Ein Kommentar unsers Autors Klaus Bastian:
Die Energiewende sollte Deutschlands Stromversorgung sauberer und dauerhaft günstiger machen. Olaf Scholz erklärte 2023, weiterer Erneuerbaren-Ausbau drücke die Strompreise „dauerhaft und strukturell“. Robert Habeck versprach zudem eine „Zukunft mit niedrigen erneuerbaren Strompreisen und ohne Subventionen“. Drei Jahre später liegt Haushaltsstrom jedoch noch 16,4 Prozent über dem Niveau des ersten Halbjahres 2021. Gleichzeitig finanziert der Staat Netzzuschüsse, Reservekraftwerke und einen neuen Kapazitätsmarkt. Aus dem Preisversprechen ist damit ein kostspieliger Reparaturbetrieb geworden.

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Energiewende braucht wieder bezahlte gesicherte Leistung
Wind und Solar lieferten im ersten Halbjahr 2026 zusammen fast die Hälfte der heimischen Stromerzeugung. Dennoch reicht eine hohe Jahresproduktion nicht aus, wenn beide Quellen gleichzeitig schwach liefern. Deshalb schreibt der Staat jetzt Langzeitkapazitäten aus, die längere Dunkelflauten absichern sollen. Allein im September standen 4,5 Gigawatt reduzierte Leistung zur Ausschreibung.
Das ist mehr als eine technische Ergänzung der Energiewende. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnete Kraft-Wärme-Kopplung im September ausdrücklich als „unverzichtbaren Baustein“, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend liefern. Erfolgreiche Betreiber neuer Langzeitkapazitäten erhalten zudem über 15 Jahre eine Vergütung für ihre Bereitstellung. Der Staat schafft damit einen zusätzlichen Markt, weil ausreichende gesicherte Leistung im bisherigen Strommarkt nicht von selbst entsteht.
Wasserstoff stagniert, Batteriespeicher lösen nur Stunden
Wasserstoff sollte einen großen Teil der langfristigen Speicherung und später auch der Kraftwerksversorgung übernehmen. Doch Anfang 2026 waren laut EWI lediglich rund 180 Megawatt Elektrolyseleistung in Betrieb. Das Ausbauziel für 2030 liegt dagegen bei zehn Gigawatt. Außerdem hatten im Frühjahr mehr als drei Gigawatt geplanter Kapazität noch keine endgültige Investitionsentscheidung. Die geplante Netzentgeltreform könnte Wasserstoff zusätzlich verteuern.
Batteriespeicher lösen dagegen ein anderes Problem und können kurzfristige Preisspitzen glätten. Fraunhofer ISE simuliert deutliche Effekte bei 20 Gigawatt Batterieleistung und 40 Gigawattstunden Kapazität. Doch diese Konfiguration entspricht bei voller Leistung nur zwei Stunden Speicherdauer. Mehrtägige Dunkelflauten brauchen deshalb weiterhin andere Speicher, Langzeitkapazitäten oder steuerbare Kraftwerke. Ein weiterer Hoffnungsträger löst damit erneut nur einen Teil des ursprünglichen Problems.
Flexible Lasten werden zum nächsten Hoffnungsträger
Nun soll zusätzlich der Verbrauch der Erzeugung folgen. Industrieunternehmen sollen Produktion verschieben, während Elektroautos, Wärmepumpen und Speicher stärker auf Preissignale reagieren. McKinsey beziffert das industrielle Flexibilitätspotenzial zwar auf fünf bis sieben Gigawatt. Doch nur rund ein Drittel der befragten Unternehmen prüft entsprechende Lastverschiebungen aktiv. Gerade kontinuierliche Prozesse in Chemie, Stahl oder Papier, aber auch Rechenzentren lassen sich zudem nicht beliebig nach Wind und Sonne takten.
Während immer neue Stützen hinzukommen, bleibt die Rechnung beim Verbraucher hoch. Haushalte zahlten im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 37,97 Cent je Kilowattstunde. Damit lag der Preis noch 16,4 Prozent über dem ersten Halbjahr 2021. Der jüngste Rückgang entstand laut Destatis auch deshalb, weil der Bund die Netzentgelte bezuschusst. Gleichzeitig kostete das Netzengpassmanagement 2025 rund 3,08 Milliarden Euro. Davon entfielen 955 Millionen Euro allein auf die Vorhaltung von Reservekraftwerken. Die Energiewende hat das Versprechen billigen Stroms damit bislang nicht eingelöst. Stattdessen folgen Netzausbau, Reservekraftwerke, Wasserstoff, Batterien, Laststeuerung und Kapazitätsmarkt als immer neue Stützen. Der Verbraucher zahlt deshalb nicht nur für Stromerzeugung, sondern zunehmend auch für deren Absicherung und Integration.
Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Quellen: EWI (01.10.26) – Fraunhofer (01.10.26) – Destatis (30.09.26) – BMWE 821.09.26) – McKinsey (07.09.26)
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