Sassnitz auf Rügen verliert ein geplantes Industrieprojekt im Umfang von 40 Millionen Euro. Der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu hat am 19. Oktober 2026 seinen Rückzug aus dem Hafen Mukran bestätigt. Ausschlaggebend sind fehlende Abnehmer für die bei der Produktion entstehende Abwärme. Ohne ausreichende Wärmeerlöse lässt sich die Anlage nach Unternehmensangaben nicht wirtschaftlich betreiben. Damit entfallen 25 geplante Arbeitsplätze, mögliche Gewerbesteuereinnahmen und ein langfristiger Industrieinvestor. Den bereits geschlossenen Mietvertrag mit dem Hafen haben beide Seiten aufgehoben.

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Fehlende Abnehmer für die anfallende Abwärme machen Industrieprojekt unwirtschaftlich
Outokumpu wollte jährlich rund 15.000 Tonnen Biokohlenstoff aus Abfallholz herstellen. Dafür sollte eine ehemalige Produktionshalle zur Betonummantelung von Nord-Stream-2-Rohren genutzt werden. Das Unternehmen plante ein thermisches Verfahren namens Pyrolyse. Dabei entsteht unter hohen Temperaturen Biokohlenstoff, der anschließend nach Finnland verschifft werden sollte. Dort wollte Outokumpu daraus Biokoks herstellen und konventionelle Kohle bei der Ferrochromproduktion teilweise ersetzen.
Die Wirtschaftlichkeit beruhte jedoch nicht allein auf dem Verkauf des Biokohlenstoffs. Vielmehr sollte die bei der Herstellung entstehende Abwärme zusätzliche Einnahmen erzielen. Diese Erlöse waren für die Finanzierung des benötigten Abfallholzes vorgesehen. Doch Sassnitz zählt nur rund 9.000 Einwohner und verfügt über einen entsprechend begrenzten Wärmebedarf. Die regional verfügbaren Abnehmer reichen nach den Berechnungen des Unternehmens nicht aus.
Millioneninvestition trotz fortgeschrittener Planung abgesagt
Bereits Ende 2024 hatte Outokumpu die Investition von rund 40 Millionen Euro angekündigt. Die Inbetriebnahme war ursprünglich für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen. Das Projekt befand sich damit längst in einer konkreten Planungsphase. Dennoch scheiterte die Ansiedlung letztlich an einem grundlegenden Bestandteil des Geschäftsmodells. Ohne ausreichende Wärmeabnahme kann das Unternehmen seine Produktionskosten nicht wie vorgesehen refinanzieren.
Der Rückzug zeigt zugleich ein grundsätzliches Problem industrieller Wärmekonzepte. Große Produktionsanlagen benötigen nicht nur Energie und geeignete Grundstücke, sondern auch passende Abnehmer für überschüssige Wärme. Dabei müssen Wärmemenge, Temperatur, Transportentfernung und Verbrauch zeitlich zusammenpassen. Eine kleine Kommune kann deshalb selbst große Wärmemengen nicht automatisch wirtschaftlich nutzen. Ohne zusätzliche industrielle Verbraucher oder ein ausreichend großes Wärmenetz bleiben solche Konzepte begrenzt.
Hafen Mukran verliert erhofften Dauermieter
Für den Hafen Sassnitz ist die Absage besonders schwerwiegend, weil das Industrieprojekt eine langfristige Nutzung bestehender Flächen ermöglichen sollte. Das Hafenareal umfasst etwa 400 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen. Bislang prägten neben dem Hafenbetrieb vielfach zeitlich begrenzte Großprojekte die industrielle Nutzung. Dazu gehörten Arbeiten für Nord Stream und die Produktion von Betonelementen für die Kopenhagener U-Bahn. Outokumpu hätte dagegen dauerhaft am Standort produzieren sollen.
Bürgermeister Leon Kräusche bedauert die Entscheidung nach der intensiven Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Auch das Land Mecklenburg-Vorpommern ist betroffen, denn es hält zehn Prozent der Anteile am Hafen. Die Landesregierung bewertet gescheiterte Ansiedlungspläne allerdings als normalen wirtschaftlichen Vorgang. Für Sassnitz bedeutet der Rückzug dennoch einen konkreten Verlust an Entwicklungsmöglichkeiten. Die erhofften Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen bleiben aus.
Neue Investoren benötigen tragfähiges Energiekonzept
Hafenchef Henry Forster will die Energieplanung künftig auf größere Teile Rügens ausweiten. Neben industrieller Abwärme sollen dabei auch Windenergie, Photovoltaik und Batteriespeicher berücksichtigt werden. Das Konzept soll deshalb über das unmittelbare Hafengelände hinausreichen. Nach Angaben der Hafenleitung bestehen bereits Kontakte zu weiteren potenziellen Investoren. Konkrete Unternehmen wurden bislang jedoch nicht genannt.
Die Absage von Outokumpu verdeutlicht, wie stark industrielle Investitionen von wirtschaftlich nutzbaren Energie- und Wärmestrukturen abhängen. Ein geeigneter Hafenstandort allein reicht dafür nicht aus. Entscheidend sind vielmehr belastbare Absatzmöglichkeiten und langfristig kalkulierbare Betriebskosten. Das gescheiterte Industrieprojekt hinterlässt deshalb mehr als eine ungenutzte Produktionsfläche. Sassnitz verliert eine konkrete Investitionszusage, während die Suche nach einem dauerhaft wirtschaftlichen Nutzungskonzept weitergeht.
Vrefasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Market Steel (21.10.26) – Berliner Zeitung (19.10.26) – Ostsee-Zeitung (19.10.26)
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