Regierung plant neue Gasreserve – Verbraucher sollen bis zu 3,08 Milliarden Euro bezahlen

Die Bundesregierung plant eine neue nationale Gasreserve und will die Kosten dafür auf die Gaskunden umlegen. Ein Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums vom 12. Oktober 2026 sieht dafür Ausgaben von bis zu 3,08 Milliarden Euro über zehn Jahre vor. Die zusätzliche Umlage soll ab Oktober 2027 greifen und Haushalte sowie Unternehmen belasten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will damit die Gasversorgung bei Sabotage, Importausfällen und anderen schweren Krisen absichern. Allerdings hatte die Regierungskoalition eine Finanzierung zulasten der Verbraucher im Sommer noch abgelehnt.

Die neue Gasreserve soll Milliarden kosten. Trotz früherer Entlastungsversprechen plant die Regierung eine zusätzliche Umlage für Gaskunden
Die neue Gasreserve soll Milliarden kosten. Trotz früherer Entlastungsversprechen plant die Regierung eine zusätzliche Umlage für Gaskunden
Bild: Shutterstock

Neue Gasreserve soll ab 2027 zusätzliche Kosten verursachen

Die geplante Reserve umfasst 24 Terawattstunden Erdgas. Das entspricht rund zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität. Mit dieser Menge könnte Deutschland den Ausfall seiner größten Gasimport-Infrastruktur für etwa 30 Tage ausgleichen. Allerdings handelt es sich um eine zusätzliche Sicherheitsreserve, die nicht für den gewöhnlichen Gasverbrauch vorgesehen ist. Die Bundesregierung will damit die bisherigen gesetzlichen Füllstandsvorgaben durch eine andere Form der Krisenvorsorge ergänzen beziehungsweise ablösen.

Für die Finanzierung kalkuliert das Wirtschaftsministerium mit jährlichen Ausgaben zwischen 247 und 308 Millionen Euro. Diese Kosten sollen Gaskunden über eine neue Umlage tragen. Haushalte und Gewerbekunden müssten zusammen etwa 40 Prozent übernehmen. Auf die Industrie entfielen dagegen rund 60 Prozent. Die genaue Höhe der Umlage soll der Marktgebietsverantwortliche jährlich neu festlegen.


Gasreserve bringt neue Umlage nach Abschaffung der bisherigen Abgabe

Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt der geplanten Neuregelung. Erst zum 1. Januar 2026 hatte die Bundesregierung die bisherige Gasspeicherumlage abgeschafft. Damals begründete sie diesen Schritt mit einer dringend notwendigen Entlastung von Verbrauchern und Unternehmen. Die bisherigen Kosten übernimmt seither der Bundeshaushalt. Nun soll jedoch bereits ab Oktober 2027 eine neue Umlage für die Gasversorgung eingeführt werden.

Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 13.000 Kilowattstunden kalkuliert das Ministerium mit zusätzlichen Kosten von mindestens 3,77 Euro. Bei einem Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch können es bis zu 7,20 Euro werden. Die Beträge erscheinen für einzelne Haushalte überschaubar. Allerdings summieren sich die Belastungen über sämtliche Verbraucher auf mehrere Hundert Millionen Euro jährlich. Besonders für energieintensive Unternehmen entstehen dadurch zusätzliche Kosten, während hohe Energiepreise bereits ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.

Koalition hatte zusätzliche Belastung der Gaskunden abgelehnt

Die geplante Finanzierung ist auch innerhalb der Regierungskoalition umstritten. Bereits im Juli hatten die Bundestagsfraktionen von Union und SPD eine Umlage zulasten der Verbraucher zurückgewiesen. Als Begründung verwiesen sie auf die ohnehin hohen Energiekosten. Reiche stellte deshalb zwischenzeitlich auch eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell zur Diskussion. Der aktuelle Entwurf hält dennoch an der vollständigen Finanzierung durch Gaskunden fest.

Die neue Reserve soll ausschließlich bei außergewöhnlichen Versorgungsstörungen zum Einsatz kommen. Erst nach Ausrufung der Notfallstufe könnte die Bundesnetzagentur über die Freigabe der eingelagerten Gasmengen entscheiden. Dadurch sollen beispielsweise Abschaltungen von Industriebetrieben verhindert werden. Außerdem könnte der Staat auf besonders einschneidende Maßnahmen wie den Zugriff auf private Gasbestände verzichten. Für den normalen Winterbetrieb bleibt dagegen weiterhin der Gasmarkt verantwortlich.

Deutsche Gasspeicher vor dem Winter ungewöhnlich schwach gefüllt

Die Pläne treffen auf eine angespannte Situation bei den deutschen Gasspeichern. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag der Füllstand am 14. Oktober bei lediglich 60,3 Prozent. Das entspricht rund 149 Terawattstunden Erdgas. Die Vorräte liegen damit deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Vorjahreszeiträume. Allerdings bewertet die Behörde die Versorgung weiterhin als stabil und hält eine akute Mangellage derzeit für unwahrscheinlich.

Gleichzeitig verändern steigende internationale Gaspreise die wirtschaftlichen Bedingungen für die Speicherbefüllung. Deutschland bezieht Erdgas überwiegend über Pipelines und Flüssiggasterminals. Deshalb hängt die Versorgung zunehmend von funktionierenden Importwegen und internationalen Lieferketten ab. Die geplante Reserve soll genau diese Abhängigkeiten bei größeren Störungen absichern. Sie verhindert jedoch weder steigende Weltmarktpreise noch zusätzliche Kosten für Verbraucher.


Milliardenkosten für mehr Versorgungssicherheit

Der Gesetzentwurf sieht mehrere konkrete Krisenszenarien vor. Die Reserve könnte einen vollständigen Ausfall der norwegischen Pipelineimporte für rund 20 Tage kompensieren. Bei einem Ausfall sämtlicher deutscher LNG-Terminals soll die Reserve die Versorgung für etwa 40 Tage absichern. Im Falle eines vollständigen Importstopps könnte die Gasmenge Haushalte und Gewerbe während eines besonders kalten Winters rechnerisch zehn Tage versorgen. Bei normalen Wintertemperaturen verlängert sich dieser Zeitraum auf etwa 18 Tage.

Damit erhält Deutschland eine zusätzliche Absicherung gegen schwerwiegende Unterbrechungen der Gasversorgung. Allerdings bleibt die politische Finanzierung widersprüchlich. Einerseits verspricht die Bundesregierung niedrigere Energiepreise und übernimmt bisherige Umlagekosten aus dem Staatshaushalt. Andererseits plant sie bereits eine neue Abgabe für denselben Verbraucherkreis. Ob Bundestag und Bundesrat der vorgesehenen Finanzierung zustimmen, ist noch offen. Bislang handelt es sich lediglich um einen Gesetzentwurf.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (14.10.26) – Reuters (13.10.26) – Welt (13.10.26)

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