalb auch mögliche Einnahmen aus der Stromproduktion.

Für Windenergie an Land lagen die Höchstwerte in Ausschreibungen 2023 bei bis zu 7,35 Cent je Kilowattstunde. Das bedeutet jedoch keinen automatischen Geldfluss in dieser Höhe. Entscheidend bleiben Zuschlag, Börsenstrompreis, Einspeisemenge und Marktprämie.


Rückbau bringt Spezialtransporte und neue Kostenfragen

Der Genehmigungsbescheid verlangte bereits eine Sicherheitsleistung für den Rückbau. 250.000 Euro mussten zugunsten des Landkreises Zwickau hinterlegt werden, jedoch sagt diese Summe nichts über die tatsächlichen Gesamtkosten. Entfernt werden müssen Turm, Gondel, Rotor, Fundamente, Leitungen, Kranflächen und Zuwegungen.

Auch die Logistik trifft die Region erneut. Die Rotorblätter sind rund 81 Meter lang, deshalb brauchen die Transporte Sonderfahrzeuge, Sperrungen und genaue Routenplanung. Für Oberwiera endet damit ein XXL-Windrad, während Sachsen weiter neue Windleistung sucht.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Focus (18.06.26)Welt (18.06.26)t-online (18.06.26)Sächsische Zeitung (19.06.26)

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