Der Einfluss von Offshore-Windparks auf Strömungen, Temperaturen und Meeresböden

Offshore-Windparks beeinflussen weltweit Strömungen, Temperaturen, Sedimente und die Schichtung des Meerwassers. Neue Studien aus den Jahren 2025 und 2026 untersuchen die Nordsee, die Ostsee, die US-Ostküste und chinesische Küstengewässer. Rotoren entziehen der Luft Energie, während Fundamente Strömungen bremsen und zusätzliche Turbulenzen erzeugen. Modelle zeigen lokale Änderungen von mehr als 20 Prozent, während Satellitendaten große Sedimentfahnen hinter Anlagen nachweisen. Deshalb könnten Meeresböden, Nährstoffkreisläufe, Plankton und Küstenökosysteme stärker betroffen sein als bisher in vielen Planungen berücksichtigt.


Offshore-Windparks verändern Strömungen und Temperaturen

Für die Nordsee berechneten deutsche Forscher lokal sinkende Strömungsgeschwindigkeiten von mehr als 20 Prozent. Außerdem verschob sich im Modell die Energie verschiedener Gezeitenkomponenten. Die Simulation ergab in Windparkgebieten eine langfristige Erwärmung der Wasseroberfläche um bis zu 0,2 Grad. Fundamente können das Wasser jedoch zugleich durchmischen und im Sommer lokal um bis zu 0,5 Grad abkühlen. Die Ergebnisse beschreiben daher keine einheitliche Erwärmung des gesamten Meeres.

Neue Studien zeigen, wie Offshore-Windparks Strömungen, Temperaturen, Sedimente und Ökosysteme in mehreren Meeresgebieten verändern
Neue Studien zeigen, wie Offshore-Windparks Strömungen, Temperaturen, Sedimente und Ökosysteme in mehreren Meeresgebieten verändern
Bild: KI-generiert

Vor der US-Ostküste errechnete eine Studie für große Offshore-Windparks eine Erwärmung der Oberfläche um 0,3 bis 0,4 Grad. Gleichzeitig wurde die durchmischte obere Wasserschicht flacher. Dadurch veränderten sich Wärmeflüsse zwischen Meer und Atmosphäre. Diese Werte stammen jedoch aus gekoppelten Modellrechnungen und nicht aus langjährigen Messungen bestehender Anlagen. Vor Kalifornien könnte ein schwächerer Küstenauftrieb außerdem marine Hitzewellen verlängern, doch auch dieser Effekt bleibt bislang modelliert.

Sedimenttransport reicht weit über Fundamente hinaus

Besonders konkrete Beobachtungen liefern Satellitenaufnahmen aus dem Bohai- und Gelben Meer. Dort stieg die Zahl der erfassten Turbinen von 322 im Jahr 2016 auf 3.840 im Jahr 2024. Die Forscher ordneten rund 5.800 Quadratkilometer Wasserfläche den sichtbaren Nachläufen der Anlagen zu. Außerdem lag die Konzentration schwebender Sedimente in einzelnen Fahnen um mehr als 20 Prozent höher. Die Aufnahmen zeigen deshalb reale Veränderungen, erfassen jedoch vor allem oberflächennahe Trübung.

Eine Studie vom Juni 2026 kombinierte Laborversuche, Modelle und Daten aus einem bestehenden Windpark. Turbulenzen hinter Monopile-Fundamenten konnten Sand noch 17 Fundamentdurchmesser stromabwärts mobilisieren. Dadurch könnten drei bis acht Prozent eines typischen Windparkbodens stärker belastet werden. Bisherige Bewertungen setzten die direkt veränderte Fläche häufig mit ungefähr einem Prozent an. Deshalb könnten Lebensräume am Meeresboden deutlich weiträumiger betroffen sein.


Ökosysteme reagieren regional sehr unterschiedlich

Offshore-Windparks verändern außerdem die Wasserschichtung und damit den Transport von Nährstoffen. In Nord- und Ostsee reichten modellierte Effekte stellenweise bis zu 60 Kilometer über Windparkflächen hinaus. Zusätzliche Turbulenzen können Nährstoffe nach oben bringen, während eine stärkere Schichtung den Austausch mit tieferen Wasserschichten bremst. Deshalb kann die Planktonproduktion je nach Region steigen oder sinken. Ein pauschaler Effekt für alle Meeresgebiete lässt sich daraus nicht ableiten.

Auch beim Sedimenttransport zeigen Modelle große regionale Unterschiede. Eine Nordsee-Studie errechnete lokale Änderungen von bis zu 30 Prozent und eine jährliche Umverteilung von 1,5 Millionen Tonnen Schlamm. Zudem könnten sich etwa 70.000 Tonnen partikulärer organischer Kohlenstoff verlagern. Nicht belegt sind dagegen veränderte Zeiten von Ebbe und Flut oder ein vergleichbarer Rückgang des Tidenhubs. Dennoch sollten Genehmigungen künftig die kumulierten Folgen ganzer Windpark-Cluster prüfen, statt nur einzelne Anlagen zu betrachten.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Nature Communications (03.06.26)npj Ocean Sustainability (11.05.26) – Communications Earth & Environment (14.03.26)Marine Pollution Bulletin (25.02.26)Communications Earth & Environment (13.01.26)

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