Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt Deutschland vor einem vorschnellen Gas-Ausstieg. Erdgas werde nach ihrer Einschätzung noch über Jahrzehnte für Industrie, Wärme und gesicherte Stromerzeugung benötigt. Gleichzeitig kommt der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft langsamer voran als lange unterstellt. Außerdem sind die deutschen Gasspeicher kurz vor der Heizperiode nur zu 57 Prozent gefüllt. Grimm sieht deshalb erhebliche Risiken, wenn die Energiepolitik mit einem deutlich schnelleren Rückgang des Gasbedarfs kalkuliert. Die Folgen könnten höhere Systemkosten, neue Importabhängigkeiten und zusätzliche Probleme bei der Absicherung der Stromversorgung sein.

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Gas-Ausstieg kollidiert mit Kraftwerksstrategie und Wasserstoffhochlauf
Die Bundesregierung plant selbst weiterhin erhebliche Mengen steuerbarer Kraftwerksleistung. Noch 2026 sollen zunächst zwölf Gigawatt zusätzliche Kapazität ausgeschrieben werden. Zehn Gigawatt davon müssen jedoch über längere Zeiträume Strom erzeugen können. Moderne Gaskraftwerke kommen dafür ausdrücklich infrage und sollen spätestens 2031 verfügbar sein. Damit bleibt Erdgas auch in der offiziellen Kraftwerksplanung ein wichtiger Baustein der Versorgungssicherheit.
Langfristig sollen Wasserstoff und andere klimafreundliche Energieträger einen Teil dieser Aufgabe übernehmen. Das Wasserstoff-Kernnetz soll deshalb auf rund 9.000 Kilometer wachsen. Viele Leitungen entstehen jedoch erst schrittweise bis 2037. Außerdem geht das Wirtschaftsministerium davon aus, dass Deutschland große Wasserstoffmengen importieren muss. Grimm hält einen schnelleren Übergang daher für schwerer erreichbar als frühere Planungen unterstellten.
Neue Lieferländer ersetzen die frühere Russland-Abhängigkeit
Deutschland hat seine Gasversorgung seit 2022 grundlegend umgebaut. Russische Pipeline-Lieferungen ersetzten Versorger vor allem durch norwegisches Pipelinegas und zusätzliches LNG. Allerdings entstehen dadurch neue Abhängigkeiten von anderen Lieferländern. Mehr als 90 Prozent der deutschen LNG-Importe stammen inzwischen aus den USA. Ein politisch vorweggenommener Gas-Ausstieg ändert daran kurzfristig nichts, solange Wirtschaft und Kraftwerke den Brennstoff benötigen.
Grimm fordert deshalb eine breitere Absicherung der Beschaffung. Dazu gehören diversifizierte Bezugsquellen und längerfristige, möglichst flexible Lieferverträge. Außerdem hält sie eine ergebnisoffene Prüfung zusätzlicher europäischer Gasförderung für sinnvoll. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verfolgt bei langfristigen und diversifizierten Gasverträgen inzwischen eine ähnliche Linie. Solche Verträge sollen vor allem Preissprünge und starke Schwankungen begrenzen.
Niedrige Gasspeicher zeigen die verbleibende Abhängigkeit
Wie relevant Erdgas weiterhin ist, zeigen zudem die aktuellen Speicherstände. Am 22. September waren die deutschen Speicher zu 57 Prozent gefüllt. Das waren 27 Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021. Allerdings bewertet die Bundesnetzagentur die Versorgung derzeit weiterhin als stabil. Pipelinegas, LNG, Speicher und zusätzliche Importmöglichkeiten könnten sich gegenseitig ergänzen.
Die niedrigen Füllstände bedeuten deshalb nicht automatisch eine Versorgungskrise. Sie zeigen jedoch, welchen Stellenwert Erdgas im deutschen Energiesystem weiterhin besitzt. Ein Gas-Ausstieg kann nur in dem Maß funktionieren, in dem andere Technologien Gas tatsächlich ersetzen können. Genau hier setzt Grimms Kritik an: Klimaziele allein schaffen weder Wasserstoff noch Speicher, Netze oder steuerbare Kraftwerksleistung. Werden diese Komponenten zeitlich nicht aufeinander abgestimmt, steigen Kosten und Abhängigkeiten, statt zu verschwinden.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Fataler Gas-Irrtum – Wirtschaftsweise warnt vor dem Scheitern der Energiewende – Gasspeicher: Der aktuelle Füllstand in Deutschland – Nach Putin sitzt nun Trump am Gas-Erpressungshebel
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