Hohe Energiekosten zwingen Kahla-Porzellan nach 182 Jahren zur Schließung – 96 Jobs weg

Der traditionsreiche Porzellanhersteller Kahla in Thüringen stellt seine Produktion zum 31. Dezember 2026 endgültig ein. Insolvenzverwalter Rolf Rombach bestätigte am 7. Oktober das Scheitern der monatelangen Investorensuche. Ausschlaggebend sind die hohen Energiekosten, die eine wirtschaftliche Produktion am Standort verhindern. Allein für Gas musste das Unternehmen zuletzt monatlich zwischen 150.000 und 180.000 Euro bezahlen. Gleichzeitig belasteten sinkende Aufträge und eine schwache Nachfrage aus der Gastronomie den Betrieb. Damit verlieren die verbliebenen 96 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze. Nach 182 Jahren endet die industrielle Porzellanproduktion in Kahla.

Kahla-Porzellan gibt auf: Energiekosten von bis zu 180.000 Euro monatlich verhindern die Rettung. 96 Beschäftigte verlieren ihren Job
Kahla-Porzellan gibt auf: Energiekosten von bis zu 180.000 Euro monatlich verhindern die Rettung. 96 Beschäftigte verlieren ihren Job
Bild: Maryam Schindler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Energiekosten von bis zu 180.000 Euro monatlich machen Produktion unrentabel

Die Herstellung von Porzellan erfordert erhebliche Energiemengen, da die Brennöfen Temperaturen von weit über 1.000 Grad erreichen müssen. Besonders die Gasversorgung verursacht deshalb hohe laufende Kosten. Bei Kahla summierten sich die monatlichen Gasrechnungen zuletzt auf jährlich 1,8 bis 2,16 Millionen Euro. Diese Belastung konnte das Unternehmen jedoch nicht ausreichend über höhere Verkaufspreise ausgleichen. Die Produktion verlor damit ihre wirtschaftliche Grundlage.

Bereits Anfang 2023 geriet die Energieversorgung des Werks in eine kritische Situation. Damals hatten sich die Gaspreise für das Unternehmen versechsfacht, während kurzfristig ein neuer Lieferant gefunden werden musste. Ein Produktionsstopp ließ sich zunächst vermeiden. Die strukturellen Probleme blieben jedoch bestehen. Hohe Energiekosten trafen auf einen Markt, in dem Kunden zunehmend preisbewusst einkauften.


Investorensuche scheitert trotz Unterstützung der Landesregierung

Seit März 2026 führte Insolvenzverwalter Rombach Gespräche mit zahlreichen möglichen Investoren. Zuletzt verhandelte er intensiv mit Interessenten aus der Türkei. Allerdings legte keiner der potenziellen Käufer ein wirtschaftlich tragfähiges Übernahmekonzept vor. Die erwarteten Produktionskosten und die schwachen Geschäftsaussichten verhinderten deshalb eine Fortführung des Betriebs.

Auch die Thüringer Landesregierung versuchte, eine Lösung für das Unternehmen zu finden. Wirtschaftsministerium und Staatskanzlei begleiteten die Investorensuche, während sich Ministerpräsident Mario Voigt persönlich einschaltete. Dennoch gelang es nicht, einen neuen Eigentümer für den Produktionsstandort zu gewinnen. Ohne ausreichende Aufträge und wettbewerbsfähige Herstellungskosten fehlte die Grundlage für eine dauerhafte Rettung.

96 Beschäftigte verlieren mit der Werksschließung ihre Arbeitsplätze

Die Belegschaft erfuhr bereits Ende September auf einer Betriebsversammlung von der geplanten Schließung. Seitdem bereitet die Geschäftsführung das endgültige Produktionsende vor. Die verbliebenen Aufträge sollen zunächst abgearbeitet werden, während die Fertigung schrittweise zurückgeht. Die Kündigungen erfolgen deshalb nicht für alle 96 Beschäftigten gleichzeitig.

Nach Bekanntwerden der Schließung stieg die Nachfrage nach Kahla-Porzellan überraschend stark. Am 8. Oktober brach der Onlineshop zeitweise zusammen, weil zahlreiche Kunden noch Geschirr des Traditionsherstellers bestellen wollten. Außerdem gingen zusätzliche größere Bestellungen ein. Dieser kurzfristige Nachfrageanstieg änderte jedoch nichts an der Entscheidung zur Betriebsschließung. Der ursprünglich für den 7. November geplante Kahlaer Porzellanmarkt wurde ebenfalls abgesagt.


Zweite Insolvenz innerhalb von sechs Jahren beendet 182 Jahre Porzellantradition

Die Geschichte der Porzellanherstellung in Kahla reicht bis ins Jahr 1844 zurück. Während der DDR entwickelte sich der Standort zu einem bedeutenden Zentrum der Keramikindustrie. Das damalige Kombinat umfasste 17 Betriebe mit insgesamt rund 18.000 Beschäftigten. Nach der Wiedervereinigung folgten allerdings massive wirtschaftliche Veränderungen und eine Insolvenz. Im Jahr 1994 entstand die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH als Nachfolgeunternehmen.

Bereits im März 2020 musste Kahla erneut Insolvenz anmelden, nachdem ein Großprojekt gescheitert war. Rund sechs Monate später übernahm Geschäftsführer Daniel Jeschonowski das Unternehmen mit damals etwa 250 Beschäftigten. Im Februar 2026 folgte wegen rückläufiger Aufträge und hoher Energiekosten das nächste Insolvenzverfahren. Diesmal gelang jedoch keine Rettung mehr. Mit der Werksschließung verliert Thüringen einen weiteren traditionsreichen Industriestandort. Der Fall zeigt zugleich, wie energieintensive Hersteller trotz etablierter Marken an dauerhaft hohen Produktionskosten und fehlender Wettbewerbsfähigkeit scheitern.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: MDR (08.10.26) – Stil & Markt (08.10.26) – KPBInsO (08.10.26)

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