Die Stromtrasse SuedLink gerät bei Bad Friedrichshall erneut ins Stocken. TransnetBW stoppte Ende September die Arbeiten im dortigen Salzbergwerk wegen neuer geologischer Erkenntnisse. Deshalb muss der Netzbetreiber die geplante Kabelführung auf knapp 16 Kilometern überarbeiten. Das Problem trifft eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der deutschen Energiewende. Besonders kritisch ist der Zeitplan, denn die rund 700 Kilometer lange Nord-Süd-Verbindung sollte ursprünglich bereits 2022 in Betrieb gehen. Inzwischen gilt Ende 2028 als Ziel, während die Folgen des neuen Baustopps für Kosten und Termin noch offen sind.

Bild: KI-generiert
Stromtrasse SuedLink ist zentral für die Energiewende
SuedLink soll große Mengen Strom aus Norddeutschland nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren. Zwei Gleichstromverbindungen ermöglichen zusammen eine Übertragungsleistung von vier Gigawatt. Damit gehört das Projekt zu den wichtigsten Nord-Süd-Korridoren des deutschen Übertragungsnetzes. Außerdem lässt sich die geplante Transportfunktion erst vollständig nutzen, wenn die Verbindung durchgehend fertiggestellt ist.
Gerade deshalb wiegen die wiederholten Verzögerungen schwer. Das Energiewende-Monitoring Baden-Württemberg nennt 2022 als ursprünglich vorgesehenen Inbetriebnahmetermin. Später wanderte das Ziel zunächst auf 2026 und schließlich auf 2028. Damit liegt zwischen ursprünglicher Planung und aktuellem Termin inzwischen ein Zeitraum von sechs Jahren. Nun kommt ein weiteres technisches Problem hinzu.
Neuer Baustopp verschärft die Terminrisiken
Für die Stromtrasse SuedLink entsteht damit ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Bereits Planungsverfahren, Genehmigungen und Änderungen der Trassenführung hatten den Bau immer wieder verzögert. Zwar laufen viele Abschnitte inzwischen gleichzeitig im Bau, jedoch genügt ein kritischer Engpass, um den Gesamttermin zu gefährden.
Besonders anspruchsvoll ist der Abschnitt bei Bad Friedrichshall. Die Kabel sollen dort etwa 200 Meter tief durch ein Salzbergwerk verlaufen. Die Arbeiten begannen bereits 2023. Neue Erkenntnisse über den Untergrund passen nun jedoch nicht mehr zur bisherigen technischen Planung. TransnetBW entwickelt deshalb gemeinsam mit den Südwestdeutschen Salzwerken eine alternative Lösung.
Fehlende Nord-Süd-Leitungen verursachen hohe Kosten
Die Probleme treffen ein Stromsystem, das bereits heute mit erheblichen Netzengpässen kämpft. Allein 2025 verursachte das Netzengpassmanagement bundesweit Kosten von rund drei Milliarden Euro. Dazu gehören Redispatch, Reservekraftwerke und weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes. Diese Kosten entstehen nicht allein wegen SuedLink, zeigen aber die wirtschaftliche Bedeutung fehlender Transportkapazitäten.
Die Stromtrasse SuedLink soll genau solche Engpässe zwischen Nord und Süd reduzieren. Windstrom entsteht in großen Mengen im Norden, während wichtige Verbrauchszentren im Süden liegen. Fehlen ausreichende Leitungen, müssen Kraftwerke regional hoch- oder heruntergefahren werden. Gleichzeitig zahlen die Stromkunden die Kosten der notwendigen Netzeingriffe über die Netzentgelte mit.
Technisch aufwendige Lösungen erhöhen die Komplexität
SuedLink wird weitgehend als Erdkabel gebaut. Dadurch entstehen zahlreiche technisch anspruchsvolle Sonderlösungen. Dazu gehören der kilometerlange Elbtunnel und die Führung durch das Salzbergwerk bei Heilbronn. Solche Bauverfahren reduzieren zwar Eingriffe an der Oberfläche, erhöhen jedoch zugleich den technischen Aufwand.
Der aktuelle Baustopp zeigt deshalb ein grundsätzliches Problem der Energiewende-Infrastruktur. Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen lässt sich vergleichsweise schnell ausbauen. Neue Höchstspannungsleitungen benötigen dagegen häufig viele Jahre für Planung, Genehmigung und Bau. Dadurch wächst die Gefahr, dass Erzeugungsanlagen schneller entstehen als die erforderlichen Netze.
Von 2022 auf 2028 – und der Zeitplan bleibt unsicher
Für SuedLink ist die Entwicklung besonders deutlich. Eine ursprünglich für 2022 erwartete Infrastruktur soll nach heutiger Planung erst Ende 2028 vollständig verfügbar sein. Gleichzeitig bleiben nach dem neuen geologischen Problem weitere Verzögerungen möglich. Noch kann TransnetBW nicht beziffern, ob die Umplanung zusätzliche Monate oder höhere Kosten verursacht.
Damit wird aus einem lokalen Baustopp bei Heilbronn ein Problem mit bundesweiter Bedeutung. Die Energiewende benötigt leistungsfähige Nord-Süd-Leitungen, um wachsende Strommengen über große Entfernungen zu transportieren. Wenn zentrale Netzprojekte ihrer ursprünglichen Planung um Jahre hinterherlaufen, wächst die Abhängigkeit von teuren Eingriffen in den Netzbetrieb. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob SuedLink fertiggestellt wird, sondern wann.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: FAZ (28.09.26) – RND (28.09.26) – Deutschlandfunk (28.09.26)
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