Trotz Sanktionen – Großbritannien lockert Importe für Kerosin, Diesel und LNG russischer Herkunft

Großbritannien lockert in London am Mittwoch seine Sanktionsregeln für Kerosin, Diesel und LNG russischer Herkunft, weil der Iran-Krieg die Ölversorgung belastet und Energiepreise erhöht. Die Regierung erlaubt Kraftstoffimporte, wenn Raffinerien in Drittstaaten russisches Rohöl verarbeitet haben. Zugleich schafft sie befristete Spielräume für verflüssigtes Erdgas aus bestimmten russischen Anlagen. Der entscheidende Risikofaktor liegt deshalb in der indirekten Finanzierung russischer Rohölexporte. Betroffen sind Flugverkehr, Transportwirtschaft, Energiehandel und Verbraucher (tagesspiegel: 20.05.26).


London setzt Versorgungssicherheit vor Sanktionshärte

Großbritannien hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine harte Energie- und Finanzsanktionen verhängt. Diese Linie sollte Moskaus Einnahmen aus Rohstoffen begrenzen. Nun verschiebt London jedoch den Schwerpunkt auf stabile Versorgung.

Hohe Energiepreise treiben Großbritannien zum Kurswechsel - London erlaubt wieder Kerosin, Diesel und LNG aus russischem Rohöl
Hohe Energiepreise treiben Großbritannien zum Kurswechsel – London erlaubt wieder Kerosin, Diesel und LNG aus russischem Rohöl

Die neue Ausnahme betrifft keine direkten Kraftstofflieferungen aus Russland. Entscheidend bleibt die Verarbeitung in einem Drittland. Deshalb können britische Unternehmen Produkte kaufen, wenn etwa indische Raffinerien russisches Rohöl zu Diesel oder Flugtreibstoff verarbeitet haben.

Kerosin und Diesel aus Drittstaaten werden wieder möglich

Für den Luftverkehr besitzt Kerosin eine hohe Bedeutung. Steigende Preise treffen Airlines, Flughäfen und Passagiere schnell. Deshalb kann die Lockerung kurzfristig Kostenrisiken dämpfen.

Auch Diesel bleibt für Großbritannien strategisch wichtig. Speditionen, Landwirtschaft und Versorgungsketten hängen von planbaren Preisen ab. Zugleich erhöht die Regel den politischen Preis, weil Russland weiter Rohöl verkaufen kann.

LNG-Ausnahme bringt neue Angriffsfläche

Die Regierung öffnet außerdem befristete Möglichkeiten beim Import von LNG. Diese Regel betrifft verflüssigtes Erdgas aus bestimmten russischen Anlagen. Während der Gasmarkt angespannt bleibt, gewinnt London damit mehr Flexibilität.

Finanzstaatssekretär Dan Tomlinson begründet die Entscheidung mit dem „Schutz der nationalen Interessen des Vereinigten Königreichs“. Die Formulierung zeigt jedoch den Zielkonflikt. Energiesicherheit zählt nun stärker als die bisherige Sanktionslogik.


Kritik wächst wegen indirekter Russland-Geschäfte

Die Opposition kritisiert den Kurswechsel scharf. Tory-Chefin Kemi Badenoch erklärte, die Labour-Regierung habe nach Monaten harter Worte stillschweigend eine Lizenz für russisches Öl in Drittstaaten erteilt. Zugleich macht sie den Schritt zum Symbol einer schwächeren Russland-Politik.

Auch auf G7-Ebene sorgt die Entwicklung für Streit. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte vor nachlassendem Druck auf Moskau. Großbritannien senkt deshalb kurzfristig Versorgungsrisiken, nimmt jedoch politische und strategische Folgekosten in Kauf.

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