Gasmangel im Winter: EU warnt vor Versorgungslücke von bis zu 15 Prozent

Europa droht im kommenden Winter ein erheblicher Gasmangel, falls anhaltende Lieferausfälle auf eine längere Kälteperiode treffen. Nach neusten Berechnungen europäischer Gasnetzbetreiber könnte die Versorgungslücke unter ungünstigen Bedingungen 12 bis 15 Prozent des Bedarfs erreichen. Der Iran-Krieg behindert internationale Flüssiggaslieferungen, während die europäischen Gasspeicher ungewöhnlich niedrige Füllstände aufweisen. Deshalb drohen Haushalten und Industrie höhere Energiekosten sowie bei einer weiteren Verschärfung mögliche Verbrauchseinschränkungen. Besonders Deutschland gilt wegen seines hohen Gasverbrauchs und seiner niedrigen Speicherreserven als verwundbar.

Gasmangel in Europa: Speicher nur zu 72 Prozent gefüllt. Iran-Krieg und Kälte könnten im Winter teure Engpässe auslösen
Gasmangel in Europa: Speicher nur zu 72 Prozent gefüllt. Iran-Krieg und Kälte könnten im Winter teure Engpässe auslösen
Bild: Shutterstock

Gasmangel droht durch ungewöhnlich niedrige Speicherstände

Anfang Oktober waren die europäischen Gasspeicher lediglich zu rund 72 Prozent gefüllt. Ein Jahr zuvor lag der Füllstand noch bei etwa 83 Prozent. Damit fehlen erhebliche Reserven für die Heizperiode, obwohl der Winter noch nicht begonnen hat. Nach Angaben des Branchenverbandes Gas Infrastructure Europe lagern rund 74 Milliarden Kubikmeter Erdgas in den europäischen Speichern.

Eine Untersuchung des Institute for Energy Economics and Financial Analysis beziffert die mögliche Lücke auf 7,3 Milliarden Kubikmeter gegenüber dem Vorwinter. Zudem endet im Januar 2027 die Einfuhr russischen Flüssiggases in die EU. Zusammengenommen könnten diese Faktoren eine Reduzierung des Gasverbrauchs um sieben Prozent erfordern. Das entspricht etwa 14 Milliarden Kubikmetern Erdgas und setzt besonders energieintensive Industriebetriebe einem zusätzlichen Kostenrisiko aus.

Iran-Krieg verschärft Wettbewerb um Flüssiggas

Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar beeinträchtigen Angriffe und Einschränkungen im Persischen Golf den internationalen Energiehandel. Besonders kritisch ist die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Flüssiggashandels verläuft. Lieferausfälle aus Katar verknappen deshalb das verfügbare Angebot auf dem Weltmarkt. Gleichzeitig konkurrieren europäische Importeure mit asiatischen Abnehmern um alternative Lieferungen.

Die Folgen zeigen sich bereits bei den Preisen. Mitte September erreichten europäische Gas-Terminkontrakte zeitweise 84,50 Euro je Megawattstunde und damit den höchsten Stand seit 2022. Anfang Oktober lag der Referenzpreis erneut zeitweise über 80 Euro. Höhere Beschaffungskosten treffen deshalb nicht nur Gasheizungen, sondern auch Unternehmen mit gasbetriebenen Produktionsanlagen und Kraftwerken.


Deutschland wird zum Schwachpunkt der europäischen Gasversorgung

Deutschland verfügt über besonders große Gasspeicher, hat aber zugleich einen hohen Verbrauch. Ende September lag der nationale Speicherfüllstand bei lediglich rund 58 Prozent. Deshalb kann ein zusätzlicher deutscher Importbedarf auch die Preise in anderen europäischen Staaten erhöhen. Besonders problematisch sind lange Kälteperioden, weil gleichzeitig Haushalte, Industrie und Gaskraftwerke mehr Energie benötigen.

Ein weiterer Grund für die niedrigen Speicherstände liegt in den wirtschaftlichen Anreizen. Zeitweise kostete Gas für eine Lieferung im Sommer mehr als für eine Lieferung im Winter. Händler konnten deshalb mit der Einlagerung kaum Gewinne erzielen. Die Bundesregierung hat den staatlich kontrollierten Importeur SEFE inzwischen angewiesen, bis Mitte Dezember zusätzlich acht Terawattstunden Gas einzulagern.


EU-Kommission hält Versorgung dennoch für gesichert

Die Europäische Kommission sieht bislang keine unmittelbare Gefahr eines flächendeckenden Gasmangels. In ihrer Bewertung vom 8. Oktober verweist sie auf zusätzliche LNG-Terminals, diversifizierte Lieferanten und einen gesunkenen Gasverbrauch. Außerdem können europäische Netze größere Flüssiggasmengen aufnehmen. Allerdings setzt diese Einschätzung voraus, dass zusätzliche Lieferungen auf dem Weltmarkt verfügbar bleiben.

Ein harter Winter würde diese Kalkulation erheblich erschweren. Bei sinkenden Speicherständen verringert sich zudem die technisch mögliche Entnahmeleistung. Deshalb kann regionaler Gasmangel auftreten, obwohl in Europa insgesamt noch Erdgas vorhanden ist. Schon ohne tatsächliche Lieferunterbrechungen könnten hohe Importpreise Verbraucher und Industrie zusätzlich belasten. Für die EU wird damit entscheidend, ob sie rechtzeitig genügend Gas beschaffen kann, ohne eine neue Preisexplosion auszulösen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: IGIE (09.10.26) – EuroNews (09.10.26) – entsog (08.10.26) – European Commission (08.10.26)

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