Geesthacht, August 2026 – Niederschläge könnten sich rund um die Nordsee durch einen extrem starken Ausbau der Offshore-Windparks deutlich verlagern. Eine neue Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon errechnet für Teile Jütlands mehr als 15 Prozent weniger Regen. An den Küsten Deutschlands, der Niederlande und Großbritanniens wären regional Rückgänge von 10 bis 12 Prozent möglich. Gleichzeitig würde über großen Windparkflächen mehr Regen fallen. Dort könnte außerdem die Windgeschwindigkeit um zwei bis drei Meter pro Sekunde sinken. Die stärksten Effekte treten jedoch nur in einem technischen Maximalszenario auf, das deutlich über den heutigen europäischen Ausbauzielen liegt.
Niederschläge verändern sich erst bei sehr starkem Offshore-Ausbau
Die Forscher nutzten das regionale Klimamodell COSMO-CLM. Dabei legten sie Wetterdaten aus den Jahren 2008 bis 2017 zugrunde. Das Modell umfasste bestehende und mögliche künftige Windparkflächen in Nord- und Ostsee. Außerdem untersuchte das Team verschiedene Turbinengrößen und Ausbaustufen.

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Für die Szenarien 2023 und 2030 bleiben die Veränderungen bei den Niederschlägen vergleichsweise gering. Deutlich stärker werden die Effekte dagegen im Szenario für die Zeit nach 2050. Dafür belegten die Forscher sämtliche ausgewiesenen Entwicklungsflächen mit Anlagen. Diese Annahme geht deshalb weit über die diskutierten 300 Gigawatt Offshore-Leistung bis 2050 hinaus. Die Ergebnisse beschreiben somit keine Prognose für den tatsächlich erwarteten Ausbau.
Windparks verändern Windströmung und Feuchtigkeitstransport
Windräder entziehen der Luft Bewegungsenergie, während ihre Rotoren zusätzliche Turbulenzen erzeugen. Dadurch vermischen sich unterschiedliche Luftschichten stärker. Feuchtigkeit kann deshalb über großen Anlagenfeldern verstärkt aufsteigen und dort kondensieren. Das Modell zeigt entsprechend mehr Regen über dem Meer und weniger Niederschlag in einigen angrenzenden Küstenregionen.
Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei südwestlichen Winden. In Teilen Jütlands sinkt der berechnete Regen um mehr als 15 Prozent. Deutsche, niederländische und britische Küstenregionen erreichen dagegen Werte von etwa 10 bis 12 Prozent. Über den Windparkflächen steigen die Niederschläge gleichzeitig regional an. Damit verschiebt das Modell einen Teil des Regens vom Land in Richtung Meer.
Weitere Studien zeigen Folgen großer Windparkflächen
Die atmosphärischen Veränderungen sind zudem nicht die einzigen untersuchten Folgen großer Offshore-Windparks. Eine weitere Studie von 2026 ermittelte Veränderungen der Strömungsgeschwindigkeit in der Nordsee um bis zu 20 Prozent. Außerdem errechneten Forscher lokal eine langfristige Erwärmung der Meeresoberfläche um bis zu 0,2 Grad. Eine andere Untersuchung fand Veränderungen bei Schichtung und biologischer Produktivität in Nord- und Ostsee.
Damit wächst die wissenschaftliche Datenbasis zu den kumulativen Auswirkungen eines sehr starken Offshore-Ausbaus. Die neue Studie liefert jedoch Modellresultate und keine Messung künftiger Wetterverhältnisse. Die Autoren fordern deshalb weitere Untersuchungen mit zusätzlichen Modellen. Mehrere Arbeiten zeigen dennoch, dass dicht bebaute Meeresflächen physikalische Prozesse in Atmosphäre und Meer verändern können. Solche Effekte könnten deshalb bei der langfristigen Ausbauplanung an Bedeutung gewinnen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Helmholtz-Zentrum (20.08.26) – CleanThinking (22.08.26) – Meteored (22.08.26) – Heise (24.08.26)
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