USA kippen CO2-Regeln für Kohlekraftwerke – 310 Milliarden Dollar Entlastung laut EPA

Am 14. September 2026 hat die US-Umweltbehörde EPA in Houston zentrale CO2-Regeln für Kohle- und Gaskraftwerke aufgehoben. Betroffen sind vor allem die 2024 eingeführten Vorgaben für Kohlekraftwerke und neue stark ausgelastete Gaskraftwerke. Die EPA begründet den Schritt jedoch mit hohen Kosten, CCS-Anforderungen und ihrer neuen Auslegung des Clean Air Act. Zugleich schlägt sie vor, auch die verbliebenen Treibhausgasstandards für den Kraftwerkssektor zu streichen. Die Behörde beziffert die Entlastung durch die bereits endgültige Teilaufhebung auf 310 Milliarden Dollar. Umweltverbände kündigen dagegen Klagen an, während die USA mit stark wachsendem Strombedarf rechnen.

Kohlekraftwerke in den USA werden von zentralen CO2-Auflagen entlastet. Die EPA beziffert die Entlastung auf 310 Milliarden Dollar
Kohlekraftwerke in den USA werden von zentralen CO2-Auflagen entlastet. Die EPA beziffert die Entlastung auf 310 Milliarden Dollar
Bild: Shutterstock

Kohlekraftwerke verlieren die 90-Prozent-CCS-Vorgabe

Die Regel von 2024 setzte für langfristig laufende Kohleanlagen ab 2032 einen Standard auf Basis von 90 Prozent CO2-Abscheidung. Neue grundlastfähige Gasturbinen sollten dieselbe Abscheiderate erreichen. Die damalige EPA bewertete CCS als technisch nachgewiesen und kostenvertretbar. Die heutige Behörde kommt jedoch zum gegenteiligen Schluss und streicht diese Anforderungen.

Eine pauschale Stilllegung aller Kohlekraftwerke bis 2039 schrieb die frühere Regel dagegen nicht vor. Anlagen mit geplanter Stilllegung vor 2039 fielen in eine eigene Kategorie mit einer niedrigeren Vorgabe. Wer vor 2032 schließen wollte, unterlag diesen Regeln nicht. Deshalb greift die häufig verwendete Kurzformel „CCS oder Stilllegung bis 2039“ zu kurz.


EPA rechnet mit 310 Milliarden Dollar weniger Kosten

Die EPA rechnet durch die Aufhebung mit 310 Milliarden Dollar geringeren Kosten. Dabei handelt es sich jedoch um eine Behördenprognose über den Regelungszeitraum, nicht um bereits realisierte Einsparungen. Ein zweiter Vorschlag soll weitere 370 Millionen Dollar direkte Erfüllungskosten vermeiden. Dieser zweite Schritt ist noch nicht endgültig und durchläuft Anhörung und Kommentierungsfrist.

Die frühere EPA hatte die wirtschaftliche Bilanz dagegen anders bewertet. Für die Regel von 2024 veranschlagte sie 19 Milliarden Dollar Erfüllungskosten und 370 Milliarden Dollar Netto-Nutzen bis 2047. Darin enthalten waren Klima- und Gesundheitsnutzen. Die aktuelle EPA kommt deshalb zu einer grundlegend anderen Kosten-Nutzen-Bewertung.

Strombedarf steigt – EIA erwartet dennoch sinkenden Kohleanteil

Parallel wächst der US-Strombedarf deutlich. Die EIA erwartet deshalb für 2026 eine Rekorderzeugung von 4.368 Milliarden Kilowattstunden und für 2027 einen weiteren Anstieg. Treiber sind vor allem Rechenzentren und zusätzliche Industrieproduktion. Dennoch soll der Kohleanteil laut EIA von 16 Prozent 2026 auf 14 Prozent 2027 sinken. Die Aufhebung der Regeln bedeutet deshalb nicht automatisch einen kurzfristigen Kohleboom.

Für Kohlekraftwerke schafft die Entscheidung auf Bundesebene zunächst mehr regulatorischen Spielraum. Die EPA erwartet in ihrer Modellierung zudem einen starken Anstieg der Kohleproduktion für den Stromsektor. Umwelt- und Gesundheitsgruppen haben jedoch juristische Schritte angekündigt, und einzelstaatliche Emissionsregeln bleiben bestehen. Damit ändert Washington den bundesrechtlichen Rahmen, doch weitere Gerichtsverfahren dürften über dessen Bestand entscheiden.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: C&EN (16.09.26)Reuters (15.09.26)EPA (14.09.26)

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